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Parkinson kündigt sich lange vor Diagnose an

Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, verursacht durch das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Vorboten der Krankheit können sehr früh auftreten – Jahre, bevor sie erkennbar ist und gewöhnlich diagnostiziert wird. Vor allem eine Form von Schlafstörung bedeutet eine 80-Prozent-Wahrscheinlichkeit, an Parkinson zu erkranken.
Kurve der Schlafphasen mit Markierung der Traumschlafphasen (REM).

Innerhalb des nächtlichen Schlafverlaufs sind die „REM-Phasen" die Phasen mit den meisten Träumen. Gesunde Menschen sind hier tiefenentspannt. Parkinson-Veranlagte aber können hier sogar ungewollt gewalttätig werden.

Manche Krankheiten kündigen sich mit Symptomen an, die alles bedeuten können, und bei denen man an diese eine Erkrankung zunächst überhaupt nicht denkt. Dies ist zum Beispiel bei der Parkinsonkrankheit der Fall. Parkinson ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die durch das Absterben von speziellen Nervenzellen verursacht wird. Typische Kennzeichen sind Bewegungsstörungen wie Verlangsamung von Bewegungen, Steifigkeit der Muskeln, Zittern oder spezifische Veränderungen des Gangbildes. Häufig kann es aber viele Jahre, bevor diese typischen Symptome die Diagnose Parkinson erlauben, zu Vorboten kommen.

Frühphase: Vorhersage über Krankheitsverlauf möglich

„Wenn man über den Verlauf der Parkinsonerkrankung etwas sagen möchte, muss man diese Frühphase ernst nehmen“, sagt Daniela Berg, Direktorin der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH). Gemeinsam mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern aus Deutschland, Dänemark, Kanada und Schweden richtet die Kieler Neurologin in einer aktuellen Publikation den Blick auf die interessante Frühphase von Parkinson: denn bereits hier kann die Krankheit erkannt werden; bereits hier ist eine Vorhersage über den Krankheitsverlauf möglich.

 

Parkinson-Anzeichen: Verstopfung, Riechstörung, Depression

Es gibt Symptome, die schon früh auf die typische Nervenzellschädigung bei Parkinson hindeuten – ohne dass diese Schädigung im zuständigen Bereich des Gehirns angekommen ist; und ohne dass damit die für Parkinson typischen Bewegungsstörungen verbunden wären. Hierzu zählen beispielsweise Verstopfung, Störungen der Geruchswahrnehmung oder Depressionen.

Traumschlafphase gestört, Parkinson-Wahrscheinlichkeit hoch

Die genannten Symptome können – aber müssen keineswegs – Indizien für Parkinson sein. Sie können für viele Krankheiten sprechen. Eine Form von Schlafstörung aber ist der Kieler Parkinson-Expertin zufolge ein sehr klares Indiz für eine Prädisposition: Schlafstörungen in der Traumschlafphase.

„Wenn Menschen über 50 Jahren diese Form der Schlafstörung haben und keine anderen Ursachen dafür vorliegen, wie zum Beispiel Drogenkonsum, bekommen sie mit einer Wahrscheinlichkeit von über 80 Prozent in den nächsten Jahren Parkinson oder eine parkinsonähnliche Erkrankung“, sagt die Neurologin Daniela Berg. In der medizinischen Fachsprache wird die Traumschlafphase – wegen der schnellen Augenbewegungen in dieser Zeit – als „REM-Schlaf“ bezeichnet (von Englisch „Rapid Eye Movement", schnelle Augenbewegung).

Verletzungsgefahr: Patienten agieren Träume körperlich aus

Normalerweise ist ein Mensch im Traumschlaf bewegungslos. Denn typisch für diese Tiefschlafphase ist ein Verlust an Muskelspannung. Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung hingegen ist ein Muskeltonus vorhanden und die geträumten Bewegungen können ausgeführt werden. „Das kann für Betroffene und Partner oder Partnerin gefährlich werden“, sagt Neurologin Berg. „Häufig haben Menschen mit einer solchen Störung sehr lebhafte oder angsteinflößende Träume. Sie werden richtig aktiv und können schon mal ihren Bettpartner schlagen oder selber aus dem Bett fallen und sich schwer verletzen.“ Ihr Rat: Da es viele Gründe für einen unruhigen Schlaf gibt, sollte die Diagnose REM-Schlaf-Verhaltensstörung im Schlaflabor gesichert werden.

Prognosemodell sagt Parkinson-Wahrscheinlichkeit voraus

Die internationale Arbeitsgruppe hat ein Prognosemodell entwickelt, mit dem sich anhand von Frühsymptomen, genetischen Faktoren und bestimmten Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit berechnen lässt, dass sich eine Person in der Frühphase der Erkrankung befindet. „Anhand der vorliegenden Symptome können auch Hinweise auf den Verlauf und weitere Symptome abgeleitet werden“, sagt Parkinson-Expertin Berg.

Parkinson-Prävention: Mittelmeerküche, körperliche Aktivität

Eine spezielle Therapie, die das Fortschreiten der Krankheit aufhält, gibt es bisher nicht. Dennoch wollen laut Berg immer mehr Menschen mit REM-Schlaf-Verhaltensstörungen oder einer nicht durch Erkältung, Allergie oder eine Corona-Infektion erklärbaren Riechstörung wissen, ob bei ihnen eine frühe Parkinsonerkrankung vorliegt. „Diese Symptome sollte man ernst nehmen“, sagt die Parkinson-Expertin aus Kiel. Denn auch wenn es keine spezielle Therapie gebe, könne man Patienten Mut machen: denn offenbar sind sie dem Schicksal längst nicht so ausgeliefert, wie man denken mag. Neurologin Berg wörtlich: „Eine Veränderung des Lebensstils, insbesondere vermehrte körperliche Aktivität und eine eher mediterran ausgerichtete Ernährung senken das Risiko, später Parkinson zu bekommen, deutlich.“

Foto: AdobeStock/Dmitry

Hauptkategorie: Medizin
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