Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
01.10.2016

Patientensicht stärker in den Vordergrund rücken

Bei der Qualitätsorientierung im Gesundheitswesen soll der Erfahrung von Patienten mehr Bedeutung eingeräumt werden. Das hat das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) angekündigt.
Patientenperspektive immer wichtiger

Das IQTiG will die Erfahrungen von Patienten ernster nehmen

Seit Anfang 2016 arbeitet das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) an Maßnahmen zur Qualitätssicherung und zur Dokumentation der Versorgungsqualität im Gesundheitswesen. Nun will das IQTiG die Qualitätsorientierung grundsätzlich neu aufrollen. Institutsleiter Dr. Christof Veit hatte beim diesjährigen Nationalen Schmerzforum angekündigt, dafür den Perspektiven der Patienten zukünftig mehr Bedeutung einzuräumen. Auch soll eine zentrale Anlaufstelle geschaffen werden, um den Belangen der Patienten noch mehr Gehör zu schenken.

Einschätzung von Behandlungsergebnissen oft unterschiedlich

„Bislang bilden wir die Versorgung nur aus Sicht der Berufsgruppen ab“, so Veit. Das soll sich nun ändern. Die Erfahrungen der Patienten sollen dabei nicht nur als subjektiver Faktor „Zufriedenheit“ abgebildet werden. Vielmehr sollen die Patienten detailliert nach dem Verlauf und den Ergebnissen der Behandlung befragt werden. Denn bisher werden beispielsweise Operationen als gelungen bewertet, obwohl der Patient unter Umständen unter starken Nachwirkungen wie Schmerzen oder Taubheit leidet.

Daher sollen künftig Patientenbefragungen bei verpflichtenden Qualitätssicherungsverfahren eine zentrale Rolle spielen. So hat das IQTiG im April 2016 vom G-BA den Auftrag erhalten, erstmals eine Patientenbefragung für das sektorenübergreifende Verfahren „Perkutane Koronarintervention und Koronarangiographie“ (PCI) zu entwickeln. Dies betrifft Untersuchungen und Eingriffe an den Herzkranzgefäßen bei Patientinnen und Patienten, bei denen ein Herzinfarkt droht oder akut abgewendet werden soll. PCI ist das erste Qualitätssicherungsverfahren, das sowohl für niedergelassene Fachärzte als auch für Krankenhäuser verpflichtend ist. Es stützt sich bislang auf die Dokumentation der Versorger und die Sozialdaten bei den Krankenkassen. Bis Mitte 2018 soll das IQTiG einen standardisierten Fragebogen vorlegen.

 

Mehr Transparenz für die Öffentlichkeit

Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen wurde am 9. Januar 2015 gegründet, um für die Messung und Darstellung der Versorgungsqualität möglichst sektorenübergreifende Maßnahmen zu entwickeln. Die Ergebnisse der Qualitätssicherungsmaßnahmen sollen in allgemein verständlicher Form veröffentlicht werden. Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der Versorgungsqualität von Patienten und eine größere Transparenz für die Öffentlichkeit. Die Krankenkassen sind verpflichtet, dem als private Stiftung organisierten Institut dafür pseudonymisierte Routinedaten zu liefern.

Foto: © mangostock - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gesundheitspolitik , Gesundheitssystem , Qualität , Qualitätssicherung , Qualitätsbericht
 

Weitere Nachrichten zum Thema Qualität im Gesundheitswesen

Die Qualität von Krankenhäusern soll künftig auch die Vergütung beeinflussen. Zu großer Sorgfalt bei der Einführung der qualitätsorientierten Vergütung von Kliniken mahnt die Unternehmensberatung Roland Berger in einer aktuellen Studie. Sie fordert neue Mess- und Managementsysteme für Krankenhausqualität.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Viele Eltern meinen es gut, wenn sie vor ihren Kindern über eine Demenz bei deren Großeltern nicht sprechen. Sie wollen sie nicht belasten. So schwer es für Kinder ist, diese Erkrankung zu verstehen – so sehr spüren sie, dass etwas nicht stimmt. Experten raten deshalb zu einer kindgerechten Offenheit.


Bewusst einmal etwas ganz anderes tun als im beruflichen Alltag, Dinge selber machen, mit den Händen arbeiten – selbstbestimmt, kreativ, meditativ: Heimwerken kann sich positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken und sogar eine therapeutische Wirkung entfalten. Gut für Menschen, die sich gesund halten wollen, auf einen Therapieplatz warten – oder eine laufende Therapie unterstützen möchten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin