. Hormonabhängiger Brustkrebs

Osteoporose-Medikament reduziert Rückfallrate bei Brustkrebs

Ein überraschendes Ergebnis lieferte eine Studie der Medizischen Universität Wien: Die Rückfallrate bei postmenopausalem, hormonabhängigem Brustkrebs kann durch ein Medikament, das eigentlich bei Osteoporose eingesetzt wird, deutlich reduziert werden.
Osteoporose-Medikament reduziert Rückfallrisiko bei Brustkrebs

Ein Knochen-Medikament kann Brustkrebspatientinnen helfen

Ein „spektakuläres“ Ergebnis kündigte Professor Michael Gnant, Leiter der Klinik für Chirurgie der Medizinischen Universität Wien, beim San Antonio Breast Cancer Symposium (SABCS) in Texas an. Und tatsächlich sind die Resultate seiner jüngsten Studie überraschend: Der Wirkstoff Denosumab, ein monoklonaler Antikörper, der eigentlich das Risiko von Knochenbrüchen bei Osteoporose senken soll, führt auchzu einer Erhöhung der Überlebensrate bei Frauen mit postmenopausalem, hormonrezeptorpositivem Brustkrebs. 3.425 Frauen hatten an der Studie teilgenommen; einem Teil von ihnen wurde Denosumab begleitend zur adjuvanten Therapie mit Aromatasehemmern verabreicht. Es zeigte sich, dass es bei den Patientinnen, die Denosumab erhielten, zu 18 Prozent weniger Brustkrebs-Rückfällen kam. Bei Ersttumoren von über zwei Zentimetern und besonders hoher Rezeptordichte war der Effekt sogar noch größer.

Denosumab wirkt auf Mikroumgebung der Tumorzellen

Rund 70 Prozent der Brustkrebserkrankungen sind hormonabhängig, das heißt die Tumoren benötigen das weibliche Sexualhormon Östrogen als Wachstumsfaktor. Die betroffenen Patientinnen erhalten dann eine Anti-Hormontherapie, welche die Östrogenproduktion reduzieren soll; allerdings tritt als Nebenwirkung nicht selten Osteoporose auf. Denosumab wiederum blockiert das Protein, das für den Knochenabbau verantwortlich ist. Im Frühjahr 2015 wurde im Fachmagazin The Lancet eine Studie vorgestellt, die zeigte, dass der Wirkstoff bei therapieinduzierter Osteoporose das Risiko von Knochenbrüchen um 50 Prozent reduziert, und das fast ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Nun konnten die Wissenschaftler um Michael Gnant nachweisen, dass Denosumab auch die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls bei hormonabhängigem Brustkrebs deutlich senkt. Denn der Antikörper wirkt auch auf die Mikroumgebung von unter Umständen vorhandenen, aber „schlafenden“ Tumorzellen, indem er die Wachstumsfaktoren im Knochenmark reduziert. „Daher fällt es Tumorzellen schwerer aufzuwachen“, erklärt Gnant. Die Zellen bleiben damit ruhiggestellt und können ihre zerstörerische Wirkung nicht entfalten.

Forscher hoffen auf baldige klinische Anwendung

Die Forscher erwarten nun nach eigenen Angaben eine baldige Anpassung in der klinischen Behandlung von Brustkrebs. Denosumab weise kaum Nebenwirkungen auf und stehe „in der Adjuvanstherapie insgesamt über den Bisphosphonaten“, so Gnant. Auch die Bisphosphonate, die zur Behandlung von Osteoporose eingesetzt werden, können eine positiven Einfluss auf das krankheitsfreie Überleben bei Brustkrebs haben. Denosumab wirke ähnlich wie die Bisphosphonate, habe jedoch bei stärkerer Wirksamkeit eine geringere Toxizität und sei besonders einfach anwendbar, so die Studienautoren. Nach Ansicht von Gnant sollte der Wirkstoff in Zukunft allen Patientinnen mit postmenopausalen, hormonrezeptorpositiven Brustkrebs angeboten werden.

Foto: © offstocker - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin

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