. Fachkräftemangel in der Pflege

Pflegenotstand: Kliniken in Niedersachsen müssen Patienten abweisen

Wegen fehlendem Pflegepersonal muss jedes dritte Krankenhaus in Niedersachen Betten sperren oder ganze Stationen schließen. Besonders dramatisch ist der Pflegnotstand auf Intensivstationen. Aber auch die Bereiche Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie sind betroffen.
Pflegenotstand, Niedersachsen

Leere Betten in Niedersachsen: Jede dritte Klinik findet nicht mehr genug Pflegepersonal

Seit Januar gelten bundesweit Personaluntergrenzen für Intensivstationen und die Bereiche Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie. Doch die Krankenhäuser finden nicht genug Personal, diese gesetzlichen Vorgaben einzuhalten.

Wie dramatisch die Situation in Niedersachsen ist, hat das NDR- Magazin „Hallo Niedersachsen" recherchiert. Danach mussten in Niedersachsen im ersten Quartal dieses Jahres 34 Prozent der Kliniken Betten auf Intensivstationen sperren und Patienten abweisen. Das ist jedes dritte Krankenhaus. Die Zahlen stammen aus einer repräsentativen Umfrage der niedersächsischen Krankenhausgesellschaft.

Patienten müssen mit weiten Wegen rechnen

Für die Bereiche Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie meldeten rund zehn Prozent der Häuser Bettensperrungen und Stationsschließungen, erfuhr "Hallo Niedersachsen" auf Anfrage. „Die Kliniken kommen deutlich an ihre Grenzen. Und für die Patientinnen und Patienten bedeutet das, dass sie mit weiteren Wegen rechnen müssen", sagte Marten Bielefeld, stellvertretender Geschäftsführer der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft den Reportern.

Weitere Recherchen bei der Bundesagentur für Arbeit zeigten, dass die Bewerberzahl in der Pflege inzwischen einen Tiefstand erreicht hat. Demnach standen im Juni 2019 den insgesamt 965 in Niedersachsen gemeldeten offenen Stellen nur 315 Bewerbungen von examinierten Pflegfachkräften gegenüber.

 

Zahl der Bewerber hat Tiefstand erreicht

„Wir bräuchten tatsächlich zehnmal so viele Bewerber wie aktuell vorhanden sind“, sagte Sonja Kazma, Pressesprecherin der Bundesagentur für Arbeit in Hannover, dem Magazin "Hallo Niedersachsen": „In der Arbeitsvermittlung gehen wir erfahrungsgemäß davon aus, dass man rechnerisch mindestens drei Bewerber oder Bewerberinnen pro Stelle braucht, um sie passend besetzen zu können. Demnach müssten es hier gut 3000 Bewerber sein, es sind aber nur 315."

Damit bewegt sich die Zahl der Bewerber im ersten Halbjahr 2019 auf dem niedrigsten Stand seit zwölf Jahren, weiter reichend die Erhebungen der Arbeitsagenturen nicht. Im Jahr 2007 kamen auf 417 offene Stellen immerhin noch 975 Bewerber. Das Verhältnis von Stellen und Bewerbern hat sich damit grundlegend verändert. Der Personalnotstand in der Pflege hat eine neue Dimension erreicht.

Foto: pixabay

Autor: ham
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Krankenhäuser
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegekräftemangel

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Kopflausbefall ist europaweit die häufigste Parasiten-Erkrankung im Kindesalter. Fälschlicherweise wird der Befall oft auf mangelnde Hygiene zurückgeführt. Betroffene schämen sich und schweigen. Dabei ist es wichtig, über das Tabuthema offen zu sprechen und die Parasiten so schnell es geht zu behandeln. Sonst können sie weitere Familienmitglieder, Mitschüler oder Freunde befallen.
 
 
. Interviews
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.
Noch müssen Ärzte in Deutschland keine Triagierung von COVID-19-Patienten vornehmen. Doch was wenn, die Intensivkapazitäten auch hier zu Lande nicht reichen? Gesundheitsstadt Berlin hat über das bedrückende Thema mit Prof. Dr. Elisabeth Steinhagen-Thiessen gesprochen. Die Charité-Medizinerin befasst sich als Mitglied des Deutschen Ethikrats und einer soeben eingerichteten Task Force des Berliner Senats intensiv mit dem Worst-Case-Szenario „Triagierung“.