, aktualisiert: 
. Universitätsklinik Heidelberg

Operation von Spina bifida im Mutterleib gelungen

Ärzte am Universitätsklinikum Heidelberg haben ein ungeborenes Kind im Mutterleib am offenen Rücken erfolgreich operiert. Die fetalchirurgische Operation der Spina bifida ist in Deutschland eine Neuheit.
Neuheit für Europa: Spina bifida im Mutterleib operiert

Neuheit für Europa: Spina bifida im Mutterleib operiert

Am Universitätsklinikum Heidelberg ist ein ungeborenes Kind noch im Mutterleib am offenen Rücken operiert worden. Das fetalchirurgische Operationsverfahren der Spina bifida stammt aus den USA und wurde nach der Schweiz nun erstmals in Deutschland durchgeführt – im Beisein amerikanischer Kollegen.

Die Operation sei erfolgreich verlaufen und das Kind inzwischen auf der Welt, teilte das Universitätsklinikum mit. Bei der Operation vor elf Wochen wurde die Gebärmutter zunächst durch einen acht Zentimeter langen Schnitt eröffnet. Das Kind wurde vorsichtig so gedreht, dass der offene Rücken gut zugänglich war, und erhielt eine separate Narkose. Dann wurden Rückenmark, harte Hirnhaut und Haut Schicht für Schicht verschlossen. Da die Schwangerschaft fortgesetzt werden sollte, mussten Eihäute und Gebärmutter ebenfalls verschlossen werden.

Veränderungen am Gehirn bilden sich zurück

Durch anschließende Ultraschallkontrollen konnten die Ärzte beobachten, wie sich noch während der Schwangerschaft die Veränderungen am Gehirn des Kindes zurückbildeten. „So haben wir dem Baby den bestmöglichen Start ins Leben ermöglicht: Das Risiko für einen Wasserkopf wurde reduziert und schwere Schäden am Rückenmark konnten weitgehend verhindert werden“, sagt Professor Andreas Unterberg, Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Das sei ein riesiger Erfolg.

Am Dienstag hatten die Ärzte das Kind per Kaiserschnitt entbunden. Es litt unter einer schweren und häufigen Form der Spina bifida, der sogenannten Meningomyelozele. Durch einen Spalt in der Wirbelsäule drückt sich Rückenmarksgewebe mitsamt Nervenfasern in einer Blase nach außen. In diesem Fall erstreckte sich die Blase über etwa 3,5 Zentimeter Länge an der Lendenwirbelsäule. Teile des Kleinhirns waren durch die Druckveränderung im offenen Rückenmark in den Wirbelkanal verlagert.

Expertise aus den USA

An der fetalchirurgischen Operation der Spina bifida wirkten Perinatalmediziner, Neurochirurgen und Gynäkologen mit. Die Expertise für den komplizierten Eingriff hatten sich die Ärzte am weltweit größten fetalchirurgischen Zentren in den USA, dem St. Louis Fetal Care Institute, erworben. Kollegen aus den USA standen den Heidelberger Ärzten während der OP zur Seite.

Operation der Spina bifida vor der Geburt bringt besseres Outcome

In Europa werden Kinder mit Spina bifida bislang erst nach der Geburt operiert. Doch amerikanische Studien zeigen, dass die Operation vor der Geburt wesentlich effektiver ist. So hatte die Management of Myelomeningocele Study (MOMS-Trial), die die Kinder neun Jahre lang nachbeobachte, gezeigt, dass die im Mutterleib operierten Kinder sich besser bewegen konnten und später auch besser liefen und selbständiger waren. Die Vorteile waren so eindeutig, dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Eine zufällige Zuteilung in das prä- und postoperative Operationsverfahren befanden die Studienärzte als ethisch nicht mehr vertretbar.

Spina bifida aperta entsteht zwischen dem 20. und 28. Tag in der Schwangerschaft, wenn sich die Wirbelkörper sowie häufig auch die Häute, die das Rückenmark umgeben, nicht verschließen. Daher der Name offener Rücken. Je nach Ausmaß und Lage des Defektes sind die betroffenen Kinder später in ihrer Motorik stark beeinträchtigt und entwickeln häufig einen Wasserkopf, bei dem sich Hirnwasser innerhalb des Schädels ansammelt. Folgen sind geistige und körperliche Beeinträchtigungen wie Lähmungen.

Foto: © Zffoto - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schwangerschaft

Weitere Nachrichten zum Thema Spina bifida

| Folsäure wird über die Nahrung aufgenommen. Das B-Vitamin ist für unter anderem für die Zellteilung und die Blutbildung nötig. Ein Mangel kann vor allem für Risikogruppen schädlich ein, dazu zählen Schwangere und Patienten mit Bluthochdruck.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
60-Stunden-Woche für Krankenschwestern, doppelt so lange Wartezeiten beim Hausarzt: Dieses Szenario könnte schon in einem Jahrzehnt Realität werden, wenn das Gesundheitssystem nicht entschlossen reagiert. Schon jetzt ist das Angebot an freien Stellen hier zweieinhalbmal so groß wie der Zahl der Bewerber.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.