Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
07.04.2015

Personalisierte Impfung setzt Immunzellen auf Hautkrebs an

US-Forscher haben eine personalisierte Impfung gegen Hautkrebs entwickelt. Die Impfung wird in einem aufwändigen Verfahren auf Basis von Antigenen und dendritischen Zellen hergestellt. Erste Zwischenergebnisse der First-in-Man-Studie klingen vielversprechend.

Personalisierte Hautkrebsimpfung: Erste Studienergebnisse belegen eine starke Immunantwort

Immuntherapien haben beim schwarzen Hautkrebs eine echte Wende eingeleitet. Bisher spricht jedoch nur ein Teil der Melanompatienten auf die neuen Immuntherapien an, zu denen auch die so genannten Checkpoint-Inhibitoren wie der Antikörper PDL-1 gehören. Hierbei wird im Idealfall ein bestimmter Mechanismus ausgehebelt, der Immunzellen daran hindert, die Tumorzellen zu erkennen und zu bekämpfen.

Eine neue Impfung könnte die Therapie jetzt noch personalisierter machen. Wissenschaftler der Washington University School of Medicine in St. Louis USA konnten eine personalisierte Impfung entwickeln, die auf Neoantigenen und dendritischen Zellen basiert und somit auf das jeweilige Tumorprofil des Patienten zugeschnitten ist.

Personalisierte Hautkrebs-Impfung hat zu einer starken T-Zell-Antwort geführt

Erste Ergebnisse der First-in-Man Studie zeigen, dass die personalisierte Hautkrebs-Impfung eine starke Immunantwort auf tumorspezifische Mutationen auslöst. „Die maßgeschneiderten Impfstoffe, die wir bereits drei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom verabreicht haben, scheinen die Anzahl und Vielfältigkeit der krebsbekämpfenden T-Zellen massiv zu verstärken“, berichten die Forscher im Fachmagazin Science Express. „Das zeigt, dass eine personalisierte Impfung prinzipiell machbar ist.“

 

Dendritische Zellen spielen eine große Rolle bei der Bekämpfung von Tumorzellen

Die Hautkrebs-Impfstoffe wurden mit einem neuen Verfahren entwickelt, wobei sowohl Tumorproben als auch gesunde Hautproben sequenziert wurden. Dadurch konnten die Wissenschaftler mutierte Proteine – so genannte Neoantigene – ausfindig machen, die spezifisch für die jeweiligen Tumore sind. Ein Computeralgorithmus analysierte in einem nächsten Schritt die Neoantigene, um herauszufinden, welche als Ziele für einen Impfstoff am besten geeignet sind- also am besten vom Immunsystem erkannt werden können. Zur Herstellung des Impfstoffs wählten Forschungsleiterin Beatriz Carreno und ihr Team unter den Hunderten Neoantigenen etwa sieben hochpotente Kandidaten aus und mischten diese mit dendritischen Zellen aus dem Blut der Patienten zusammen. Dendritische Zellen spielen eine große Rolle dabei, das Immunsystem gegen Tumorzellen zu mobilisieren. Im Impfstoff dienen sie quasi als Transportmittel für die Neoantigene.

Personalisierter geht es kaum

„Diese Therapie ist so personalisiert wie es überhaupt nur geht“, sagt Co-Autorin Elaine Mardis vom Genom Institut der Washington Universität. „Unser Ansatz unterscheidet sich fundamental von andern Mutations-Analysen, weil wir gezielt nach mutierten Proteinen suchen, die eine hohe Wahrscheinlichkeit besitzen, vom Immunsystem erkannt zu werden.“

So viel versprechend dieser Ansatz auch ist, hat er noch einige Hürden zu überwinden. In die klinische Studie müssen noch drei weitere Patienten eingeschlossen werden, um zu verifizieren, ob es auch bei ihnen zu einer Immunantwort kommt. Und dann stehen da noch Fragen nach Kosten und Zeitaufwand im Raum. Derzeit dauert die Entwicklung eines personalisierten Impfstoffes drei Monate. Dafür könnte der Ansatz aber, sollte er funktionieren, künftig nicht nur bei Hautkrebs, sondern bei ganz vielen Krebserkrankungen zum Einsatz kommen.

© Alexander Raths - Fotolia.com

Autor: gst
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Hautkrebs , Impfen , Immuntherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Krebsforschung

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten


Das Getreide-Eiweiß Gluten verursacht bei Personen mit entsprechender Veranlagung chronische Magen-Darm-Probleme. Ein Medikament gegen die als „Zöliakie" bezeichnete Krankheit gibt es bisher nicht. Einzige Therapie: der völlige Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel – und zwar lebenslang. Beim Einkaufen muss man aufpassen – und immer das Kleingedruckte lesen.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin