. Aktuelle Forsa-Umfrage

Pflegende Angehörige stehen unter Dauerstress

Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) macht deutlich: Fast sieben von zehn pflegenden Angehörigen sind gestresst. Fast 40 Prozent stehen unter Dauerdruck. Das sind fast doppelt so viele wie der Bevölkerungsdurchschnitt von 20 Prozent.
Pflegebedürftige sind auf ihre Angehörigen angewiesen

Angehörige von Pflegebedürftigen sind im Dauereinsatz

„Unsere Daten zeigen, dass die Pflege an Nerven und Gesundheit zerrt", sagt Heiko Schulz, Diplompsychologe bei der TK anlässlich der an diesem Dienstag veröffentlichten TK-Studie zur Stresslage der Nation mit dem Titel „Bleib locker, Deutschland“.

Vier von zehn der befragten pflegenden Angehörigen gaben an, dass sie sich ausgebrannt fühlen – gegenüber knapp drei von zehn der Befragten insgesamt. Zudem schlauche die Doppelbelastung durch Beruf und Pflege. „Viele Angehörige fühlen sich wie in einem Hamsterrad und haben das Gefühl, nur noch zu funktionieren", mahnt denn auch Schulz weiter.

Pflegenden Angehörigen fehlt die Möglichkeit aufzutanken

Pflegenden fällt es oft schwer, die richtige Work-Life-Balance zu finden, geht aus den Befragungsergebnissen hervor. 53 Prozent der Befragten geben an, dass Freunde und Familie wegen des Berufs oft zu kurz kommen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 34 Prozent. Auf der anderen Seite fehle Pflegenden dadurch eine wichtige Möglichkeit aufzutanken. So sagt nur jeder Zweite, er könne Energie aus seinem Privatleben ziehen - gegenüber sieben von zehn Menschen im Bevölkerungsschnitt.

Die Pflegesituation geht auch mit einer schlechteren Gesundheitsbilanz des Pflegenden einher, macht die Umfrage weiter deutlich. 66 Prozent der Pflegenden geben an, dass sie unter Rückenschmerzen leiden (gegenüber 58 Prozent im Bundesschnitt). 46 Prozent kämpft mit Schlafstörungen (32 Prozent im Bundesdurchschnitt). 41 Prozent fühlen sich nervös und gereizt, verglichen mit durchschnittlich 25 Prozent.

Daher gelte es, die gesundheitlichen Ressourcen der pflegenden Angehörigen zu stärken und sie damit zu befähigen, die Belastungen bewältigen zu können, so Schulz. "Schon kleine positive Erlebnisse, bewusst genossen, können einen Ausgleich bilden." Sein Rat: "Pflegende Angehörige sollten sich Unterstützung holen".

Hilfemöglichkeiten der Pflegeversicherung für pflegende Angehörige nutzen

Am Arbeitsplatz erweise es sich in der Regel als hilfreich, Vorgesetzte und Kollegen offen über die private Belastung zu informieren. Auch Auszeiten seien möglich: Steht Urlaub an oder werde der Pflegende selbst krank, übernehme die Pflegeversicherung für die sogenannte Ersatzpflege für bis zu 28 Tage im Jahr Kosten bis zu 1.550 Euro – darauf weist die TK hin. Die Pflege könne dabei zu Hause durch Freunde oder einen ambulanten Pflegedienst übernommen werden. Entlastend seien auch individuelle Schulungen oder Kurse, in denen Pflegende Techniken wie rückengerechtes Pflegen und Pflegemethoden erlernen können. Auch der Austausch mit anderen Angehörigen und mit professionellen Pflegekräften komme in diesen Kursen nicht zu kurz.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege

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