. Tarif-Streit

Pflegepersonal streikt an drei Charité-Standorten

Pflegekräfte der Charité sind am heutigen Dienstag in einen Aktionsstreik getreten. Die Standorte Mitte, Steglitz und Wedding sind betroffen. Es geht erneut um mehr Personal und die Arbeitsbedingungen.
Die Auseinandersetzungen an der Charité wegen Personalmangel gehen weiter. Am Dienstag 8. August streikt das Pflegepersonal

Die Auseinandersetzungen an der Charité wegen Personalmangel gehen weiter. Am Dienstag 8. August streikt das Pflegepersonal

Der laufende Betrieb an der Charité wird am Dienstag wegen eines Streiks der Pflegekräfte an den drei Standorten Mitte, Steglitz und Wedding erheblich gestört. Zahlreiche Termine mussten verschoben werden. Notfälle werden aber versorgt. ver.di hatte zu dem Aktionsstreik aufgerufen, um Druck im laufenden Tarifstreit auszuüben. Nach Ansicht der Gewerkschaft wird der 2016 ausgehandelte Tarifvertrag massiv unterlaufen.

Im Vertrag wurde unter anderem die Einstellung von mehr Pflegekräften vereinbart. In der Tat hat die Charité das Ziel noch nicht erreicht. Die Charité verweist jedoch darauf, dass bereits 260 zusätzliche Pflegekräfte eingestellt wurden und bis zum Jahresende weitere 40 folgen werden. „Die Situation hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verbessert. In keinem anderen Krankenhaus ist so viel zusätzliches Personal aufgebaut worden, wie an der Charité“, erklärte der Ärztliche Direktor der Charité Prof. Dr. Ulrich Frei am Dienstagmorgen im Inforadio des rbb. Dass die Lücken, die durch den Tarifvertrag geschlossen werden sollen, noch nicht ganz gefüllt seien, liege am bundesweiten Fachkräftemangel. Die Charité bemühe sich weiterhin um mehr Personal. Der Streik konterkariere diese Bemühungen, warf Frei der Gewerkschaft vor. 

Zwickmühle Fachkräftemangel

Ein besonderer Streitpunkt ist das Personal auf Intensivstationen. Der Tarifvertrag sieht  vor, dass eine Intensiv-Pflegekraft im Schnitt nur noch zwei Patienten versorgen muss. Zuvor waren es im Schnitt vier. Der Vorstand halte sich nicht daran und verweigere Kontrollen, heißt es aus Gewerkschafts- und Mitarbeiterkreisen. Der Ärztliche Direktor der Charité dementierte das. Die Charité komme dem vereinbarten Personalschlüssel auf Intensivstationen nach, erklärte er im Inforadio. Dennoch komme es in einem Krankenhaus vor, dass die Planung nicht der Wirklichkeit entspreche, da der Patientenzustrom und die Art der Patienten ist von Tag zu Tag unterschiedlich sei. „Deswegen kann man nicht in jeder Situation die vorgenommen Werte erreichen, aber im Mittel erreichen wir sie“, erklärte Frei.

OP-Trakt in Mitte zu klein

Im Streit zwischen dem Uniklinikum und den Pflegekräften geht es auch um den neuen OP-Trakt in Mitte. In dem Prestigeobjekt wurden aus Kostengründen drei OP-Säle und andere Funktionsbereiche eingespart. Bereits im April klagten Mitarbeiter über beenget Bedingungen, die das Patientenwohl gefährdeten. Jetzt wurde ein Brandbrief von rund 160 Ärzten und Pflegekräften unterzeichnet, in dem von schwerwiegenden und Hygiene- und Sicherheitsmängeln die Rede ist.

Ulrich Frei erklärte dazu, es habe durch die neue Anordnung der OP-Säle „Eingewöhnungsschwierigkeiten“ gegeben. Das Hauptproblem sei aber der  Fachkräftemangel.

Mitarbeiter und ver.di hatten unterdessen nicht nur mit Streik gedroht, sondern auch mit Dienst nach Vorschrift, also mit einem Überstundenboykott. Das würde die Charité zwingen, mehr Leasingpersonal anzuheuern.

ver.di hat aus Unmut über die Umsetzung den Tarifvertrag zum 30.6.2017 auslaufen lassen. Die Charité möchte ihn gerne wieder in Kraft setzten. „Unser Gesprächsangebot steht.“

Foto: © wavebreakpremium - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik
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