. Niereninsuffizienz

Pflegeheime: Medikamentendosis oft nicht an Nierenfunktion angepasst

Rund 20 Prozent der Pflegeheimbewohner erhalten Medikamente, deren Dosis nicht an ihre Nierenfunktion angepasst ist und von denen zum Teil aufgrund einer Nierenschwäche sogar abzuraten wäre. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie.
Medikamente und Nierenfunktion

Bei Dauermedikation sollten regelmäßig die Nierenwerte überprüft werden

Viele Medikamente haben Auswirkungen auf die Niere. Daher ist es besonders bei einer langfristigen Einnahme wichtig, die Nierenwerte regelmäßig zu kontrollieren. Doch gerade in Pflegeheimen, deren Bewohner oft viele verschiedene Medikamente einnehmen und nicht selten unter eingeschränkten Nierenfunktionen leiden, findet eine solche Kontrolle zu selten statt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern um Professor Falk Hoffmann von der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. Die Resultate wurden kürzlich im Deutschen Ärzteblatt veröffentlicht.

Bei Pflegeheimbewohnern sind die Nierenwerte oft nicht bekannt

Der Untersuchung zufolge, an der 852 Patienten aus 21 Pflegeheimen in Bremen und Niedersachsen teilgenommen hatten, erhalten viele Pflegeheimbewohner gleich mehrere Dauermedikamente, von denen bei Nierenschwäche entweder gänzlich abzuraten oder deren Dosis zumindest an die Nierenfunktion anzupassen wäre. Das interdisziplinäre Forscherteam stellte fest, dass offenbar nicht bei allen Pflegeheimbewohnern die Nierenfunktion bekannt ist, geschweige denn der maßgebliche Wert des Stoffwechselprodukts Kreatinin regelmäßig bestimmt wird.

„Wünschenswert wäre eine mindestens jährliche Erhebung des Kreatininwerts, der dann allen an der Versorgung Beteiligten zur Verfügung stehen sollte“, betont Hoffmann. Doch das findet häufig nicht statt. Bei ihrer Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass fast die Hälfte der Pflegeheimbewohner an einer mittelgradigen, weitere 15 Prozent sogar an einer hochgradigen sogenannten Niereninsuffizienz litten. Fast 20 Prozent der Studienteilnehmer erhielten mindestens ein Arzneimittel, das gemäß der dazugehörigen Fachinformation nicht der Nierenfunktion entsprechend dosiert oder sogar kontraindiziert war.

 

Medikamentendosis unbedingt an Nierenfunktion anpassen

Die Studienautoren betonen, dass eine Nichtanpassung der Medikamente an die Nierenfunktion fatale Folgen haben kann, denn die Verarbeitung der Medikamente im Körper hängt auch von der Funktion der Nieren ab. Wenn diese nicht mehr richtig arbeiten, kann der Arzneistoff unter Umständen länger im Körper bleiben. Die übliche Wirkstoffmenge bedeutet dann eine Überdosierung.

Die Autoren fordern neben einer mindestens jährlichen Ermittlung der Nierenfunktion von Pflegeheimbewohnern eine einheitliche und praktikable Handreichung der Medikamente für Ärzte, welche die Dosisanpassungen bei Nierenschwäche auflistet. Um dies zu verwirklichen, müssten nun die Hersteller sowie die regulierenden Behörden aktiv werden.

Foto: © Printemps - Fotolia.com

Autor: red
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nieren , Pflege , Pflegebedingungen , Pflegekräfte , Pflegequalität , Pflegegrad
 

Weitere Nachrichten zum Thema Nierenschwäche

| Über 100.000 Menschen in Deutschland sind auf ein Nierenersatzverfahren wie die Dialyse oder eine Transplantation angewiesen. Experten und Betroffene wollen den heutigen Weltnierentag nutzen, um die Prävention von Nierenerkrankungen ins Bewusstsein zu rücken.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Der Konsum von Cannabis bei jungen Menschen im Alter von 12 bis 25 Jahren ist in Deutschland weiter angestiegen. Anlässlich des Weltdrogentags 2019 warnen die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) vor den Risiken.
Hitze und Sonne belasten den menschlichen Körper auf unterschiedliche Art und Weise. Vor allem die Gesundheit von älteren Menschen, Babys und chronisch Kranken kann dabei gefährdet werden. Kreislaufversagen und Hitzschlag können die Folgen sein.
Henna-Tattoos sind ein beliebtes Urlaubs-Souvenir. Dem rotbraunen Farbstoff sind jedoch oft Chemikalien zugesetzt, die Allergien auslösen können und in Europa verboten sind. Schwarzes Henna gibt es in der Natur nicht.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.