Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.09.2015

Pflegende Angehörige oft depressiv und überfordert

Pflegende Angehörige stehen unter großem Druck. Dass der auch depressiv und körperlich krank machen kann, zeigt der neue DAK-Pflegereport „So pflegt Deutschland“.
So pflegt Deutschland: 90 Prozent der pflegenden Angehörigen sind weiblich. Viele fühlen sich überfordert

So pflegt Deutschland: 90 Prozent der pflegenden Angehörigen sind weiblich. Viele fühlen sich überfordert

Die Pflege von Angehörigen kann krank machen. Laut dem DAK-Pflegereport werden Pflegende Angehörige um zehn Prozent häufiger wegen psychischer Leiden behandelt als die übrige Bevölkerung. Bei Depressionen sind es acht Prozent mehr. Auch körperlich sind pflegende Angehörige stärker belastet: Jeder sechste musste im vergangenen Jahr wegen Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen zum Arzt, bei nicht-pflegenden Personen war nur jeder Zehnte betroffen. „Das zeigt, wieviel Druck auf Menschen lastet, die neben Job und Familie noch die Pflege eines Angehörigen übernehmen“, sagt Herbert Rebscher, Vorstandschef der DAK-Gesundheit.

Pflege von dementen Personen besonders belastend

Der Pflegereport zeigt auch, dass es zu 90 Prozent Frauen sind, die Angehörige pflegen. Jede Dritte ist berufstätig, aber nur 20 Prozent arbeiten in Vollzeit. Dies geht aus einer zusätzlichen Befragung von Pflegepersonen hervor, die das Forsa-Institut im Auftrag der DAK Gesundheit durchgeführt hatte. Danach schätzt über die Hälfte der pflegenden Angehörigen die eigene Belastung als hoch oder sehr hoch ein. 50 Prozent fühlen sich manchmal körperlich von der Pflege überfordert. Rund zwei Drittel klagen über psychische Überforderung und Zeitmangel. Die Belastung ist besonders ausgeprägt, wenn demente Angehörige gepflegt werden.

 

Neuer online Pflegecoach

Trotz der hohen Belastungen, greifen nur die wenigsten auf externe Hilfsangebote zurück. Nur jeder Fünfte hat zum Beispiel kostenlose Kurse der Pflegekassen genutzt. „Dass solche Angebote in so geringem Maße in Anspruch genommen werden, stimmt nachdenklich“, sagt der Pflegewissenschaftler Professor Thomas Klie von der Universität Klagenfurt. Vielen pflegenden Angehörigen fehle offenbar die Zeit, im hektischen Alltag noch regelmäßige Termine wahrzunehmen.

Die DAK bietet deshalb neuerdings an einen kostenlosen online Pflege-Kurs an. Der Pflegecoach kann nach DAK-Informationen von allen Versicherten genutzt werden und biete eine Hilfe ohne Hürden. 

Für den DAK-Pflegereport „So pflegt Deutschland“ hat die Kasse die anonymisierten Daten von 500.000 Versicherten ausgewertet. Außerdem wurden Daten von 12.000 pflegenden Angehörigen mit denen einer nicht-pflegenden Gruppe verglichen und die häufigsten Krankheiten analysiert.

Foto: DAK 

Autor: ham
Hauptkategorie: Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Pflegende Angehörige , Depression , Rückenschmerzen , Demenz
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ein gutes Patientengespräch kann offenbar postoperative Schmerzen lindern. Das konnten Wissenschaftler jetzt in einer Studie zeigen. Je besser die Patienten in die Schmerztherapie einbezogen wurden, desto seltener wünschten sie zusätzliche Schmerzmittel.


 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin