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Pädiatrische Diagnose per Videokonferenz

Werden Kinder besser versorgt, wenn Universitätsmediziner ihre Kollegen in einer ländlichen Notfallstation per Videokonferenz beraten? Diese Frage will ein soeben gestartetes Telemedizin-Modellprojekt in Mecklenburg-Vorpommern beantworten.
Pädiatrische Diagnose per Videokonferenz

Live dabei aus Greifswald: der Radiologie Dr. Christopher Lühken und die Oberärztin Dr. Mecht

Anklam ist eine 13.000-Seelengemeinde im dünnbesiedelten Mecklenburg Vorpommern. Seit Jahren wird die kinderärztliche Versorgung im Ameos Klinikum Anklam von der Universitätsmedizin Greifswald organisiert. Nun haben beide Einrichtungen ein telemedizinisches Modellprojekt gestartet: Ab sofort können Kinder und Jugendliche, die abends und nachts Hilfe in der Notaufnahme in Anklam suchen, einem Kinderarzt der Universitätsmedizin Greifswald vorgestellt werden, und zwar per Videokonferenz. Der Universitätsmediziner entscheidet dann anhand eines Triage-Verfahrens – einer schnellen und standardisierten Einstufung von Notfallpatienten - die Dringlichkeit des Falls und empfiehlt die weiteren Schritte. Eltern und Kinder sollen freiwillig entscheiden können, ob sie den universitären Rat in Anspruch nehmen wollen.

Telekonferenz für kleine Notfallpatienten

Ob die telemedizinische Unterstützung aus Greifswald die pädiatrische Versorgung verbessert und wie das Modell bei Patienten, Eltern und Mitarbeitern ankommt, soll in einer begleitenden Studie ermittelt werden. Die Ziele des Vorhabens, das zunächst für sechs Monate laufen soll, erläutert der Ärztliche Vorstand der Universitätsmedizin Greifswald  Dr. Thorsten Wygold: „Die begleitende wissenschaftliche Studie soll Aufschluss bringen, ob eine telemedizinische Konsultation zur qualitativ hochwertigen Sicherstellung der regionalen pädiatrischen Versorgung geeignet ist. Es geht aber auch darum, die Akzeptanz der Eltern, Patienten und Mitarbeiter für eine ärztliche Beratung per Videokonferenz in Erfahrung zu bringen.“

 

Universitärer Rat für Patienten im ländlichen Raum

Das Institut für Community Medicine der UMG führt die wissenschaftliche Studie durch. Laut Presseinformation der Uni Greifswald wollen die Wissenschaftler auch die Praxistauglichkeit verschiedener Abläufe überprüfen und erfassen, welche Erkrankungen hauptsächlich bei pädiatrischen Notfällen in der Nacht vorliegen. Auch Schwachstellen des telemedizinischen Vorhabens sollen analysiert werden. Bei positiven Ergebnissen soll das System in Anklam weitergeführt und auch im Kreiskrankenhaus Wolgast eingeführt werden, kündigt die Universitätsmedizin Greifswald an.

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Birgit Hesse sieht vor dem Hintergrund des demografischen Wandels einen wichtigen Baustein bei der medizinischen Versorgung der Kinder in der Region. Gerade in dünn besiedelten Regionen sei es notwendig, Fahrtwege und Behandlungszeiten für die kleinen Patienten und ihre Eltern zu verkürzen. Mit dem Einsatz der Telemedizin könne das gelingen, ohne Abstriche bei der Diagnose hinnehmen zu müssen, hofft Hesse. Die Sozialministerin erteilte am Donnerstag den Startschuss für das neue telemedizinische Modell-Projekt.

 

Foto: UMG/Rosenfeld

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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