Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Patientenleitlinie Adipositas-Chirurgie erschienen

Für wen kommt eine Operation der Adipositas in Frage? Und wie verbessert die Adipositas-Chirurgie die Stoffwechsellage von stark übergewichtigen Menschen? Die neue Patientenleitlinie zu den Operationsmöglichkeiten bei Adipositas gibt Auskunft.
Die Adipositas-Chirurgie kann den Stoffwechsel stark übergewichtiger Menschen verbessern

Die Adipositas-Chirurgie kann den Stoffwechsel stark übergewichtiger Menschen verbessern

Adipositas zieht zahlreiche Folgeerkrankungen nach sich, insbesondere einen gestörten Fettstoff- und Zuckerstoffwechsel. Doch viele Patienten schaffen es einfach nicht, dauerhaft ihr Gewicht zu reduzieren.

Wenn herkömmliche Maßnahmen wie Diät und Schulungsprogramme gescheitert sind, besteht die Möglichkeit einer Adipositas-Operation. Dabei kann der Magen entweder chirurgisch oder mit einem Magenband verkleinert werden, das von außen um den Magen gelegt wird und das Magenvolumen verringert. Zudem gibt es komplexe Bypass-Eingriffe, die den Nahrungsbrei um den Magen und Teile des Dünndarms herumleiten und so die Aufnahme von Nährstoffen begrenzen.

Wegen der Effekte auf den Stoffwechsel wird die Adipositas-Chirurgie manchmal auch metabolische Chirurgie genannt. Ein weiteres Synonym ist bariatrische Chirurgie.

Es gibt verschiedene Operationstechniken

Je aufwändiger das Verfahren, desto besser sind die Ergebnisse, besagt eine Faustregel. Aber desto mehr Nebenwirkungen und Risiken sind auch damit verbunden. 

Nun ist eine neue Patientenleitlinie zur Adipositas-Chirurgie erschienen, die Betroffenen eine Orientierungshilfe sein soll. Grundsätzlich wird ein chirurgischer Eingriff allen Patienten mit einem hohen BMI von mehr als 40 kg/m2 empfohlen. Bei Diabetikern, deren Zuckerstoffwechsel sich mit konservativen Therapien nicht verbessern lässt, kann der BMI auch geringer sein.

 

Was gegen eine Adipositas Operation spricht

Es gibt jedoch Ausschlusskriterien, die eine Operation nicht ratsam erscheinen lassen. Laut Linie gehören dazu eine Schwangerschaft, eine unbehandelte hormonelle Störung sowie psychische Störungen. „Patienten mit einer Adipositas leiden zum Beispiel häufiger an Depressionen oder an Essstörungen als Normalgewichtige“, sagt Leitlinien-Autorin Professor Claudia Luck-Sikorski von der Universität Leipzig. Patienten in labilem psychischem Zustand, mit einer unbehandelten Ess-Brech-Sucht oder mit einer bestehenden Alkohol- oder Drogenabhängigkeit sollten vor einer Operation zunächst psychotherapeutisch stabilisiert werden.

Psyche mitbehandeln

Die psychologische Betreuung spielt auch nach der Operation eine große Rolle, damit die Patienten nicht in alte Muster zurückfallen. Ein großes Problem ist die Stigmatisierung von Adipositas in der Gesellschaft. Selbst Ärzte und Therapeuten seien vor solchen Vorurteilen nicht gefeit und sollten sich bewusst dagegen wappnen, sagt Luck-Sikorski. Denn jede Stigmatisierung wirke auf die Patienten zurück, nehme ihnen das Selbstvertrauen und führe letztlich zu einer Selbst-Stigmatisierung. Dann könne ein Teufelskreis aus Frustessen und einer erneuten Gewichtszunahme entstehen.

Unter dem Link https://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/088-001.html ist die Patientenleitlinie für jeden einsehbar.

Foto: © Adobe Stock/New Africa

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Adipositas
 

Weitere Nachrichten zum Thema Adipositas-Chirurgie

27.07.2016

Immer mehr Menschen mit Übergewicht lassen sich den Magen verkleinern. Nach dem aktuellen Barmer Krankenhausreport 2016 hat sich die Zahl der bariatrischen Operationen seit 2006 verfünffacht. Trotzdem bleibt die Fallzahl gering.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Immer mehr übergewichtige Menschen unterziehen sich einer Magen-Bypass-Operation zur Gewichtsreduktion. Da der Eingriff den Stoffwechsel beeinflusst, profitieren auch Typ-2-Diabtetiker davon. Allerdings sichert ein Magen-Bypass allein den Therapieerfolg nicht dauerhaft.
 
Weitere Nachrichten
Schwere Unfälle oder Tumor-Erkrankungen können das Gesicht massiv entstellen. Dank computerassistierter Techniken kann der langwierige und sehr belastende Zeitraum für die Wiederherstellung des Gesichts abgekürzt werden. Meist muss nur noch einmal operiert werden – auch weil Implantate mittels 3-D-Drucker schnell und patientenindividuell hergestellt werden können.

Weil Corona so oft asymptomatisch verläuft, kann über die Dunkelziffer nur spekuliert werden. Licht ins Dunkel bringt nun eine Studie Helmholtz Zentrums München. Danach waren in zweiten Corona-Welle waren drei- bis viermal mehr Kinder in Bayern mit SARS-CoV-2 infiziert, als über PCR-Tests gemeldet.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin