Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Partydroge Ecstasy könnte bei PTBS helfen

Dienstag, 18. Juni 2019 – Autor:
Der Wirkstoff MDMA, auch als Partydroge Ecstasy bekannt, könnte bei der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) helfen. Das zeigen mehrere Phase-II-Studien. Jetzt wird MDMA in Phase-III-Studien getestet.
ecstasy, partydroge, MDMA

Der Wirkstoff MDMA - auch als Partydroge Ecstasy bekannt - könnte bei Posttraumatischer Belastungsstörung helfen – Foto: ©Couperfield - stock.adobe.com

Der Wirkstoff MDMA (Methylendioxymethylamphetamin), auch als Partydroge Ecstasy bekannt, könnte bei der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) helfen. Zu dem Schluss kommen Forscher aus den USA und Kanada, die dafür die Ergebnisse von sechs Phase-II-Studien mit 103 Personen auswerteten. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin Psychopharmacology.

Zu den Teilnehmern der zwischen 2004 und 2017 durchgeführten Studien gehörten Männer und Frauen mit chronischer PTBS, die auf vorangegangene Therapien nicht angesprochen hatten. Vor und nach der MDMA-Gabe erhielten die Probanden Psychotherapie. "Die PTBS-Symptome nahmen nach einer MDMA-Sitzung ab", erläutert Co-Autor Zach Walsh, Psychologe an der University of British Columbia–Okanagan.

Bereits nach zwei MDMA-Sitzungen besserten sich die Symptome

54,2 Prozent der Teilnehmer erfüllten bereits nach zwei MDMA-Sitzungen die PTBS-Kriterien nicht mehr, auch ihre Depressions-Symptome besserten sich. Der Wirkstoff  wurde im Allgemeinen gut vertragen, berichtet wurden aber auch Nebenwirkungen wie Angstzustände, Schwindel, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Das Ansprechen der Teilnehmer auf die MDMA-gestützte Psychotherapie wurde mit denen verglichen, die eine geringe, unwirksame Dosis MDMA oder ein Placebo erhielten. Die Studien waren randomisiert und doppelblind.

"Viele Menschen mit PTBS haben Schwierigkeiten, eine wirksame Behandlung zu finden. Der Einsatz von MDMA in einem unterstützenden Umfeld mit geschulten Fachleuten für psychische Gesundheit könnte eine wichtige Ergänzung unserer Behandlungsoptionen sein", so Walsh.

 

Partydroge Ecstasy könnte bei PTBS helfen

Nun sind zwei Phase-III-Studien zur MDMA-gestützten Psychotherapie bei PTBS geplant. Die erste begann im November 2018 mit der Rekrutierung von Teilnehmern. Ziel ist es, 100 bis 150 Freiwillige an 15 Standorten in den USA, Kanada und Israel zu finden. Eine zweite Studie soll nach einer Zwischenanalyse der Daten aus der ersten Studie starten, dafür werden weitere 100 bis 150 Teilnehmer gesucht. Auch in Europa soll es Studien geben, um zu klären, ob die Partydroge Ecstasy bei PTBS helfen könnte.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann direkt nach einem Trauma oder zeitlich verzögert auftreten. In manchen Fällen vergehen Jahrzehnte bis zum Auftreten der Beschwerden. Manchmal können dabei wichtige Aspekte des traumatischen Erlebnisses nicht mehr oder nicht mehr vollständig erinnert werden.

Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung

Das Portal Neurologen und Psychiater im Netz gibt einen Überblick über die Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung. Dazu zählen sich aufdrängende, belastende Erinnerungen an das Trauma, Flashbacks, Alpträume, Vermeidungssymptome wie emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit anderen Menschen gegenüber, die Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten sowie Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit, übermäßige Schreckhaftigkeit.

Viele Betroffene leiden unter schweren Schuld- oder Schamgefühlen oder unter Selbsthass. Die Leistungsfähigkeit in wichtigen Lebensbereichen ist eingeschränkt, die Bewältigung des Alltags wird für viele zur Qual. Der Verlauf körperlicher Erkrankungen kann durch eine PTBS negativ beeinflusst werden. Das Risiko für Suchterkrankungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen steigen bei einer PTBS stark an.

Foto: couperfield/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Trauma
 

Weitere Nachrichten zum Thema Posttraumatische Belastungsstörung

29.03.2019

Ob jemand nach einem belastenden Ereignis eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entwickelt oder nicht, könnte auch mit der Schlafqualität zusammenhängen. Offenbar können traumatische Erlebnisse nicht nur Schlafstörungen auslösen, sondern diese umgekehrt auch die PTBS-Symptome verschlimmern.

Ein Gen namens NTRK2 spielt bei der Gedächtnisbildung im Gehirn eine wichtige Rolle. Opfer von Unfällen, Krieg, Vergewaltigung oder Katastrophen, bei denen dieses Gen aktiver ist, sind von Natur aus besser gegen eine Traumatisierung gewappnet und besitzen damit ein geringeres Risiko, an einer „Posttraumatischen Belastungsstörung“ zu erkranken. Diese kann noch Jahre später zu psychischen Beschwerden führen.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Ein Schrank voller Nudeln, Klopapier und Wasserflaschen: Das ist eine Art, mit aktuellen Krisen wie Ukraine-Krieg und Klimawandel umzugehen. Eine weitere Art ist, alles zu tun, dass man psychisch stabil und gesund bleibt. Experten sagen: Das kann man lernen.

Wespen und Stechmücken haben sich gemeinsam mit dem Sommer verabschiedet. Ruhe vor lästigen Insekten haben wir damit nicht. Zecken etwa sind weiterhin aktiv – solange das Thermometer die 8-Grad-Marke nicht unterschreitet. Beim Pilze-Sammeln heißt es deshalb: aufpassen!

Fieber, Husten, Insektenstiche: Wickel aus Kartoffeln oder Quark können wärmen oder kühlen und damit leichte Erkrankungen und sogar Schmerzen bei Kleinkindern lindern helfen. Experten erklären, wie man dieses Hausmittel richtig anwendet.
 
Kliniken
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin