. Studie HOMERN

Pflegeheimbewohner zu oft ins Krankenhaus eingeliefert

In Pflegeheimen wird öfter der Krankenwagen gerufen als nötig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bremen. Die Experten sehen ein strukturelles Problem.
Pflegeheimbewohner zu oft ins Krankenhaus eingeliefert

Pflegeheime rufen zu oft den Rettungsdienst. Das führt zu überflüssigen Krankenhausbehandlungen von Pflegeheimbewohnern

Krankenhäuser wissen es längst. Nun bescheinigt eine Studie der Universität Bremen: Pflegeheimbewohner werden oft ins Krankenhaus eingeliefert, obwohl diese Besuche gar nicht nötig gewesen wären. Dabei können Krankenhausaufenthalte unerwünschte Folgen für die Betroffenen haben: Infektionsgefahr oder steigende Verwirrtheit, was gerade bei älteren Menschen und Demenzerkrankten ein großes Problem ist.

Zwölf Monate lang haben die Versorgungsforscher um Dr. Guido Schmiemann mehr als 800 Pflegeheimbewohner aus Bremen begleitet. In dieser Zeit kam es zu 627 Krankenhausaufenthalten, wobei einige Personen mehrfach ins Krankenhaus eingewiesen wurden. Im statistischen Mittel kommen somit auf jeden Bewohner 0,78 Krankenhausaufenthalte in einem Jahr. „Das ist zu häufig und deutlich mehr als im internationalen Vergleich“, betont Schiemann, der als Facharzt für Allgemeinmedizin selbst auch Menschen in einem Pflegeheim betreut.

Je höher der Pflegegrad, desto öfter kommt der Rettungswagen

Im Rahmen der Studie haben sich die Forscher auch die Gründe für die Einlieferungen angeschaut. Das Fazit: Viele Einlieferungen ins Krankenhaus waren unnötig. Doch warum rufen Pflegeheime so oft den Rettungsdienst? Stürze, Unfälle, Verschlechterungen des Allgemeinzustands und neurologische Auffälligkeiten waren die häufigsten Gründe. Ein höheres Risiko für ungeplante Krankenhaustransporte hatten demnach Männer sowie Bewohner mit einem höheren Pflegegrad.

Beim Rufen des Krankenwagens fürchteten Pflegende oftmals rechtliche Konsequenzen. In vielen Fällen haben sie die Entscheidung alleine und ohne Einbeziehung von Ärzten getroffen. 

„Wir haben da ein strukturelles Problem“, resümiert Guido Schmiemann. „Der Pflegedienst ruft die 112. Der Disponent, der den Anruf entgegennimmt, haftet persönlich für seine Entscheidung, also wird er im Zweifel eher einen Rettungswagen alarmieren. Der wird für Leerfahrten in den meisten Regionen nicht bezahlt, also nimmt er im Zweifel den oder die Bewohnerin des Pflegeheims mit. Das ist ein Automatismus. Wir müssen Wege finden, wie wir da herauskommen.“

 

Keine strukturierte Kommunikation zwischen Heimen und Ärzten

Ein weiteres Problem ist laut Studie die mangelnde Kommunikation zwischen Pflegeheim und den betreuenden Ärzten. In der Hälfte der Fälle wurde die Arztpraxis gar nicht informiert, wenn ein Patient Symptome aufweist. „Es wäre hilfreich, wenn Praxis und Heim dieselben Informationen hätten. Die gleiche Akte, den gleichen Medikamentenplan“, sagt der Versorgungsforscher.

Projekt „HOMERN“ deckt strukturelle Probleme auf

Die Studie ist Teil des Projektes „HOMERN“, das von der Fakultät Medizin und Gesundheitswissenschaften der Universität Oldenburg geleitet wird. Die Abkürzung steht für „Hospitalisierung und Notaufnahmebesuche von Pflegeheimbewohnern“. Das Institut für Public Health und Pflegeforschung der Universität Bremen hat ein Teilprojekt übernommen. Für eine umfassende Betrachtung der Problematik wurden Daten von 802 Pflegeheimbewohnern ausgewertet, die bei der AOK Bremen/Bremerhaven versichert sind. Die Hälfte von ihnen war an Demenz erkrankt, ein Viertel über 90 Jahre alt. Weiter wurden für die Studie Hausärzte, Pflegende und Rettungskräfte befragt durchgeführt. sowie über 12 Monate Krankenhaustransporte aus 14 Pflegeeinrichtungen in der Metropolregion Nordwest systematisch erfasst und analysiert.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Demografischer Wandel , Pflege
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