Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Parodontitis: Neunfaches Todesrisiko bei COVID-19

Samstag, 6. Februar 2021 – Autor:
Wenn eine Neuinfektion mit dem Coronavirus und eine bestehende Infektion des Zahnbetts aufeinandertreffen, kann das für den betreffenden Patienten gefährlich werden. Eine aktuelle Studie zeigt: COVID-19-Patienten mit Parodontitis kommen häufiger auf die Intensivstation, müssen öfter künstlich beatmet werden und haben ein größeres Risiko, an COVID-19 zu sterben.
Zahnfleischbluten - sichtbar im Waschbecken beim Zähneputzen.

Bekannt ist, dass bestimmte Vorerkrankungen das Risiko für schwere COVID-19-Verläufe erhöhen. Neu ist, dass die Zahnbetterkrankung Parodontitis dazugehört. – Foto: diy13

Die Mundhöhle des Menschen ist ein wahres Biotop: Rund 500 Arten von Mikroorganismen leben Wissenschaftlern zufolge auf der feuchten Mundschleimhaut. „Ihr gesundes Miteinander sorgt für eine natürliche Schutzbarriere gegen Krankheitserreger“, sagt Apothekerin  Barbara Staufenbiel. Gerate dieses empfindliche Milieu aus dem Gleichgewicht, könne dies das Immunsystem beeinträchtigen – mit Auswirkungen auf den gesamten Körper. Wie dramatisch dieser für viele vielleicht überraschende Zusammenhang zwischen  Mundgesundheit und der Gesamtgesundheit sein kann, zeigt eine aktuelle Studie, deren Ergebnisse die Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG PARO) jetzt vorgestellt hat: Demnach ist Parodontis ein klarer Risikofaktor für schwere Verläufe bei  COVID-19.

Mundbakterien werden eingeatmet: Lunge infiziert

Bei Patienten mit Parodontitis kann es passieren, dass sie Mundbakterien einatmen und die dann die Lunge infizieren. „Dies kann zur Verschlechterung von Patienten mit COVID-19 beitragen und das Todesrisiko erhöhen", sagte Mariano Sanz, einer der Autoren der Studie, die Mitte 2020 von Wissenschaftlern im Golf-Emirat Qatar durchgeführt wurde. „Die Studie ergab, dass COVID-19-Patienten mit Parodontitis 3,5-mal häufiger auf die Intensivstation eingewiesen wurden, 4,5-mal häufiger ein Beatmungsgerät benötigten und fast neunmal häufiger sterben, als diejenigen ohne Zahnfleischerkrankungen“, heißt es in einer Information der DG PARO. Um Faktoren wie Alter, Geschlecht, Nikotinkonsum und Body-Mass-Index sind diese Zahlen bereits bereinigt. Ebenso waren mit Entzündungen verbundene Biomarker bei COVID-19-Patienten mit Parodontitis erhöht.

 

Mundspülung soll Gefahr im Krankenhaus verringern

Nach Einschätzung der DG PARO unterstreicht die Studie die Bedeutung der parodontalen Gesundheit für die Prävention und möglicherweise sogar das Management von COVID-19-Komplikationen. Die Autoren leiten aus den Ergebnissen die Empfehlung an Krankenhausmitarbeiter ab, COVID-19-Patienten mit Parodontitis zu identifizieren und bei ihnen orale Antiseptika (Mundspülungen) einzusetzen, damit die Gefahr einer Übertragung von Bakterien verringert werden kann.

„Auch in der Pandemie zur Prävention zum Zahnarzt“

„Die Feststellung und Aufrechterhaltung der parodontalen Gesundheit kann ein wichtiger Bestandteil der Versorgung von COVID-19-Patienten werden“, sagt DG PARO-Präsidentin Bettina Dannewitz. „Mundpflege sollte Teil der Gesundheitsempfehlungen sein, um das Risiko für schwere COVID-19-Ergebnisse zu verringern.“ Die Zahnmedizinerin ermutigt die Allgemeinbevölkerung, auch in der Pandemiesituation regelmäßig zum Zahnarzt zur Kontrolluntersuchung zu gehen, um so dieses vermeidbare Risiko für einen schweren COVID-Verlauf zu verringern.

Hauptkategorie: Corona
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Infektionskrankheiten , Zahnmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema COVID-19-Risikogruppen

06.01.2021

Jeder dritte Erwachsene in Deutschland hat zu hohe Blutdruckwerte. Eine Gemeinschaftsstudie von 16 deutschen Universitäten und Instituten bestätigt jetzt, dass arterielle Hypertonie ein eigenständiger Risikofaktor auch für schwere COVID-19-Verläufe ist – vor allem, wenn sie nicht medikamentös behandelt wird.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Das Image von Bakterien ist schlecht. Vielen denken dabei an Schmutz und Krankheiten. Doch das ist nur die eine Seite. Billionen von nützlichen Mikroorganismen leben auf und in unserem Körper, schützen uns vor Infektionen und erhalten uns gesund.


In zwei weiteren Fällen haben gesetzlich versicherte Herzpatienten vor einer Operation künftig Anspruch auf ein ärztliches Zweitmeinungsverfahren: wenn sie einen Defibrillator implantiert bekommen sollen; oder einen Herzschrittmacher.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin