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18.10.2014

Onkologen-Kongress: Immuntherapie bleibt Hoffnungsträger

Die Krebs-Immuntherapie wurde 2013 zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres erklärt. Auch deutsche Onkologen sehen die Krebsmedizin an der Schwelle zu einer neuen Ära. Wichtige Hoffnungsträger sind so genannte Checkpoint-Inhibitoren.
Onkologen-Kongress: Immuntherapie bleibt Hoffnungsträger

Immuntherapie bei Krebs: Checkpoint-Inhibitoren sind besonders viel versprechend

Lange wurde an Immuntherapien gegen Krebs geforscht. Den ersten Meilenstein konnten Krebsforscher aber erst in den letzten zwei Jahren erreichen. Inzwischen gilt die Tumor-Immuntherapie als Therapieansatz mit großem Potenzial. Onkologen und Hämatologen rechnen damit, dass sich die Krebsbehandlung in den kommenden Jahren deutlich verändern wird. Das Wissenschaftsmagazin Science hatte den immuntherapeutischen Ansatz bei der Behandlung von Krebs sogar zum Durchbruch des Jahres 2013 erklärt. „Es spricht in der Tat einiges dafür, dass wir am Beginn einer neuen Ära in der Tumortherapie stehen“, erklärte Professor Carsten Bokemeyer auf der DGHO-Jahrestagung 2014 am 12. Oktober in Hamburg. „Wir sind optimistisch, dass wir bald zahlreichen Patienten neue, effektive Behandlungen anbieten können.“

Checkpoint-Inhibitoren haben die Therapie des Melanoms verändert

Grund zum Optimismus liefert die so genannte Checkpoint-Hemmung. Dieses neue Therapiekonzept hebt eine Blockade auf, die das Immunsystem daran hindert, gegen Krebszellen vorzugehen. Mediziner nennen die neuen Medikamente Checkpoint-Inhibitoren, weil sie wichtige Schaltstellen der Immuntoleranz hemmen. Zu dieser neuen Gruppe von Medikamenten gehören Antikörper wie Ipilimumab, der gegen das cytotoxische T-Lymphozyten assoziierte Antigen CTLA-4 gerichtet ist. Bei Patienten mit metastasiertem Melanom haben die CTLA-4-Blocker bereits zu großen Erfolgen geführt. „Eine CTLA-4-Blockade unterdrückt in der frühen Phase der T-Zellaktivierung im Lymphknoten die Immuntoleranz und löst so antitumorale Effekte aus“, erläuterte Professor Dr. Andreas Mackensen vom Universitätsklinikum Erlangen auf dem Jahreskongress der Onkologen und Hämatologen.

 

PD-1-Antikörper kurz vor der europäischen Zulassung

Darüber hinaus gelten sogenannte PD-1-Antikörper als neue Hoffnungsträger in der Immuntherapie. Anders als CTLA-4-Blocker wirken diese Checkpoint-Inhibitoren in der Effektorphase des Immunsystems im peripheren Gewebe und damit an der Kontaktstelle zwischen Tumorzelle und T-Zelle. Im Juli 2014 wurde in Japan mit Nivolumab der erste PD-1-Blocker für den Einsatz beim nichtoperablen malignen Melanom offiziell zugelassen. Im September des gleichen Jahres folgte in den USA dann die Zulassung von Pembrolizumab, ebenfalls für den Einsatz beim Melanom. Europa dürfte in Kürze folgen. Unklar ist noch, wie die unterschiedlichen Therapieansätze am besten gemeinsam eingesetzt werden sollten: „Sequenzielle Therapien sind genauso denkbar wie Kombinationsbehandlungen“, betonte Professor Mackensen. Allerdings seien dringend weitere Studien zu unterschiedlichen Therapieregimes nötig.

Immuntherapeutische Ansätze

Die Krebsmediziner hoffen, dass die Erfolge der Checkpoint-Inhibitoren auch auf weitere Krebsarten übertragbar sind. DGHO-Chef Professor Mathias Freund: „Es wird sich zeigen, ob die Checkpoint-Inhibitoren das Potenzial haben, auch bei anderen Krebserkrankungen als dem malignen Melanom zu einer wichtigen Säule in der Krebstherapie zu werden.” Trotz dieses Fragezeichens zeigte sich Freund überzeugt, dass die Immuntherapie die Krebsbehandlung in den kommenden Jahren deutlich verändern wird. Denn neben der Checkpoint-Hemmung befindet sich derzeit noch eine ganze Reihe weiterer immuntherapeutischer Ansätze in der klinischen Prüfung. In Kürze wird etwa eine Impfung gegen fortgeschrittenen Prostatakrebs europaweit zugelassen. Die Impfung wird ab November an vier Zentren in Deutschland verfügbar sein.

Foto: © Juan Gärtner - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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