. Kardiologenkongress

Paradox: Raucher sterben seltener nach Herzinfarkt

Dieses Ergebnis ist erstaunlich: Nach einer aktuellen Studie haben Raucher bessere Überlebensraten nach einem Herzinfarkt als Nichtraucher. Allerdings zeigt die Studie auch den Wermutstropfen auf.
Raucherparadox ist erklärbar: Rauchende Herzinfarkt-Patienten sind jünger. Das wirkt sich günstig auf die Überlebensraten aus

Raucherparadox ist erklärbar: Rauchende Herzinfarkt-Patienten sind jünger. Das wirkt sich günstig auf die Überlebensraten aus

Raucher haben ein deutlich höheres Herzinfarkt-Risiko als Nichtraucher. Doch sie sterben seltener an dem Infarkt, wie Daten einer Studie mit rund 8.500 Teilnehmern aus 25 Ländern zeigen. Das gilt offenbar auch dann, wenn nach dem Herzinfarkt ein lebensbedrohlicher kardiogener Schock eintritt. Die erstaunlichen Ergebnisse wurden gerade auf der 82. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim vorgestellt. Die Fachgesellschaft spricht von einem „Raucherparadox“ und hat eine Erklärung dafür. Schaut man sich nämlich das Alter zum Zeitpunkt des Herzinfarktes an, hatten die Raucher eindeutig bessere Karten. „Die Ursache dürfte darin zu suchen sein, dass die Raucher zum Zeitpunkt des Infarktes deutlich jünger waren“, sagte Studienautor Dr. Mohammed Saad vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. So hätten die Raucher ihren Herzinfarkt im Schnitt mindestens zehn Jahre früher bekommen als die Nichtraucher.

Raucher bekommen den Herzinfarkt zehn Jahr früher

Das Alter gilt als hoher Risikofaktor, an einem Herzinfarkt zu versterben. Offenbar ein größerer als das Rauchen. Für die Untersuchung wurden Daten aus der IABP-SHOCK II-Studie ausgewertet, die den Nutzen von intraaortalen Ballonpumpen bei 600 Patienten mit Herzinfarkt und kardiogenem Schock untersuchte. 34 Prozent der 772 analysierten Patienten waren Raucher. In der Datenauswertung ohne Berücksichtigung der Risikofaktoren hatten Raucher eine niedrigere Sterberate nach zwölf Monaten als Nichtraucher. Wurden statistisch auch die Risikofaktoren berücksichtig, also etwa das Alter rausgerechnet, zeigt sich dieser Überlebensvorteil nicht mehr. „Der beobachtete Überlebensvorteil scheint vor allem dadurch bedingt zu sein, dass Raucher im Schnitt ihre Infarkte über eine Dekade früher entwickeln als Nichtraucher und dadurch das Risikoprofil noch nicht die volle Auswirkung entfalten kann“, erklärte Saad in Mannheim.

Junge Raucher häufig von schwerem Herzinfarkt betroffen

Ein Freibrief für das Rauchen ist die Studie also nicht. Dass Rauchen der wichtigste Risikofaktor für einen Herzinfarkt in jungen Jahren ist, zeigt zum Beispiel eine Auswertung des Berliner Herzinfarktregisters. Demnach sind mehr als drei Viertel der Menschen, die vor ihrem 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt erleiden, aktive Raucher. Eine andere Studie aus dem STEMI-Register zeigt, dass es zu 85 Prozent Raucher sind, die unter 45 Jahren einen ST-Streckenhebungsinfarkt, also einen besonders schweren Herzinfarkt, erleiden. Die Einjahres-Sterblichkeit war in dieser Studie für junge Infarktpatienten gegenüber der Vergleichsbevölkerung um das 47-fache erhöht.

Foto: © Sabphoto - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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