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Ohne gute Ernährung keine Gesundheit

Ernährung ist das zentrale Thema des Weltgesundheitstags 2015. Bluthochdruckexperte Detlev Ganten, Vorsitzender des World Health Summits, über ernährungsbedingte Krankheiten und die Gefahren, die in Industrienahrung lauern.
Bluthochdruckexperte Detlev Ganten: Der Mensch ist nicht auf Industrienahrung konditioniert

Bluthochdruckexperte Detlev Ganten: Der Mensch ist nicht auf Industrienahrung konditioniert

Herr Professor Ganten, über 200 Krankheiten werden laut WHO durch unsere Nahrung übertragen – durch Bakterien, Parasiten, Viren und chemische Substanzen. Wie groß ist die Gefahr in Deutschland?

Ganten: In Ländern mit einer nur schwach entwickelten Infrastruktur ist die Gefahr der Krankheitsübertragung über Wasser und Nahrung ziemlich groß. In Deutschland ist die Nahrungskette aber so gut organisiert und wird so sorgfältig geprüft, dass auf diesem Wege kaum noch Krankheiten übertragen werden.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass auch immer wieder Lücken und Schwächen in dieser Nahrungskette auftauchen – ein Beispiel dafür waren die EHEC-Fälle mit mehreren Todesfällen.

Ganten: Das ist richtig. Trotzdem ist die Gefahr bei uns gering. Wichtig ist allerdings: Ohne die richtige Ernährung ist ein gesundes Leben nicht möglich. Wir müssen genügend Flüssigkeit, Kalorien und Vitamine zu uns nehmen. Selbstverständlich darf unsere Nahrung aber keine giftigen Fremdstoffe, Bakterien, Parasiten oder Viren beinhalten.

Schätzungsweise bis zu zwei Millionen Todesfälle werden jährlich durch kontaminiertes Essen und Trinkwasser verursacht. Doch eine falsche Ernährung führt auch zu chronischen Krankheiten. Worin sehen Sie die größere Gefahr?

Ganten: Diese Zahl ist natürlich unerträglich hoch. Doch es ist leider nicht die größte Gefahr. Unsere tägliche Nahrungsaufnahme ist viel zu oft von Industrienahrung geprägt, die aus zu viel Fett, Zucker und Salz besteht und damit zu chronischen Krankheiten führt. Diese werden zunächst gar nicht als Krankheiten erkannt und führen auch nicht gleich zum Tod. In breiten Bevölkerungskreisen haben sie aber erhebliche Folgen wie Übergewicht, Blutzucker, Herzkreislauferkrankungen und muskuloskelettale Erkrankungen.

Was machen Zucker, Fett und Co. mit uns?

Ganten: Der Grund dafür ist einfach zu erklären: Wir reagieren evolutionär sehr stark auf diese Nahrung, da unsere Körper noch auf Mangelsituationen eingestellt sind und Vorräte an Fett, Zucker und Salz anlegen wollen. In unserer modernen Lebenswelt wird diese evolutionäre Konditionierung nun zur Falle, so dass die Auswirkungen der sogenannten nicht-übertragbaren Krankheiten im Endeffekt eher noch größer sind, als die akuten Krankheitsfälle durch Kontamination. Ihnen müssen wir deshalb noch größere Aufmerksamkeit widmen.

Sind diese nicht-übertragbaren Krankheiten mittlerweile ein weltweites Problem?

Ganten: Ja, und sie verbreiten sich in reichen Ländern wie in denen mit niedrigen und mittleren Einkommen immer mehr. Gerade die Bevölkerung in ärmeren Ländern lebt häufig in Städten – oft ist es schon über die Hälfte der Menschen. Sauberes Trinkwasser ist in diesen Ländern häufig nicht in ausreichender Menge vorhanden, so dass vor allem stark zuckerhaltige Softdrinks billig angeboten werden und immer größere Verbreitung finden. Globalisierung und Kommerzialisierung unterstützen diese Entwicklung noch zusätzlich, so dass wir uns in der modernen, urbanen Gesellschaft immer weiter von einer natürlichen Ernährungsweise entfernen.

Was kann jeder Einzelne unternehmen, um sich möglichst gesund zu ernähren?

Ganten: Bildung ist das Stichwort! Wenn man weiß, woher ein Nahrungsmittel kommt und wie es angebaut wird, entwickelt man ein Verständnis von natürlicher Ernährung. Außerdem müssen wir auch wissen, wie wir Nahrungsmittel am besten aufbewahren und zubereiten. Ein Beispiel: Der Frühling fängt jetzt wieder an und damit auch die Grillsaison. Wenn man Fleisch oder Gemüse zu lange über der Kohle lässt, können aber krebserregende Stoffe entstehen, die wir dann gleich mitessen. So etwas muss man wissen.

Das Interview führte Tobias Gerber, Quelle: World Health Summit

Foto: World Health Summit 2014

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