Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Patienten verstehen oft nicht, was Ärzte meinen

Sonntag, 28. September 2014 – Autor: Cornelia Wanke
Patienten sollen mündiger werden – und auf Augenhöhe mit den Ärzten kommunizieren. Oftmals scheitert das aber schon daran, dass sie überhaupt nicht verstehen, was Ärzte oder Pflegekräfte sagen. Das ist ein Ergebnis des Picker Reports, der kürzlich vorgelegt wurde.

Alles verstanden? Im Schnitt begreift jeder fünfte Patient nicht, was der Arzt erklärt. – Foto: Photographee.eu - Fotolia

Demnach versteht mindestens jeder fünfte Patient nicht, was Ärzte und Pflegekräfte auf wichtige Fragen antworten. 16 Prozent der Patienten würden zwar im Vorfeld über die Risiken einer Narkose oder OP aufgeklärt, könnten aber nicht einordnen, was ihnen gesagt wurde, so die Autoren des Picker Reports 2014, der jetzt vorgelegt wurde. In der Untersuchung ist das Institut der Frage nachgegangen, welchen Einfluss Patienten- und Mitarbeitererfahrungen auf die Qualität und Sicherheit der Gesundheitsversorgung haben. Die Rückmeldungen von fast 140.000 Patienten, 11.000 Pflegekräften und rund 5.000 Ärzten offenbaren laut Picker zum Teil erschreckende Ergebnisse, die schwerwiegenden Folgen für die Qualität und Sicherheit der Patientenversorgung in deutschen Kliniken haben können.

Mit den jetzt vorgelegten Daten unterstreicht das Institut seine Kritik an der aktuellen gesundheitspolitischen Qualitätsdiskussion. „Auch die beste Initiative für mehr Qualität und Sicherheit wird ergebnislos verpuffen, wenn sie die Erfahrungen der wichtigsten Stakeholder - Patienten und Mitarbeiter - nicht berücksichtigt,“ so Maria Nadj-Kittler, Managing Director des Picker Instituts Deutschland.

So ist nach Ansicht der Picker-Direktorin auch die Einbeziehung sogenannter patientenrelevanter Endpunkte (patient reported outcomes, PRO), wie sie beispielsweise durch das neue Qualitätsinstitut für Gesundheit geplant ist, allein nicht zielführend. Denn nur, wer auch wisse, wie Patienten die Prozesse im Krankenhaus faktisch erlebt haben, könne eine schonungslose Bestandsaufnahme der Versorgungsrealität vornehmen, so Nadj-Kittler.

Fachchinesisch – die Sprache in deutschen Krankenhäusern?

Vor allem in den Bereichen Kommunikation und Entlassmanagement gibt es laut Report dramatische Defizite. Obwohl längst bekannt sei, dass Patienten, die die Informationen zu ihrer Erkrankung und Behandlung verstanden haben, besser in der Lage sind, sachdienliche Angaben zu ihren Beschwerden zu machen, sich eher gesundheitsdienlich verhalten und eine bessere Therapietreue und damit bessere Behandlungsergebnisse haben, fehle es nach Einschätzung des Instituts bislang am Willen oder Mut zur Veränderung.

So klagten viele Patienten darüber, dass sie während ihres stationären Aufenthaltes keinen festen Ansprechpartner hatten, der vollständig über ihre Krankheit, Diagnostik und Therapie informiert war. In der vorliegenden Untersuchung berichten zwei von drei Patienten, dass sie keinen festen ärztlichen Ansprechpartner hatten. Neben der psychischen Belastung, die eine solche Einschätzung mit sich bringt, steigt mit der Anzahl der betreuenden Fachkräfte auch die Wahrscheinlichkeit, dass Patienten unterschiedliche, im schlimmsten Fall sogar widersprüchliche Informationen erhalten. Letzteres war in der vorliegenden Untersuchung bei 17% der Patienten der Fall.

 

Auch Ärzte berichten über Verbesserungsbedarf bei der Kommunikation

Nicht nur Patienten sind bereit und fähig, über qualitäts- und sicherheitsrelevante Ereignisse in der Gesundheitsversorgung zu berichten - auch Pflegekräfte und Ärzte. In der Picker-Untersuchung erlebten mehr als ein Viertel und über ein Drittel der Ärzte die Übergabe als ineffizient und unstrukturiert. „Patientenerfahrungen sind ein wichtiger Indikator für die Messung von Qualität in den Versorgungsprozessen“, resümiert Picker-Direktorin Nadj-Kittler. Gute Patientenerfahrungen, eine hohe medizinische Versorgungsqualität und Patientensicherheit stellten keinen Zielkonflikt dar, sondern seien verschiedene Seiten derselben Medaille: Denn Patienten, die gut betreut wurden, beteiligten sich stärker an ihrer Behandlung und Gesunderhaltung, sie zeigten eine höhere Therapietreue und erzielten bessere Behandlungsergebnisse. 

Foto: Fotolia

Hauptkategorie: Prävention und Reha
 

Weitere Nachrichten zum Thema Patienteninformation

 

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten


Der Herzinfarkt gehört zu den Notfällen, bei denen man sofort 112 wählen und den Notarzt rufen muss – lieber einmal zu oft als einmal zu wenig. Die typischen Symptome sind aber anders, als manche denken. Und bei Frauen oft anders als bei Männern.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin