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29.01.2016

Orthostatischer Tremor wird oft erst spät erkannt

Der orthostatische Tremor wird oft erst spät erkannt. Häufig bemerken selbst die Betroffenen das Zittern in den Beinen nicht und sprechen nur von einer Standunsicherheit oder Muskelschwäche. Auch die Studienlage zu dem Phänomen ist bisher dünn.
Ortostatischer Tremor

Ein orthostatischer Tremor macht sich oft nur durch eine Standunsicherheit bemerkbar

Der orthostatische Tremor gehört zu den seltenen Tremorformen. Häufiger sind beispielsweise ein Tremor infolge einer Parkinson-Erkrankung, der Essenzielle Tremor  oder der Intentionstremor aufgrund einer Störung im Kleinhirn. Häufig wird der orthostatische Tremor aufgrund seiner hohen Frequenz auch gar nicht erkannt; auffällig ist dann nur eine Unsicherheit beim Stehen. Erschwert wird die Diagnose noch dadurch, dass es häufig Überlappungen zwischen verschiedenen Tremorformen gibt. Im Durchschnitt dauert es daher mehr als sieben Jahre, bis Ärzte bei Patienten mit orthostatischem Tremor die richtige Diagnose stellen, so das Ergebnis einer Studie von Forschern um Dr. Anhar Hassan von der Mayo Clinic in Rocherster. Um den Tremor zu diagnostizieren, ist eine Untersuchung mittels EMG (Elektromyographie) notwendig.

Symptomwechsel zwischen Armen und Beinen typisch

Die meisten der untersuchten Patienten erkannten tatsächlich ein Zittern in den Beinen oder sprachen zumindest von wackeligen Beinen. Viele erkannten aber auch nur unspezifische Symptome wie Standunsicherheit, Schwäche oder gar Schmerzen. Beim orthostatischen Tremor treten die Symptome typischerweise nur im Stehen, nicht aber im Sitzen oder Liegen auf. Bei fast allen betroffenen Patienten gingen sie zurück, wenn sie sich irgendwo anlehnten oder bewegten. Bei vielen tritt nach einiger Zeit auch ein Zittern in den Armen auf. Lehnten sich die Patienten irgendwo an, wurde bei fast allen auch ein Armtremor bemerkt, wobei das Zittern in den Beinen zurückging oder ganz verschwand. Versuchten die Patienten wieder frei zu stehen, verschwand der Tremor in den Armen und kehrte in den Beinen zurück.

 

Ursachen für orthostatischen Tremor noch unbekannt

Die Forscher betonen, dass Ärzte vor allem dann an einen orthostatischen Tremor denken sollten, wenn die Beschwerden beim Gehen und Anlehnen zurückgehen – dies sei bei einer Gleichgewichtsstörung normalerweise nicht der Fall, so die Neurologen. Auch die Übertragung von den Beinen auf die Arme beim Anlehnen sei typisch.

Der sekundäre orthostatische Tremor kann als Folge anderer Erkrankungen wie Parkinson oder auch auch nach kleineren Schädigungen des Hirnstamms auftreten. Die Ursache für den primären orthostatischen Tremor ist nicht bekannt, es werden aber auch hier Störungen im Hirnstamm angenommen. Wegen der Seltenheit der Erkrankung ist die Studienlage bisher überschaubar. Nur eine randomisiert-kontrollierte Studie liegt vor, die nahelegt, dass Gabapentin die subjektiven Symptome um 50 bis 75 Prozent reduzieren kann. Möglicherweise kann in schweren Fällen auch eine tiefe Hirnstimulation helfen.

Foto: © Janni - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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