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Paracetamol-Brausetabletten können aufs Herz gehen

Freitag, 18. März 2022 – Autor:
Paracetamol-Brausetabletten sind aufgrund ihres Salz-Gehaltes mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Das zeigt eine Studie.
Salzhaltige Brausetabletten können Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen Brausetab

– Foto: Adobe Stock/Manuel Schäfer

Paracetamol-Brausetabletten sind aufgrund ihres Salz-Gehaltes mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz und Tod verbunden. Das zeigt eine aktuelle Studie, die im European Heart Journal erschien. Natrium, einer der Hauptbestandteile von Salz, wird häufig verwendet, damit sich Arzneimittel besser in Wasser auflösen und zerfallen.

Forscher unter der Leitung von Prof. Chao Zeng von der Central South University in Changsha analysierten Daten des britischen Health Improvement Network, einer elektronischen medizinischen Datenbank mit Aufzeichnungen von Hausärzten über etwa 17 Millionen Menschen. Sie waren zwischen 60 und 90 Jahre alt und wurden von den Forschern ein Jahr lang nachbeobachtet.

Paracetamol-Brausetabletten können aufs Herz gehen

Sie verglichen 4.532 Patienten mit Bluthochdruck, denen natriumhaltiges Paracetamol verschrieben worden war, mit 146.866 Patienten mit Bluthochdruck, denen Paracetamol ohne Natrium verschrieben worden war. Sie verglichen auch 5.351 Patienten ohne Bluthochdruck, denen natriumhaltiges Paracetamol verschrieben wurde, mit 141.948 Patienten ohne Bluthochdruck, denen natriumfreies Paracetamol verschrieben wurde.

Die Forscher fanden heraus, dass das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzinsuffizienz nach einem Jahr bei Patienten mit hohem Blutdruck, die natriumhaltiges Paracetamol einnahmen, bei 5,6 Prozent lag. Bei Patienten mit natriumfreiem Paracetamol waren es 4,6 Prozent. Das Ein-Jahres-Risiko für Tod betrug 7,6 Prozent versus 6,1 Prozent. Paracetamol-Brausetabletten können also aufgrund ihres Salz-Gehaltes aufs Herz gehen.

 

Ärzte und Patienten für Risiken sensibilisieren

Bei Patienten ohne Bluthochdruck bestand ein ähnlich erhöhtes Risiko. Bei denjenigen, die natriumhaltiges Paracetamol einnahmen, betrug das 1-Jahres-Erkrankungsrisiko 4,4 Prozent im Vergleich zu 3,7 Prozent. Das Sterberisiko lag bei 7,3  Prozent zu 5,9 Prozent.

Fazit der Forscher: Ärzte und Patienten sollten sich der Risiken im Zusammenhang mit natriumhaltigem Paracetamol bewusst sein und unnötigen Konsum vermeiden, insbesondere wenn das Medikament über einen langen Zeitraum eingenommen wird.  Die schmerzlindernde Wirkung von natriumfreiem Paracetamol - also in anderen Darreichungsformen wie etwa Tabletten - sei der von natriumhaltigem Paracetamol ähnlich.

"Die Menschen sollten nicht nur auf die Salzaufnahme in ihrer Nahrung achten, sondern auch die versteckte Salzaufnahme durch Medikamente nicht übersehen", sagt Zeng. Eine Möglichkeit, die andere Wissenschaftler vorschlagen, ist es, die Verpackungen mit einem entsprechenden Warnhinweis zu versehen. Schmerzmittel als Brausetabletten sind rezeptfrei erhältlich, verbreitet und beliebt.

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