. Umfrage in Deutschland

Organspende und Widerspruchlösung: Bevölkerung gespalten

Drei Vorschläge zur Regelung der Organspende stehen momentan zur Diskussion, darunter die Widerspruchslösung von Jens Spahn. Doch keiner der Vorschläge findet eine klare Mehrheit in der Bevölkerung. Das geht aus einer aktuellen Umfrage hervor.
Widerspruchslösung, Bevölkerung, Umfrage

Viele Ärzte favorisieren die Widerspruchslösung. Doch in der Bevölkerung findet Spahns Vorschlag keine Mehrheit

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit dem Vorschlag, in Deutschland eine Widerspruchlösung einzuführen, die Diskussion um die Organspende neu entfacht. Die Widerspruchlösung sieht vor, jeden als hirntot erklärten Patienten zur Organentnahme freizugeben, der zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen hat. Damit will Spahn die Zahl der Spenderorgane erhöhen und mehr Organtransplantationen ermöglichen. In vielen europäischen Ländern gibt es diese Regelung bereits, darunter auch im Nachbarland Österreich.

35 Prozent für Widerspruchlösung

Doch nur 35 Prozent der deutschen Bevölkerung stehen hinter Spahns Vorschlag, wie eine aktuelle repräsentative Umfrage des Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC ergab. Dagegen sprechen sich 39 Prozent der Befragten dafür aus, die aktuelle Regelung beizubehalten. Danach ist eine Organspende nur dann möglich, wenn dies im Organspendeausweis auch so dokumentiert ist. Liegt kein Dokument vor, müssen Angehörige befragt werden. Einen Organspendeausweis besitzen derzeit 36 Prozent der Deutschen. Davon haben nur 28 Prozent einer Spende uneingeschränkt zugestimmt.

 

Den Grünen-Vorschlag findet nur jeder vierte gut

Ein dritter Vorschlag wurde von den Grünen/Bündnis 90 eingebracht. Dieses Modell sieht vor, die Bürger aktiv bei Behördengängen nach ihrem Willen zu fragen, was der jetzigen Regelung deutlich näher käme als die Widerspruchlösung. Allerdings können sich nur 25 Prozent der Deutschen mit diesem Vorschlag anfreunden.

Bedenken der Bevölkerung ernst nehmen

„Da sich bei den aktuellen Lösungsvorschlägen keine klare Mehrheit unter den Bürgern abzeichnet, muss die Bundesregierung nach neuen Ansätzen suchen, die für viele Menschen zustimmungsfähig sind“, sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. Wichtig sei auch, die Bedenken der Menschen ernst zu nehmen und noch umfassender als bisher über das Thema aufzuklären. Denn ein Teil derer, die keinen Organspendeausweis haben, äußert deutliche Sorge: So quält zwölf Prozent die Angst, dass sie als Organspender schneller für tot erklärt werden könnten und keine Maßnahmen zur Wiederbelebung durchgeführt werden. Auch Angst vor Organhandel kann ein Argument gegen den Organspendeausweis sein, wie neun Prozent der Befragten bestätigen.

„Die Organspende ist in Deutschland streng geregelt“, sagt Burkhart. Dennoch müsse noch mehr Vertrauen in der Bevölkerung geschaffen werden. Dies ging nur durch eine bessere Aufklärung.

Foto: © Robert Kneschke - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Organspende , Transplantation
 

Weitere Nachrichten zum Thema Widerspruchslösung

| Wer nicht ausdrücklich Nein sagt, ist Organspender: Hilft die Widerspruchslösung, damit es bald mehr Spenderorgane gibt? Und ist das moralisch in Ordnung? Bei „hart aber fair“ am Montagabend wurde ziemlich sachlich über den neuen Gesetzesvorschlag von Jens Spahn diskutiert.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Friedrich von Bodelschwingh-Klinik Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Landhausstraße 33 – 35, 10717 Berlin
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Senioren fühlen sich heute jünger als früher – und sind es Studien zufolge auch. Doch woran liegt das und was bedeutet Alter heute überhaupt? Über diese und andere Fragen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem renommierten Alternspsychologen Prof. Dr. Hans-Werner Wahl gesprochen.
Das massenhafte Auftreten des Eichenprozessionsspinners hat in diesem Jahr bei besonders vielen Menschen zu allergischen Reaktionen der Haut führt. Die giftigen Brennhaare der Raupen können aber auch sprichwörtlich ins Auge gehen. Am Universitätsklinikum Münster mussten diese Woche sechs Menschen am Auge operiert werden. Dr. Lamis Baydoun, Oberärztin der UKM-Augenklinik, berichtet, was vorgefallen ist.