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Partydroge Ecstasy könnte bei PTBS helfen

Der Wirkstoff MDMA, auch als Partydroge Ecstasy bekannt, könnte bei der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) helfen. Das zeigen mehrere Phase-II-Studien. Jetzt wird MDMA in Phase-III-Studien getestet.
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Der Wirkstoff MDMA - auch als Partydroge Ecstasy bekannt - könnte bei Posttraumatischer Belastungsstörung helfen

Der Wirkstoff MDMA (Methylendioxymethylamphetamin), auch als Partydroge Ecstasy bekannt, könnte bei der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) helfen. Zu dem Schluss kommen Forscher aus den USA und Kanada, die dafür die Ergebnisse von sechs Phase-II-Studien mit 103 Personen auswerteten. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin Psychopharmacology.

Zu den Teilnehmern der zwischen 2004 und 2017 durchgeführten Studien gehörten Männer und Frauen mit chronischer PTBS, die auf vorangegangene Therapien nicht angesprochen hatten. Vor und nach der MDMA-Gabe erhielten die Probanden Psychotherapie. "Die PTBS-Symptome nahmen nach einer MDMA-Sitzung ab", erläutert Co-Autor Zach Walsh, Psychologe an der University of British Columbia–Okanagan.

Bereits nach zwei MDMA-Sitzungen besserten sich die Symptome

54,2 Prozent der Teilnehmer erfüllten bereits nach zwei MDMA-Sitzungen die PTBS-Kriterien nicht mehr, auch ihre Depressions-Symptome besserten sich. Der Wirkstoff  wurde im Allgemeinen gut vertragen, berichtet wurden aber auch Nebenwirkungen wie Angstzustände, Schwindel, Appetitlosigkeit und Übelkeit. Das Ansprechen der Teilnehmer auf die MDMA-gestützte Psychotherapie wurde mit denen verglichen, die eine geringe, unwirksame Dosis MDMA oder ein Placebo erhielten. Die Studien waren randomisiert und doppelblind.

"Viele Menschen mit PTBS haben Schwierigkeiten, eine wirksame Behandlung zu finden. Der Einsatz von MDMA in einem unterstützenden Umfeld mit geschulten Fachleuten für psychische Gesundheit könnte eine wichtige Ergänzung unserer Behandlungsoptionen sein", so Walsh.

 

Partydroge Ecstasy könnte bei PTBS helfen

Nun sind zwei Phase-III-Studien zur MDMA-gestützten Psychotherapie bei PTBS geplant. Die erste begann im November 2018 mit der Rekrutierung von Teilnehmern. Ziel ist es, 100 bis 150 Freiwillige an 15 Standorten in den USA, Kanada und Israel zu finden. Eine zweite Studie soll nach einer Zwischenanalyse der Daten aus der ersten Studie starten, dafür werden weitere 100 bis 150 Teilnehmer gesucht. Auch in Europa soll es Studien geben, um zu klären, ob die Partydroge Ecstasy bei PTBS helfen könnte.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung kann direkt nach einem Trauma oder zeitlich verzögert auftreten. In manchen Fällen vergehen Jahrzehnte bis zum Auftreten der Beschwerden. Manchmal können dabei wichtige Aspekte des traumatischen Erlebnisses nicht mehr oder nicht mehr vollständig erinnert werden.

Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung

Das Portal Neurologen und Psychiater im Netz gibt einen Überblick über die Symptome der Posttraumatischen Belastungsstörung. Dazu zählen sich aufdrängende, belastende Erinnerungen an das Trauma, Flashbacks, Alpträume, Vermeidungssymptome wie emotionale Stumpfheit, Gleichgültigkeit und Teilnahmslosigkeit anderen Menschen gegenüber, die Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die Erinnerungen an das Trauma wachrufen könnten sowie Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, erhöhte Wachsamkeit, übermäßige Schreckhaftigkeit.

Viele Betroffene leiden unter schweren Schuld- oder Schamgefühlen oder unter Selbsthass. Die Leistungsfähigkeit in wichtigen Lebensbereichen ist eingeschränkt, die Bewältigung des Alltags wird für viele zur Qual. Der Verlauf körperlicher Erkrankungen kann durch eine PTBS negativ beeinflusst werden. Das Risiko für Suchterkrankungen, Depressionen und andere psychische Erkrankungen steigen bei einer PTBS stark an.

Foto: couperfield/fotolia.com

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29.03.2019

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