Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Operation von Spina bifida im Mutterleib gelungen

Freitag, 12. August 2016, aktualisiert: 17.08.2016 – Autor:
Ärzte am Universitätsklinikum Heidelberg haben ein ungeborenes Kind im Mutterleib am offenen Rücken erfolgreich operiert. Die fetalchirurgische Operation der Spina bifida ist in Deutschland eine Neuheit.
Neuheit für Europa: Spina bifida im Mutterleib operiert

Neuheit für Europa: Spina bifida im Mutterleib operiert – Foto: Zffoto - Fotolia

Am Universitätsklinikum Heidelberg ist ein ungeborenes Kind noch im Mutterleib am offenen Rücken operiert worden. Das fetalchirurgische Operationsverfahren der Spina bifida stammt aus den USA und wurde nach der Schweiz nun erstmals in Deutschland durchgeführt – im Beisein amerikanischer Kollegen.

Die Operation sei erfolgreich verlaufen und das Kind inzwischen auf der Welt, teilte das Universitätsklinikum mit. Bei der Operation vor elf Wochen wurde die Gebärmutter zunächst durch einen acht Zentimeter langen Schnitt eröffnet. Das Kind wurde vorsichtig so gedreht, dass der offene Rücken gut zugänglich war, und erhielt eine separate Narkose. Dann wurden Rückenmark, harte Hirnhaut und Haut Schicht für Schicht verschlossen. Da die Schwangerschaft fortgesetzt werden sollte, mussten Eihäute und Gebärmutter ebenfalls verschlossen werden.

Veränderungen am Gehirn bilden sich zurück

Durch anschließende Ultraschallkontrollen konnten die Ärzte beobachten, wie sich noch während der Schwangerschaft die Veränderungen am Gehirn des Kindes zurückbildeten. „So haben wir dem Baby den bestmöglichen Start ins Leben ermöglicht: Das Risiko für einen Wasserkopf wurde reduziert und schwere Schäden am Rückenmark konnten weitgehend verhindert werden“, sagt Professor Andreas Unterberg, Direktor der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg. Das sei ein riesiger Erfolg.

Am Dienstag hatten die Ärzte das Kind per Kaiserschnitt entbunden. Es litt unter einer schweren und häufigen Form der Spina bifida, der sogenannten Meningomyelozele. Durch einen Spalt in der Wirbelsäule drückt sich Rückenmarksgewebe mitsamt Nervenfasern in einer Blase nach außen. In diesem Fall erstreckte sich die Blase über etwa 3,5 Zentimeter Länge an der Lendenwirbelsäule. Teile des Kleinhirns waren durch die Druckveränderung im offenen Rückenmark in den Wirbelkanal verlagert.

 

Expertise aus den USA

An der fetalchirurgischen Operation der Spina bifida wirkten Perinatalmediziner, Neurochirurgen und Gynäkologen mit. Die Expertise für den komplizierten Eingriff hatten sich die Ärzte am weltweit größten fetalchirurgischen Zentren in den USA, dem St. Louis Fetal Care Institute, erworben. Kollegen aus den USA standen den Heidelberger Ärzten während der OP zur Seite.

Operation der Spina bifida vor der Geburt bringt besseres Outcome

In Europa werden Kinder mit Spina bifida bislang erst nach der Geburt operiert. Doch amerikanische Studien zeigen, dass die Operation vor der Geburt wesentlich effektiver ist. So hatte die Management of Myelomeningocele Study (MOMS-Trial), die die Kinder neun Jahre lang nachbeobachte, gezeigt, dass die im Mutterleib operierten Kinder sich besser bewegen konnten und später auch besser liefen und selbständiger waren. Die Vorteile waren so eindeutig, dass die Studie vorzeitig abgebrochen wurde. Eine zufällige Zuteilung in das prä- und postoperative Operationsverfahren befanden die Studienärzte als ethisch nicht mehr vertretbar.

Spina bifida aperta entsteht zwischen dem 20. und 28. Tag in der Schwangerschaft, wenn sich die Wirbelkörper sowie häufig auch die Häute, die das Rückenmark umgeben, nicht verschließen. Daher der Name offener Rücken. Je nach Ausmaß und Lage des Defektes sind die betroffenen Kinder später in ihrer Motorik stark beeinträchtigt und entwickeln häufig einen Wasserkopf, bei dem sich Hirnwasser innerhalb des Schädels ansammelt. Folgen sind geistige und körperliche Beeinträchtigungen wie Lähmungen.

Foto: © Zffoto - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schwangerschaft
 

Weitere Nachrichten zum Thema Spina bifida

04.05.2015

Folsäure wird über die Nahrung aufgenommen. Das B-Vitamin ist für unter anderem für die Zellteilung und die Blutbildung nötig. Ein Mangel kann vor allem für Risikogruppen schädlich ein, dazu zählen Schwangere und Patienten mit Bluthochdruck.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Etwa 5 Prozent der Bevölkerung verträgt kein Gluten. Das ist ein Klebereiweiß, das in Getreide wie Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste, Hafer, Emmer vorkommt. Doch Lebensmittel haben, wenn Getreide verarbeitet wurde, einen sehr unterschiedlichen Glutengehalt.


Ob in der Arztpraxis oder im Fitnessstudio: Der BMI gilt als beliebte Methode um festzustellen, ob jemand zu dick ist. Wissenschaftler kritisieren das. Der BMI unterscheide nicht zwischen Muskeln und Fett und sage nichts über die Fettverteilung aus.
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin