. ZQP will enheitlichen Qualitätsrahmen

„Pflegeberatung ist oft noch eine vertane Chance“

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) legt Anfang 2016 einen Qualitätsrahmen für Beratung und Schulung in der Pflege vor. Das machte die Stiftung kürzlich in einer Pressemitteilung öffentlich.

Wie gut berät die Pflegeberatung? Das will das ZQP wissen.

Pflegerische Versorgung finde in Deutschland überwiegend in Familien statt. „Um pflegende Angehörige zu unterstützen und die Qualität der familialen Pflege zu sichern, kommt Beratung und Schulung in der Pflege eine zentrale Rolle zu“, heißt es aus dem ZQP. Zwar sei das Angebot dazu in Deutschland vielfältig – aber auch kaum zu überschauen. Außerdem seien die Beratungsangebote nicht für alle Ratsuchenden in gleicher Qualität verfügbar.

Mehr als zwei Millionen Pflegeberatungen pro Jahr – und keine Auswertung?

„Momentan werden die Chancen, Familienpflege wirksam zu unterstützen, fahrlässig vertan. Bestehende Angebote müssen noch viel gezielter zur Qualitätssicherung genutzt werden als bisher. Besonders gilt das für die verpflichtenden Beratungsbesuche, die auch die einzige Möglichkeit bieten, direkte Erkenntnisse über Art und Umfang von Unterstützungsbedarfen vor Ort zu gewinnen“, wird Dr. Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des ZQP, zitiert.

Jährlich finden nach Angaben der Stiftung mehr als zwei Millionen solcher Beratungseinsätze überwiegend durch ambulante Dienste statt. Obwohl die Relevanz hoch sei, seien Ablauf und Inhalte der Beratung nicht einheitlich geregelt, und Qualitätskriterien lägen nicht vor. Zudem erfolge keine Auswertung – „somit bleibt die Situation der familialen Pflege in Deutschland weitestgehend im Dunkeln“, heißt es aus dem ZQP.

 

Es fehlt an konzeptioneller Grundlage, meint Zentrum für Qualität in der Pflege

„Beratung für die häusliche Pflege ist derzeit ein Zufallsprodukt. Trotz der erheblichen Bedeutung von Beratung fehlt es an einer konzeptionellen Grundlage hinsichtlich Inhalten, Qualitätsanforderungen sowie Dokumentation und Auswertung“, äußert sich hierzu Professor Andreas Büscher, Pflegewissenschaftler der Hochschule Osnabrück, der sich seit vielen Jahren mit diesem Thema befasst. Das ZQP nimmt die offensichtlichen Mängel zum Anlass, Anfang 2016, nach zweijähriger Arbeit, einen Qualitätsrahmen für Beratung und Schulung in der Pflege vorzulegen. Dieser wird derzeit im Auftrag und in Zusammenarbeit mit dem ZQP von Professor Andreas Büscher erstellt. 

„In die Entwicklung des Qualitätsrahmens sind relevante Akteure auf Bundesebene einbezogen: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Bundesministerium für Gesundheit, AOK-Bundesverband, Verband der Ersatzkassen e. V., Verbraucherzentrale Bundesverband e. V., MDK Bayern, Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. und Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe Bundesverband e. V.“, schreibt das ZQP. Der Qualitätsrahmen werde Qualitätsbereiche, Qualitätsziele und Qualitätskriterien für Beratung und Schulung in der familialen Pflege definieren. Zudem werde es Empfehlungen zur Planung, Durchführung und Auswertung der verpflichtenden Beratungsbesuche gegeben.

Eine erste Entwurfsfassung des Qualitätsrahmens wird bereits im Spätsommer 2015 vorliegen, die Veröffentlichung erfolgt im Februar 2016.

Foto: Fotolia - tibanna79

Autor: Cornelia Wanke
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Pflege
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflege

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Schweinehirne können vier Stunden nach dem Tod des Tieres die Blutzirkulation wiederaufnehmen und auch begrenzt neuronale Aktivität zeigen. Das zeigte eine aktuelle Studie. Nach Ansicht von Neurologen hat der Fund offenbar aber keine Aussagekraft für den Hirntod bei Menschen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Gesundheitsakademie, Oudenarder Straße 16, 13347 Berlin, Haus A, Aufgang D 06, 1. OG, Seminarraum siehe Info-Tafel am Eingang
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Mit der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind viele Chancen verbunden. Bei manchen Bürgern löst das Thema aber auch Ängste und Sorgen aus. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Prof. Dr. Erwin Böttinger, einem der weltweit führenden Forscher im Bereich Digital Health, über die elektronische Patientenakte und andere digitale Lösungen gesprochen.