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Pflegekosten und Pflegequalität in Deutschland ungleich verteilt

Freitag, 16. November 2018 – Autor:
In manchen Bundesländern müssen Pflegebedürftige doppelt so viel zu den Pflegekosten dazuzahlen wie in anderen Regionen. Auch die Pflege-Qualität ist vom Wohnort abhängig. Das zeigt der DAK-Pflegereport 2018.
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Die Zuzahlung zu den Pflegekosten fällt in den verschiedenen Regionen Deutschlands sehr unterschiedlich aus – Foto: ©juefraphoto - stock.adobe.com

Pflegebedürftige zahlen in manchen Bundesländern doppelt so viel zu den Pflegekosten dazu wie in anderen Regionen. Zugleich ist die Pflege-Qualität vom Wohnort abhängig. Der DAK-Vorstand Andreas Storm fordert jetzt eine Reform der Pflegefinanzierung, um diese Ungleichheit zu beseitigen.

Das erklärte er anlässlich der Präsentation des DAK-Pflegereports 2018. Dem Report zufolge bewertet die überwiegende Mehrheit der Deutschen die Kosten, die Pflegebedürftige und deren Angehörige für die Pflege aufbringen müssen, kritisch: Neun von zehn Befragten sagen, dass Pflegeheime teuer sind.

Reform-Vorschlag: Eigenanteil für Pflegeleistungen deckeln

Sieben von zehn sind der Meinung, dass sich viele Familien Pflegedienste und Heime für ihre Angehörigen nicht leisten können. Fast zwei Drittel denken, dass viele Pflegeheim-Bewohner wegen der hohen Kosten zum Sozialfall werden. Wer Pflege bereits in seinem Umfeld erlebt hat, stimmt diesen Aussagen noch etwas häufiger zu. Diese Schieflage widerspreche fundamental dem Anspruch der Pflegeversicherung, so Storm.

Er fordert daher eine Reform: "Die Eigenanteile für Pflegeleistungen sollten gedeckelt werden. Es gäbe dann einen einheitlichen Betrag, den die Pflegebedürftigen oder die Angehörigen zahlen, gestaffelt nach Pflegegraden. Alles, was darüber hinausgeht, trägt die Pflegeversicherung", sagt Storm. Bislang ist es umgekehrt: Die Pflegeversicherung übernimmt einen festen Betrag. Alle weiteren Kosten tragen die Betroffenen und ihre Familien.

 

Pflegebedürftigkeit als privates Schicksal erlebt

Auf die Pflegeversicherung käme nach dem Deckel-Modell eine finanzielle Mehrbelastung zu. Zur Finanzierung schlägt Storm einen Bundeszuschuss aus Steuermitteln vor: "Pflege ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Eine Mitfinanzierung aus Steuermitteln ist daher sinnvoll."

84 Prozent sind der Ansicht, dass die Politik nicht genug für die Pflege tut. "Obwohl in der jüngsten Zeit intensiv diskutiert wurde, wie die Zustände in der Pflege verbessert werden können, kommt dies offensichtlich bei den Menschen nicht an", sagt Andreas Storm. Pflegebedürftigkeit wird von den meisten immer noch als privates Schicksal erlebt und bewältigt.

Pflege-Kosten und Pflege-Qualität in Deutschland ungleich verteilt

Ein weiteres Ergebnis des DAK-Pflegereports: Nicht nur die Pflege-Kosten sondern auch die Pflege-Qualität ist in Deutschland ungleich verteilt. Die Versorgung unterscheidet sich von Region zu Region. So werden Pflegebedürftige vielerorts überdurchschnittlich oft im Krankenhaus behandelt  - das ist ein Hinweis darauf, dass die Versorgung nicht optimal ist.

Dies zeigt sich vor allem in den östlichen Bundesländern. In Thüringen kommen auf 100 Pflegebedürftige fast 150 Krankenhausfälle. In Mecklenburg-Vorpommern sind es 146, in Sachsen-Anhalt 142 und in Brandenburg 143 Fälle. Unterdurchschnittliche Werte gibt es hingegen in Baden-Württemberg, hier kommen auf 100 Pflegebedürftige 115 Krankenhausbehandlungen. Ebenfalls unter dem Schnitt liegt Niedersachsen mit 119.

Pflege: Im Norden und Süden mehr stationäre Pflege

Im Report spiegelt sich auch das unterschiedliche Angebot an Pflegeheimen wider. Vor allem in den östlichen Bundesländern, aber auch im Saarland, in Hessen und in Rheinland-Pfalz liegt der Schwerpunkt auf der Pflege durch Angehörige. In Schleswig-Holstein, Bayern und Baden-Württemberg werden überdurchschnittlich viele Pflegebedürftige stationär versorgt und weniger durch Angehörige zu Hause.

"Pflegerische Versorgung ist nicht davon abhängig, welche Form für den Einzelnen am besten wäre. Sie ist abhängig vom regionalen Angebot", kommentiert das Pflegeexperte Thomas Klie, der den DAK-Pflegereport wissenschaftlich verantwortet. Das widerspreche Artikel 72 des Grundgesetzes: Demnach ist die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse ein Ziel der Bundesregierung.

Regionale Kompetenzzentren für bessere Pflege

Um die Situation zu verbessern, schlägt Thomas Klie ein regionales Monitoring der Pflegestrukturen vor. "Es gibt zahlreiche Beispiele, wo die Strukturen ineinander greifen und gute Bedingungen für die Bewältigung von Pflege gewährleistet werden - soweit dies von der derzeitigen Pflegeversicherung finanziert wird. Vielerorts gibt es Fehler im System. Von beidem können wir lernen", sagt er.

Die DAK-Gesundheit hat ein Konzept für regionale Pflegekompetenzzentren entwickelt: Ein solches Zentrum koordiniert alle Akteure der Pflege wie Beratungsstellen, Pflegedienste, stationäre Einrichtungen und Ärzte. Ziel ist es, im Sinne des Case Managements die beste Versorgung für jeden einzelnen Pflegebedürftigen zu schaffen, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

Pilotprojekt in Nordhorn: Klinik in Pflegeheim umgewandelt

Ein erstes Pilotprojekt startet jetzt in Nordhorn im südwestlichen Niedersachsen, wo ein Krankenhaus vor kurzem in ein Pflegeheim umgewandelt wurde. Das Projekt wird mit zehn Millionen Euro vom Innovationsfonds gefördert. "Dort haben wir ideale Bedingungen, um das erste Pflegekompetenzzentrum umzusetzen und die Bedingungen für Pflegebedürftige und deren Angehörige in der Region zu verbessern", sagt Storm. "Ich hoffe, dass wir das Konzept auch in anderen Regionen realisieren können."

Foto: juefraphoto/fotolia.com

Hauptkategorie: Pflege
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