. Neurologie

Parkinson: Drei Zeichen für schnelle Progression

Wie schnell eine Parkinson-Erkrankung voranschreitet, ist schwer vorherzusagen. Forscher haben nun drei Faktoren ausmachen können, bei denen von einer besonders schnellen Progression ausgegangen werden muss.
Parkinson: Drei Zeichen für rasche Progression

Auf den Rollstuhl sind Parkinson-Betroffene erst im späten Stadium der Erkrankung angewiesen

Eine Parkinson-Erkrankung kann sehr unterschiedlich verlaufen. Eine Vorhersage darüber, wie schnell die Krankheit voranschreitet oder welche Symptome im Mittelpunkt stehen, ist daher sehr schwierig. Bisher wurden Patienten nach den dominierenden Kardinalsymptomen eingeteilt, zum Beispiel danach, ob der Tremor vorherrschte oder die verlangsamte Motorik im Vordergrund stand. So wurde bei tremordominanten Patienten ein langsamerer Verlauf angenommen als bei Patienten, bei denen die Akinese primäres Symptom war. Der prognostische Wert dieser Einteilungen wurde aber immer wieder angezweifelt. Ein Forscherteam vom Karolinska-Institut in Stockholm hat daher nun nach präziseren Hinweisen für die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Progression gesucht.

Nichtmotorische Symptome am aussagekräftigsten

Die Wissenschaftler um Dr. Seyed-Mohammad Fereshtehnejad untersuchten dafür nicht, ob bestimmte vordefinierte Eigenschaften wie tremor- oder nicht tremordominant mit einer besseren oder schlechteren Prognose einhergehen. Vielmehr beobachteten sie Parkinsonpatienten über mehrere Jahre hinweg und erfassten dabei so gut wie alle Funktionen, die durch die Erkrankung beeinflusst werden können, wie zum Beispiel motorische Symptome, kognitive Funktionen, Schlaf, psychische Probleme, autonome Manifestationen oder Geruchs- und Sinneswahrnehmungen.

An der Studie nahmen über 100 Parkinson-Patienten teil. Im Durchschnitt waren sie 67 Jahre alt und seit rund sechs Jahren an Parkinson erkrankt. Alle Teilnehmer wurden einem Eingangstest unterzogen und nach etwa viereinhalb Jahren erneut untersucht. Es zeigte sich, dass drei nichtmotorische Symptome am aussagekräftigsten für die Progression waren: RBD (eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung), orthostatische Hypotonie (eine Regulationsstörung des Blutdrucks) und kognitive Funktionsstörungen. Über diese Parameter konnten die Forscher drei Kategorien mit unterschiedlicher Prognose herausarbeiten.

Kognitive Beeinträchtigungen und Schlafstörungen sind schlechte Zeichen

Zur ersten Kategorie zählten sie die Patienten, die hauptsächlich motorische Symptome aufwiesen. Bei diesen Patienten schritt die Krankheit am langsamsten voran. In der zweiten Kategorie traten Symptome auf, welche die Forscher als diffus-maligne bezeichneten. Alle Patienten litten unter kognitiven Funktionsstörungen und orthostatischer Hypotonie, über 90 Prozent hatten zudem eine Schlaf-Verhaltensstörung. Diese Patienten zeigten auch gravierendere motorische Symptome und Komplikationen ihrer Parkinson-Erkrankung; auch Depressionen und Ängste traten bei ihnen häufiger auf. Verglichen mit der ersten Kategorie kam es hier zu einer sehr viel schnelleren Verschlechterung der Symptomatik.

Die übrigen Patienten ordneten die Forscher einer Zwischenkategorie zu. Hier hatten zwar ebenfalls alle Patienten eine orthostatische Hypotonie und 60 Prozent eine RBD, aber keiner wies kognitive Störungen auf. Der Morbus Parkinson schritt zwar etwas schneller voran als in der ersten Kategorie, jedoch weitaus weniger dramatisch als in der zweiten.

Die Studienautoren raten Ärzten, bei der Parkinson-Diagnose auf orthostatische Hypotonie, REM-Schlaf-Verhaltensstörungen und kognitive Funktionsbeeinträchtigungen zu achten. Damit lassen sich ihrer Auffassung nach diejenigen Patienten erkennen, bei denen die Erkrankung besonders schnell voranschreiten wird.

Foto: © Ocskay Mark - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Parkinson

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Wer regelmäßig Sport treibt, wird seltener krank und kann den Alterungsprozess in einigen körperlichen Bereichen um zehn Jahre zurückdrehen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“.
Die (hATTR) Amyloidose ist eine seltene Erbkrankheit mit einer geringen Lebenserwartung. Hoffnung macht jetzt ein neues Medikament, das bereits die klinischen Phase III erfolgreich absolviert hat. Die Zulassung könnte schon nächstes Jahr erfolgen.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.