Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
11.04.2016

Pflegeheime: Medikamentendosis oft nicht an Nierenfunktion angepasst

Rund 20 Prozent der Pflegeheimbewohner erhalten Medikamente, deren Dosis nicht an ihre Nierenfunktion angepasst ist und von denen zum Teil aufgrund einer Nierenschwäche sogar abzuraten wäre. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.
Medikamente und Nierenfunktion

Bei Dauermedikation sollten regelmäßig die Nierenwerte überprüft werden

Viele Medikamente haben Auswirkungen auf die Niere. Daher ist es besonders bei einer langfristigen Einnahme wichtig, die Nierenwerte regelmäßig zu kontrollieren. Doch gerade in Pflegeheimen, deren Bewohner oft viele verschiedene Medikamente einnehmen und nicht selten unter eingeschränkten Nierenfunktionen leiden, findet eine solche Kontrolle zu selten statt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern um Professor Falk Hoffmann von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Die Resultate wurden kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Bei Pflegeheimbewohnern sind die Nierenwerte oft nicht bekannt

Der Untersuchung zufolge, an der 852 Patienten aus 21 Pflegeheimen in Bremen und Niedersachsen teilgenommen hatten, erhalten viele Pflegeheimbewohner gleich mehrere Dauermedikamente, von denen bei Nierenschwäche entweder gänzlich abzuraten oder deren Dosis zumindest an die Nierenfunktion anzupassen wäre. Das interdisziplinäre Forscherteam stellte fest, dass offenbar nicht bei allen Pflegeheimbewohnern die Nierenfunktion bekannt ist, geschweige denn der maßgebliche Wert des Stoffwechselprodukts Kreatinin regelmäßig bestimmt wird.

„Wünschenswert wäre eine mindestens jährliche Erhebung des Kreatininwerts, der dann allen an der Versorgung Beteiligten zur Verfügung stehen sollte“, betont Hoffmann. Doch das findet häufig nicht statt. Bei ihrer Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass fast die Hälfte der Pflegeheimbewohner an einer mittelgradigen, weitere 15 Prozent sogar an einer hochgradigen sogenannten Niereninsuffizienz litten. Fast 20 Prozent der Studienteilnehmer erhielten mindestens ein Arzneimittel, das gemäß der dazugehörigen Fachinformation nicht der Nierenfunktion entsprechend dosiert oder sogar kontraindiziert war.

 

Medikamentendosis unbedingt an Nierenfunktion anpassen

Die Studienautoren betonen, dass eine Nichtanpassung der Medikamente an die Nierenfunktion fatale Folgen haben kann, denn die Verarbeitung der Medikamente im Körper hängt auch von der Funktion der Nieren ab. Wenn diese nicht mehr richtig arbeiten, kann der Arzneistoff unter Umständen länger im Körper bleiben. Die übliche Wirkstoffmenge bedeutet dann eine Überdosierung.

Die Autoren fordern neben einer mindestens jährlichen Ermittlung der Nierenfunktion von Pflegeheimbewohnern eine einheitliche und praktikable Handreichung der Medikamente für Ärzte, welche die Dosisanpassungen bei Nierenschwäche auflistet. Um dies zu verwirklichen, müssten nun die Hersteller sowie die regulierenden Behörden aktiv werden.

Foto: © Printemps - Fotolia.com

Autor: red
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nieren , Pflege , Pflegebedingungen , Pflegekräfte , Pflegequalität , Pflegegrad
 

Weitere Nachrichten zum Thema Nierenschwäche

12.03.2015

Über 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren wie die Dialyse oder eine Transplantation angewiesen. Experten und Betroffene wollen den heutigen Weltnierentag nutzen, um die Prävention von Nierenerkrankungen ins Bewusstsein zu rücken.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Vitamin C ist das bekannteste Vitamin überhaupt. Es ist an über 150 Stoffwechselprozessen beteiligt, gut für Zähne und Knochen, die Verdauung und die Entgiftung der Leber. Und es hemmt die Bildung von krebsauslösenden Nitrosaminen. Anders als vielfach angenommen, hat seine wichtigste Wirkung aber nicht mit dem Schutz vor Erkältungen zu tun – sondern mit Anti-Aging.

Reizüberflutung und Stress sind die Schattenseiten der Digitalisierung. Da hilft nur die digitale Entgiftung. Ein Psychologe gibt Tipps, wie der Entzug trotz Homeoffice und Homeschooling umgesetzt werden kann.

Zahnpflege ist wichtig. Auf lange Sicht natürlich zum Schutz vor Zahnausfall; aber auch, weil Entzündungen im Mund Krankheiten im gesamten Körper begünstigen können. Manche Lebensmittel aber schwächen beim Essen vorübergehend die Widerstandskraft des Zahnschmelzes. Deshalb gilt hier: Eine halbe Stunde warten. Oder die Zähne VOR dem Essen putzen – beim Frühstück vor allem.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin