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31.03.2017

Osteoporose-Medikamente können Kieferknochen zerstören

Medikamente zur Behandlung der Osteoporose können den Kieferknochen zerstören, warnen Experten. Doch dieser so genannten Osteonekrose kann man vorbeugen.
Seniorin

Medikamente gegen Knochenschwund im Alter können Kieferknochen angreifen

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland werden mit Medikamenten behandelt, die Osteoporose, also Knochenschwund im Alter, verhindern sollen. Dazu zählen die Wirkstoffe Alendronsäure, Risedronsäure, Ibandronsäure und Zoledronsäure, die zu den Bisphosphonaten gehören. Eine Alternative ist der Antikörper Denosumab, der seit 2010 zugelassen ist.

„Die Medikamente können Knochenbrüche verhindern und bei Krebspatienten die Knochenzerstörung bremsen. Der Nutzen von Bisphosphonaten und Denosumab steht außer Zweifel“, sagt Professor Tim Pohlemann, Präsident der DGCH auf dem 134. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Auch die Verträglichkeit der Medikamente ist in der Regel gut.

Schmerzen und Schwellungen des Kieferkamms

Allerdings kann eine gravierende Komplikation eintreten: „Es beginnt mit Schmerzen und Schwellungen im Bereich des Kieferkammes“, berichtet Prof. Michael Ehrenfeld, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). „Daraus können sich Abszesse und Fisteln bilden, aus denen Sekrete, beispielsweise Eiter, fließen.“ Eine Röntgenaufnahme zeigt dann, dass Teile des Knochens abgestorben sind.

Mittlerweile häufen sich die Fälle. „Betroffen sind meistens ältere Menschen mit Parodontose oder Infektionen der Zahnwurzeln“, sagt Ehrenfeld, der die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universität München leitet. Die Nekrosen können auch nach Zahnextraktionen, Wurzelbehandlungen und bei Implantaten entstehen. Weitere Risikofaktoren sind Alkohol, Rauchen oder eine Behandlung mit Kortison oder Zytostatika.

Osteoporose-Medikamente können Kieferknochen zerstören

Warum die Osteoporose-Medikamente beginnen, den Kieferknochen zu zerstören, ist nicht ganz klar. „Wir vermuten, dass Entzündungen in der Nähe des Knochens die Toxizität der Bisphosphonate erhöhen und es deshalb zum Absterben des Knochens kommt“, erläutert Ehrenfeld.

In den Frühstadien können Mundspülungen und Antibiotika den Knochenverfall noch stoppen. Im fortgeschrittenen Stadium werden Operationen erforderlich, bei denen abgestorbene Knochen abgetragen werden. In besonders schweren Fällen müssen Teile des Kiefers entfernen und durch ein Transplantat ersetzt werden.

Vor Behandlung mit Bisphosphonaten Zähne sanieren

Ehrenfeld rät allen Patienten, die mit Bisphosphonaten oder Denosumab behandelt werden, zu vorbeugenden Maßnahmen. Die Behandlung sollte erst beginnen, wenn ein Zahnarzt das Gebiss saniert hat. „Zysten, desolate Zähne, Entzündungen im Mundraum müssen vorher beseitigt werden“, so der Chirurg.

Während der Osteoporose-Behandlung sollten die Patienten peinlich auf eine gute Mundhygiene achten. Dies gelte auch für Menschen mit dritten Zähnen. „Auch eine schlecht sitzende Prothese kann über Druckstellen die Entzündung des Knochens anstoßen“, so Ehrenfeld.

Foto: contrastwerkstatt/fotolia.com

Autor: bab
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