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27.02.2013

Paracetamol: Weniger Suizide durch kleinere Packungen

Seit der Beschränkung der Abgabemenge von Paracetamol in Großbritannien sind dort deutlich weniger Vergiftungsvorfälle oder Suizide durch das Medikament zu verzeichnen. Auch in Deutschland wurde die Abgabemenge von Paracetamol reduziert.
Paracetamol und Suizide

In Deutschland sind nur noch zehn Gramm Paracetamol rezeptfrei

Bis in die 90er Jahre wurden in England und Wales jedes Jahr fast 200 Todesfälle durch Paracetamol-Überdosierungen festgestellt. 1998 wurde dann die rezeptfreie Abgabe des Medikaments durch Apotheken auf maximal 32 Tabletten (16 Gramm) beschränkt. Nun hat eine aktuelle Studie, die im Britischen Ärzteblatt veröffentlicht wurde, gezeigt, dass es seitdem einen deutlichen Rückgang der vollendeten Suizide mit Paracetamol gab.

Innerhalb von elf Jahren seit der Beschränkung der Abgabemenge seien die Zahl der vollendeten Suizide mit Paracetamol um 43 Prozent gesunken, so die Verfasser der Studie. Das sind für den gesamten Zeitraum 765 weniger Todesfälle. Auch die Zahl der Lebertransplantationen ist der Untersuchung zufolge zurückgegangen. Sie ist um 61 Prozent beziehungsweise 482 Fälle gesunken.

Paracetamol-Vergiftungen gut behandelbar

Dennoch nehmen sich in England und Wales immer noch 100 Menschen pro Jahr mit Paracetamol das Leben. Weit häufiger sind jedoch die versuchten Suizide mit dem Medikament. Allerdings können Paracetamol-Vergiftungen recht gut mit N-Acetylcystein behandelt werden, wenn sie rechtzeitig entdeckt werden. Auch in Deutschland gehen nur die wenigsten Paracetamolvergiftungen tödlich aus. Bei 4.200 Vergiftungsfällen im Jahr 2006 soll nur einer der Patienten gestorben sein.

Doch auch das ist vielen noch zu viel. So verlangen die britischen Autoren der aktuellen Studie, die Packungsgröße noch weiter zu reduzieren oder die Dosierung pro Tablette zu senken. Diesen Weg ist 2011 die US-Arzneibehörde FDA gegangen. Dort enthält die einzelne Tablette statt 500 mg nur noch 325 mg Wirkstoff. Dennoch sind in den USA Überdosierungen mit Paracetamol immer noch die häufigste Ursache für ein akutes Leberversagen.

 

Abgabemenge von Paracetamol in Deutschland seit 2009 begrenzt

Auch in Deutschland sind die freien Abgabemengen von Paracetamol mittlerweile begrenzt. Im April 2009 hat das Bundesministerium für Gesundheit beschlossen, die rezeptfreie Abgabe in Apotheken auf zehn Gramm zu begrenzen. Größere Mengen Paracetamol sind seither verschreibungspflichtig. Bei den Giftnotrufzentralen sollen seitdem etwas weniger Vergiftungsfälle durch Paracetamol gemeldet worden sein.

Das bis zum Jahr 2009 in Deutschland unbegrenzt verkäufliche Paracetamol gilt vielen Menschen als harmloses Medikemant, das man so nebenbei einnehmen kann. Experten warnen jedoch, dass bereits die zugelassene Dosis von vier Gramm pro Tag zu Leberschäden führen kann. Die doppelte Dosis kann ein akutes Leberversagen verursachen.

Foto: © Schlierner - Fotolia.com

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