. Neurodegenerative Erkrankungen

Parkinson: Fehldiagnose bei jedem fünften Patienten

Bei jedem fünften Parkinson-Patienten liegt eine Fehldiagnose vor. Die Erkrankung wird diagnostiziert, obwohl der Patient an einer anderen neurodegenerativen Krankheit leidet. Oder eine andere Krankheit wird diagnostiziert, obwohl er Parkinson hat.
Parkinson-Krankheit

Bei jedem fünften Parkinson-Patienten kommt es zu einer Fehldiagnose

Das ist das Ergebnis einer Meta-Studie, die jetzt im Fachblatt Neurology veröffentlicht wurde. Die Forscher werteten dafür bereits vorliegende Studien aus den Jahren 1988 bis 2014 aus, in denen die diagnostische Genauigkeit der klinischen Diagnose der Parkinson-Krankheit untersucht wurde.

Insgesamt lag die diagnostische Genauigkeit bei 80,6 Prozent. Wurde die Diagnose von Nicht-Fachärzten durchgeführt, lag sie nur bei 73,8 Prozent. Wurde vor allem auf die mit der Krankheit verbundenen Bewegungsstörungen geachtet, stieg die Treffsicherheit auf 79,6 Prozent bei der ersten Untersuchung und 83,9 Prozent bei der Folge-Untersuchung.

Parkinson: Bei jedem fünften Patienten Fehldiagnose

Letztlich sind zwei von zehn Patienten von einer Fehldiagnose betroffen. Die Forscher kamen außerdem rückblickend zu dem Ergebnis, dass sich die Treffsicherheit der Diagnose in den vergangenen 25 Jahren nicht wesentlich verbessert hat. Das ist besonders deswegen unbefriedigend, weil gerade ein möglichst früher Behandlungsbeginn einen günstigen Einfluss auf das Fortschreiten der Erkrankung hat.

Ihr Fazit: Es sollte nach weiteren Biomarkern und Anzeichen gesucht werden, um die chronisch degenerative Nervenkrankheit früher zu erkennen. Einen Blut- oder Labortest dafür gibt es nicht. Bei vielen Patienten verschlechtert sich der Geruchssinn lange vor Eintreten der Bewegungsstörungen. Außerdem können ein gestörter REM-Schlaf, Verstopfung, Tagesmüdigkeit, Hypotonie, erektile Dysfunktion, Blasenentleerungsstörung und Depression auf eine mögliche Parkinson-Erkrankung hindeuten.

 

Ansprechen auf L-Dopa ist ein Biomarker

Zu den bekanten Merkmalen gehören dann verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie), Zittern (Tremor) und Muskelsteifheit. Weitere klinische Anzeichen sind die Asymmetrie - eine Körperseite ist meist stärker betroffen - sowie Haltungs- und Gleichgewichtsstörungen.

Darüber hinaus ist eine günstige Reaktion auf eine Dopamin-Gabe ein eindeutiges Zeichen für das Vorhandensein von Parkinson. Unterbleibt bei Patienten, die ansonsten Zeichen von Parkinson aufweisen, eine deutliche Reaktion auf eine hochdosierte Therapie mit Levodopa (> 1000 mg täglich), ist die Diagnose sehr unwahrscheinlich.

Foto: barabas attila/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Parkinson
 

Weitere Nachrichten zum Thema Parkinson

| Eine neue Therapie verspricht Hilfe gegen das unaufhörliche Zittern. Das Verfahren aus hochfokussiertem Ultraschall und MRT wurde jetzt erstmals auch in Deutschland bei zwei Patienten mit therapieresistentem Tremor angewendet. Die behandelnden Ärzte sprechen von einem großen Erfolg.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.