Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
14.10.2019

Parodontitis erhöht Risiko für Bluthochdruck

Menschen, die an Parodontitis leiden, haben einer neuen Studie zufolge ein höheres Risiko für Bluthochdruck (Hypertonie). Eine Behandlung der Zahnfleischerkrankung senkt den Blutdruck aber nicht unbedingt.
zähne, zahnreinigung, zahnarzt, zahnfleisch, parodontitis

Wer an Parodontitis leidet hat ein höheres Risiko für Bluthochdruck

Patienten, die an der Zahnfleischerkrankung Parodontitis leiden, haben mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Bluthochdruck (Hypertonie). Das ergab eine aktuelle Studie, die im Fachmagazin Cardiovascular Research veröffentlicht wurde.

Bluthochdruck betrifft 30 bis 45 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und ist die wichtigste vermeidbare Ursache für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Parodontitis betrifft mehr als 50 Prozent der Weltbevölkerung.

Parodontitis erhöht das Risiko für Bluthochdruck

"Frühere Untersuchungen legen nahe, dass ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Bluthochdruck besteht und eine zahnärztliche Behandlung den Blutdruck verbessern könnte. Bisher sind die Ergebnisse jedoch nicht schlüssig", erläutert der leitende Autor Prof. Francesco D'Aiuto vom UCL Eastman Dental Institut in London.

Die Meta-Studie wertet insgesamt 81 Untersuchungen aus 26 Ländern aus. Danach war eine mittelschwere bis schwere Parodontitis mit einem um 22 Prozent erhöhten Risiko für Bluthochdruck verbunden, während eine schwere Parodontitis mit einer um 49 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit für Bluthochdruck in Verbindung gebracht wurde. Parodontitis erhöht also das Risiko für Bluthochdruck

 

Systolischer und diastolischer Blutdruck höher

Der durchschnittliche arterielle Blutdruck war bei Patienten mit Parodontitis höher als bei Patienten ohne Parodontitis. Dies entsprach einem 4,5 mmHg höheren systolischen und 2 mmHg höheren diastolischen Blutdruck. Die Unterschiede seien nicht zu vernachlässigen, sagt Haupt-Autorin Dr. Munoz Aguilera vom UCL Eastman Dental Institute.

Ein durchschnittlicher Blutdruckanstieg von 5 mmHg wird mit einem um 25 Prozent erhöhten Risiko für den Tod durch Herzinfarkt oder Schlaganfall in Verbindung gebracht. Die Forscher vermuten, dass die mit der Zahnfleischerkrankung verbundenen Bakterien im Mund zu Entzündungen im gesamten Körper führen, die die Funktion der Blutgefäße beeinträchtigen.

Zahnfleischbehandlung senkt Blutdruck nicht  unbedingt

Doch nur 5 von 12 interventionellen Studien, die in die Überprüfung einbezogen wurden, zeigten eine Senkung des Blutdrucks nach einer Zahnfleischbehandlung. Die Veränderungen traten außerdem auch bei Menschen mit gesunden Blutdruckwerten auf. Prof. D'Aiuto: "Es scheint ein Kontinuum zwischen Mundgesundheit und Blutdruck zu geben. Die Beweise dafür, dass eine parodontale Therapie den Blutdruck senken könnte, sind nach wie vor nicht schlüssig", so der Mediziner.

Dafür seien weitere randomisierte Studien erforderlich. Es seien außerdem weitere Studien erforderlich, um zu untersuchen, ob bei Patienten mit hohem Blutdruck die Wahrscheinlichkeit einer Zahnfleischerkrankung erhöht ist.

Daher bleibt vorerst das Fazit: Menschen mit Zahnfleischerkrankungen sollten über das Risiko informiert werden und Ratschläge zur Änderung des Lebensstils erhalten, um Bluthochdruck durch Bewegung und gesunde Ernährung zu verhindern.

Foto: alexandr mitiuc/fotolia.com

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bluthochdruck
 

Weitere Nachrichten zum Thema Parodontitis

17.04.2020

Eine Amöbe ist an Parodontitis beteiligt. Das fanden Forscher der Charité – Universitätsmedizin Berlin heraus. Der Parasit sorgt für Gewebezerstörungen und Entzündungsreaktionen. Das liefert einen neuen Behandlungsansatz.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alzheimer gehört neben Krebs zu den am meisten gefürchteten Krankheiten. Wie sich das Risiko für den Gedächtnisschwund senken lässt, zeigt ein neuer kostenloser Online-Kurs der Alzheimer Forschung Initiative.


 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin