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Parodontitis: Neunfaches Todesrisiko bei COVID-19

Wenn eine Neuinfektion mit dem Coronavirus und eine bestehende Infektion des Zahnbetts aufeinandertreffen, kann das für den betreffenden Patienten gefährlich werden. Eine aktuelle Studie zeigt: COVID-19-Patienten mit Parodontitis kommen häufiger auf die Intensivstation, müssen öfter künstlich beatmet werden und haben ein größeres Risiko, an COVID-19 zu sterben.
Zahnfleischbluten - sichtbar im Waschbecken beim Zähneputzen.

Bekannt ist, dass bestimmte Vorerkrankungen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe erhöhen. Neu ist, dass die Zahnbetterkrankung Parodontitis dazugehört.

Die Mundhöhle des Menschen ist ein wahres Biotop: Rund 500 Arten von Mikroorganismen leben Wissenschaftlern zufolge auf der feuchten Mundschleimhaut. „Ihr gesundes Miteinander sorgt für eine natürliche Schutzbarriere gegen Krankheitserreger“, sagt Apothekerin  Barbara Staufenbiel. Gerate dieses empfindliche Milieu aus dem Gleichgewicht, könne dies das Immunsystem beeinträchtigen – mit Auswirkungen auf den gesamten Körper. Wie dramatisch dieser für viele vielleicht überraschende Zusammenhang zwischen  Mundgesundheit und der Gesamtgesundheit sein kann, zeigt eine aktuelle Studie, deren Ergebnisse die Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) jetzt vorgestellt hat: Demnach ist Parodontis ein klarer Risikofaktor für schwere Verläufe bei  COVID-19.

Mundbakterien werden eingeatmet: Lunge infiziert

Bei Patienten mit Parodontitis kann es passieren, dass sie Mundbakterien einatmen und die dann die Lunge infizieren. „Dies kann zur Verschlechterung von Patienten mit COVID-19 beitragen und das Todesrisiko erhöhen", sagte Mariano Sanz, einer der Autoren der Studie, die Mitte 2020 von Wissenschaftlern im Golf-Emirat Qatar durchgeführt wurde. „Die Studie ergab, dass COVID-19-Patienten mit Parodontitis 3,5-mal häufiger auf die Intensivstation eingewiesen wurden, 4,5-mal häufiger ein Beatmungsgerät benötigten und fast neunmal häufiger sterben, als diejenigen ohne Zahnfleischerkrankungen“, heißt es in einer Information der DG PARO. Um Faktoren wie Alter, Geschlecht, Nikotinkonsum und Body-Mass-Index sind diese Zahlen bereits bereinigt. Ebenso waren mit Entzündungen verbundene Biomarker bei COVID-19-Patienten mit Parodontitis erhöht.

 

Mundspülung soll Gefahr im Krankenhaus verringern

Nach Einschätzung der DG PARO unterstreicht die Studie die Bedeutung der parodontalen Gesundheit für die Prävention und möglicherweise sogar das Management von COVID-19-Komplikationen. Die Autoren leiten aus den Ergebnissen die Empfehlung an Krankenhausmitarbeiter ab, COVID-19-Patienten mit Parodontitis zu identifizieren und bei ihnen orale Antiseptika (Mundspülungen) einzusetzen, damit die Gefahr einer Übertragung von Bakterien verringert werden kann.

„Auch in der Pandemie zur Prävention zum Zahnarzt“

„Die Feststellung und Aufrechterhaltung der parodontalen Gesundheit kann ein wichtiger Bestandteil der Versorgung von COVID-19-Patienten werden“, sagt DG PARO-Präsidentin Bettina Dannewitz. „Mundpflege sollte Teil der Gesundheitsempfehlungen sein, um das Risiko für schwere COVID-19-Ergebnisse zu verringern.“ Die Zahnmedizinerin ermutigt die Allgemeinbevölkerung, auch in der Pandemiesituation regelmäßig zum Zahnarzt zur Kontrolluntersuchung zu gehen, um so dieses vermeidbare Risiko für einen schweren COVID-Verlauf zu verringern.

Foto: diy13

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Hauptkategorie: Corona
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