. TK-Umfrage

Pflegereform? Was für eine Pflegereform?

Die zum Jahreswechsel anstehende Pflegereform ist der Mehrheit der Deutschen unbekannt: 51 Prozent haben laut einer aktuellen Umfrage noch nie davon gehört.
Trotz intensiver öffentlicher Debatten: Die Pflegeform ist jedem zweiten unbekannt

Trotz intensiver öffentlicher Debatten: Die Pflegeform ist jedem zweiten unbekannt

Im Januar ändern sich durch das Pflegestärkungsgesetz II wesentliche Bestandteile der Pflegeversicherung. Zum Beispiel werden die Pflegestufen abgeschafft und durch fünf Pflegegrade ersetzt. Die Mehrheit der Deutschen hat allerdings noch nie davon gehört: Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) gaben 51 Prozent der Befragten an, keinerlei Kenntnis von den Neuerungen zu haben. 38 Prozent haben immerhin davon gehört oder gelesen, nur rund jeder Zehnte hat sich bereits aktiv informiert.

Pflegevorsoge – so scheint es – interessiert die meisten nur wenig. Vier von zehn Befragten gaben an, sich zur eigenen Pflegeversicherung noch keinerlei Gedanken gemacht zu haben. Besonders krass ist dies bei höhere gebildeten Menschen und den 18- bis 39-Jährigen ausgeprägt: 46 Prozent bzw. 61 Prozent haben sich noch nie mit der Frage beschäftigt, wie sie im Pflegefall versorgt sein werden. Im Alter steigt jedoch das Interesse: Von den über 60-Jährigen hat bislang nur jeder Vierte (27% ) das Thema gemieden.

Mehrheit betrachtet eigene Vorsorge als mangelhaft

Dabei ist den meisten (96 %) bewusst, dass die Pflegeversicherung nicht ausreicht, um die anfallenden Kosten im Pflegefall zu decken. Zwei Drittel der Befragten gehen davon aus, für einen solchen Fall nicht ausreichend vorgesorgt zu haben. Besonders groß sind die Bedenken bei den 18- bis 39-Jährigen: 78 Prozent von ihnen sehen die eigene Vorsorge kritisch. Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil derer, die die eigene Vorsorge für ausreichend halten jedoch an. Bei den über 60-Jährigen sind es immerhin 45 Prozent.

Unkenntnis besteht laut TK-Umfrage auch hinsichtlich der konkreten Kosten für einen Platz im Pflegeheim. Im Schnitt kostet ein Heimplatz rund 3.600 Euro im Monat. Nur jeder dritte wusste das.  In der aktuell höchsten Pflegestufe III übernimmt die Pflegekasse davon gerade mal 1.612 Euro, in besonderen Härtefällen bis zu 1.995 Euro. Ab Januar soll der maximale Zuschuss auf 2.005 Euro steigen.

 

Extra Vorsorge oft nicht leistbar

"Die Umfrage zeigt, dass vielen durchaus bewusst ist, wie wichtig Vorsorge für einen möglichen Pflegefall ist“, sagt Pflegeexperte TK-Georg van Elst. Andererseits fehle der Wille und teilweise auch die Möglichkeiten, sich vorzubereiten. In der Umfrage gaben 68 Prozent derjenigen, die die eigene Vorsorge kritisch sehen, an, aus finanziellen Gründen nicht vorsorgen zu können. Bei Frauen waren Kostengründe mit 73 Prozent deutlich ausgeprägter als bei Männern (61 %).

Georg van Elst: „Es ist menschlich verständlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema schwerfällt. Angesichts der steigenden Zahl Pflegebedürftiger in den kommenden Jahren, empfiehlt es sich aber, die aktuellen Veränderungen zum Anlass zu nehmen, um sich mit dem Thema zu befassen."

Die repräsentative Umfrage wurde im Auftrag der TK im August vom Forsa Institut durchgeführt. Befragt wurden 1000 Menschen. 

Autor: ham
Hauptkategorie: Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Die Zeitumstellung ist ein aufgezwungener Jetlag. Das sagt der frisch gewählte Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) Prof. Peter Young. Anders als die meisten Deutschen favorisiert er aber eine durchgängige Winterzeit.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.