. Antiemetische Therapie

Olanzapin wirkt gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Viele Krebspatienten leiden während der Chemotherapie unter starker Übelkeit. Dagegen gibt es verschiedene Medikamente, die aber oft nicht ausreichen. Forscher konnten nun zeigen, dass Olanzapin den Erfolg antiemetischer Therapien steigert.
Olanzapin

Chemotherapien verursachen sehr häufig Übelkeit

Im Rahmen einer Chemotherapie sehr häufig Übelkeit und Erbrechen auf. Die Ärzte verabreichen daher schon zu Beginn der Behandlung Medikamente, die diese Nebenwirkungen unterdrücken sollten, sogenannte Antiemetika. Meist werden dabei NK1-Rezeptor-Antagonisten (Aprepitant oder Fosaprepitant), 5-HT3-Rezeptor-Antagonisten (wie Ondansetron) und Dexamethason verschrieben. Doch die Übelkeit kann bei vielen Patienten dadurch nicht ganz verhindert werden. Forscher um Rudolph Navari von der Indiana University School of Medicine in South Bend haben nun untersucht, ob die zusätzliche Gabe von Olanzapin, einem eigentlich zur Behandlung der Schizophrenie zugelassenen atypischen Neuroleptikum, die Wirkung der üblichen Antiemetika verbessern kann. Die Ergebnisse wurden im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Unter Olanzapin waren mehr Patienten frei von Übelkeit

An der Studie beteiligten sich 46 US-Zentren und 380 Krebs-Patienten, die eine Chemotherapie erhielten. Alle Patienten wurden vorsorglich mit einer Kombination aus einem NK1-Rezeptor-Antagonisten, einem 5-HT3-Antagonisten und Dexamethason behandelt. Die Hälfte der Patienten wurde zusätzlich an den ersten vier Tagen jedes Chemotherapie-Zyklus mit 10 mg Olanzapin behandelt.

Olanzapin ist aus pharmakologischer Sicht ein unpräziser Wirkstoff, zu dessen Angriffspunkten unter anderem einige Rezeptoren gehören, die an der Entstehung von Übelkeit und Erbrechen beteiligt sind. Wie sich zeigte, konnte Olanzapin die Wirkung der antiemetischen Therapien tatsächlich signifikant verbessern. So wurde in den ersten 24 Stunden nach Chemotherapiebeginn bei 74 Prozent der Patienten in der Olanzapin-Gruppe eine vollständige Freiheit von Übelkeit erreicht; in der Vergleichsgruppe waren es nur 45 Prozent.

 

Sinnvolle Ergänzung der antiemetischen Therapie

Auch nach 25 bis 120 Stunden erhöhte Olanzapin die Zahl der Patienten, die nicht unter Übelkeit litten, nämlich auf 42 gegenüber 25 Prozent. Im gesamten Untersuchungszeitraum von 120 Stunden war die Olanzapin-Therapie der Behandlung ohne Olanzapin mit 37 Prozent gegenüber 22 Prozent der Patienten, die nicht unter Übelkeit litten, überlegen.

Eine relativ häufige Nebenwirkung der Therapie mit Olanzapin war allerdings eine Sedierung, die bei etwa fünf Prozent der Patienten auftrat. Andere bekannte Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und eine Risikoerhöhung für Diabetes dürften bei der geringen Behandlungszeit keine Rolle spielen. Nach Ansicht der Studienautoren stellt Olanzapin damit eine wertvolle Ergänzung für die antiemetische Behandlung bei Chemotherapie dar.

Foto: © somkanokwan - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Chemotherapie
 

Weitere Nachrichten zum Thema Chemotherapie

| Bakterien können nicht nur krank machen, sondern auch die Wirkung einer Chemotherapie beeinträchtigen. Wissenschaftler haben dies jetzt an Gemcitabin nachgewiesen, das vor allem bei Bauchspeicheldrüsenkrebs verabreicht wird.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Rosacea. Die chronische Hautkrankheit belastet das Privat- wie das Berufsleben der Betroffenen viel stärker als bisher angenommen. Eine weltweite Umfrage unter Ärzten und Patienten bringt jetzt Licht in den Alltag mit Rosacea.
Digitale Innovationen ans Krankenbett bringen: Alexander Meyer vom Deutschen Herzzentrum Berlin ist das gelungen - dank des BIH Digital Health Accelerator-Programms. Am Dienstag ging die „Talentshow“ für digitale Ideen in die zweite Runde.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Kliniken
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.