. Osteoporose

Osteoporose-Medikamente können Kieferknochen zerstören

Medikamente zur Behandlung der Osteoporose können den Kieferknochen zerstören, warnen Experten. Doch dieser so genannten Osteonekrose kann man vorbeugen.
Seniorin

Medikamente gegen Knochenschwund im Alter können Kieferknochen angreifen

Mehr als eine Million Menschen in Deutschland werden mit Medikamenten behandelt, die Osteoporose, also Knochenschwund im Alter, verhindern sollen. Dazu zählen die Wirkstoffe Alendronsäure, Risedronsäure, Ibandronsäure und Zoledronsäure, die zu den Bisphosphonaten gehören. Eine Alternative ist der Antikörper Denosumab, der seit 2010 zugelassen ist.

„Die Medikamente können Knochenbrüche verhindern und bei Krebspatienten die Knochenzerstörung bremsen. Der Nutzen von Bisphosphonaten und Denosumab steht außer Zweifel“, sagt Professor Tim Pohlemann, Präsident der DGCH auf dem 134. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH). Auch die Verträglichkeit der Medikamente ist in der Regel gut.

Schmerzen und Schwellungen des Kieferkamms

Allerdings kann eine gravierende Komplikation eintreten: „Es beginnt mit Schmerzen und Schwellungen im Bereich des Kieferkammes“, berichtet Prof. Michael Ehrenfeld, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (DGMKG). „Daraus können sich Abszesse und Fisteln bilden, aus denen Sekrete, beispielsweise Eiter, fließen.“ Eine Röntgenaufnahme zeigt dann, dass Teile des Knochens abgestorben sind.

Mittlerweile häufen sich die Fälle. „Betroffen sind meistens ältere Menschen mit Parodontose oder Infektionen der Zahnwurzeln“, sagt Ehrenfeld, der die Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universität München leitet. Die Nekrosen können auch nach Zahnextraktionen, Wurzelbehandlungen und bei Implantaten entstehen. Weitere Risikofaktoren sind Alkohol, Rauchen oder eine Behandlung mit Kortison oder Zytostatika.

Osteoporose-Medikamente können Kieferknochen zerstören

Warum die Osteoporose-Medikamente beginnen, den Kieferknochen zu zerstören, ist nicht ganz klar. „Wir vermuten, dass Entzündungen in der Nähe des Knochens die Toxizität der Bisphosphonate erhöhen und es deshalb zum Absterben des Knochens kommt“, erläutert Ehrenfeld.

In den Frühstadien können Mundspülungen und Antibiotika den Knochenverfall noch stoppen. Im fortgeschrittenen Stadium werden Operationen erforderlich, bei denen abgestorbene Knochen abgetragen werden. In besonders schweren Fällen müssen Teile des Kiefers entfernen und durch ein Transplantat ersetzt werden.

Vor Behandlung mit Bisphosphonaten Zähne sanieren

Ehrenfeld rät allen Patienten, die mit Bisphosphonaten oder Denosumab behandelt werden, zu vorbeugenden Maßnahmen. Die Behandlung sollte erst beginnen, wenn ein Zahnarzt das Gebiss saniert hat. „Zysten, desolate Zähne, Entzündungen im Mundraum müssen vorher beseitigt werden“, so der Chirurg.

Während der Osteoporose-Behandlung sollten die Patienten peinlich auf eine gute Mundhygiene achten. Dies gelte auch für Menschen mit dritten Zähnen. „Auch eine schlecht sitzende Prothese kann über Druckstellen die Entzündung des Knochens anstoßen“, so Ehrenfeld.

Foto: contrastwerkstatt/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Osteoporose
 

Weitere Nachrichten zum Thema Osteoporose

| Nur bei jedem vierten Patienten wird Knochenschwund frühzeitig erkannt und therapiert. Die meisten Deutschen wissen nichts oder wenig über Osteoporose, obwohl sie bereits als Volkskrankheit gilt. Dabei kann eine Therapie helfen, schicksalshafte Knochenbrüche wie Wirbel- oder Schenkelhalsfrakturen wenigstens hinauszuzögern.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Wer Kinder hat, lebt länger als Kinderlose. Eine Adoption wirkt sich sogar noch stärker auf die Lebenserwartung aus. Eine neue Untersuchung, ist nun den Gründen nachgegangen.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Restaurant „Altes Zollhaus“, Carl-Herz-Ufer 30, 10961 Berlin

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin Mehrzweckraum, EG
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.