. Genomweite Assoziationsstudie (GWAS)

Parodontitis manchmal erblich bedingt

Rauchen und schlechte Mundhygiene gelten gemeinhin als Auslöser von Parodontitis. Doch auch die genetische Veranlagung spielt bei der chronischen Zahnfleischentzündung eine Rolle. Das konnten Wissenschaftler der Charité jetzt in einer Studie zeigen.
Alles richtig gemacht und trotzdem Parodontitis? Bei manchen Menschen sind die Gene schuld

Alles richtig gemacht und trotzdem Parodontitis? Bei manchen Menschen sind die Gene schuld

Früher sagte man Parodontose. Inzwischen heißt es Parodontitis, weil man weiß, dass Bakterien die entzündliche Erkrankung des Zahnfleischs und des Zahnhalteapparats hervorrufen. Rauchen und schlechte Mundhygiene allein dafür verantwortlich zu machen, ist jedoch zu kurz gegriffen. Denn auch die individuelle Mundflora, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und das Immunsystem mischen im Krankheitsgeschehen mit. Und die Gene. Eindrücklich hat dies die aktuell weltweit größte Studie zur Genetik der Parodontitis gezeigt, die unter Leitung von Wissenschaftlern der Charité durchgeführt wurde. Mehrere tausend Patienten mit aggressiver und chronischer Parodontitis nahmen daran teil.

Genetische Risikofaktoren identifiziert

Die Ergebnisse zeigen, dass zwei bestimmte DNA-Sequenzen eindeutig mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Formen der Parodontitis verbunden sind. Und dass diese einen gemeinsamen Nenner im Erbgut haben. „Es gibt Patientengruppen, bei denen für die Entstehung einer Parodontitis eine Veranlagung vorliegen kann, die gänzlich unabhängig von anderen Risikofaktoren wie Rauchen, Mundhygiene oder dem Alter ist“, erläutert Studienleiter Prof. Arne Schäfer vom Institut für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité.

Für die genomweite Assoziationsstudie (GWAS) haben die Wissenschaftler Millionen DNA-Sequenzvarianten, die über das gesamte Genom verteilt sind und den größten Teil der genetischen Information beschreiben, in umfassenden Patienten- und Kontrollkollektiven untersucht. Durch den Vergleich ihrer Häufigkeiten bei Patienten und gesunden Kontrollteilnehmern war es möglich, eine Krankheitsassoziation für einzelne Gen-Regionen zu finden.

Immunzellen an Parodontitis beteiligt

Die Wissenschaftler fanden zwei Gen-Bereiche, die mit einem erhöhten Risiko für verschiedene Formen der Parodontitis verbunden sind. Eine der beiden Regionen ist für die Synthese von alpha-Defensinen (antimikrobielle Peptide) verantwortlich, die in spezialisierten Immunzellen hergestellt werden. Diese Immunzellen, neutrophile Granuolzyten, sind Teil der angeborenen Immunabwehr und dienen der Identifizierung und Zerstörung von Mikroorganismen. Der zweite Gen-Bereich (Siglec-5), den die Wissenschaftler lokalisierten, hemmt wiederum die Aktivierung dieser Immunzellen.

Liegt eine solche genetische Konstellation vor, ist das Risiko groß, an einer Parodontitis zu erkranken. Umso wichtiger ist es, weitere Risikofaktoren wie das Rauchen auszuschalten und auf eine gute Mundhygiene zu achten.

Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich in der Fachzeitschrift „Human Molecular Genetics“ veröffentlicht.

Foto: © Herrndorff - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Zahnmedizin

Weitere Nachrichten zum Thema Parodontitis

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Antibiotika-Resistenzen werden zu einem immer größer werdenden Gesundheitsproblem. Als mögliche Alternativen gelten Bakteriophagen. Nun wurde eine Forschungsinitiative gestartet, um Bakteriophagen als zugelassenes Arzneimittel zu etablieren.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KZV Berlin, großer Sitzungssaal, Georg-Wilhelm-Straße 16, 10711 Berlin
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.