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OECD-Studie: Deutschland bei Operationen internationaler Spitzenreiter

Im internationalen Vergleich belegt Deutschland einen Spitzenplatz bei der Zahl der Krankenhausaufenthalte und Operationen. Das zeigt eine neue Studie der OECD. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt unterdessen vor falschen Schlussfolgerungen.
OECD-Studie: Deutschland bei Operationen internationaler Spitzenreiter

Deutschlands Krankenhäuser operieren mehr, bieten aber gute Qualität und Kosteneffizienz

Wieder einmal hat eine Studie belegt, dass Deutschland bei der Anzahl von Operationen Spitzenreiter ist. Diesmal kommen die Zahlen von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Studie „Mengenentwicklung im Krankenhaus“, die die OECD zu der gleichnamigen Konferenz am 11. April in Berlin vorgelegt hat, zeigt, dass in kaum einem anderen Land so viele Menschen unters Messer kommen wie in Deutschland.

Auf 100.000 Einwohner kommen in Deutschland zum Beispiel 624 Herzkatheter-Eingriffe, im OECD-Durchschnitt sind es mit 177 weniger als ein Drittel. Künstliche Hüften- und Kniegelenke werden in Deutschland etwa doppelt so häufig eingesetzt wie im OECD-Durchschnitt: 295 Hüft-Operationen und 213 Knie-Operationen pro 100.000 Einwohner in Deutschland stehen 154 bzw. 122 Eingriffen im OECD-Durchschnitt gegenüber. Bei der Zahl der Krankenhausaufenthalte liegt Deutschland auf Platz zwei. 240 Klinikaufenthalte pro 1.000 Einwohner verzeichnet die Statistik der OECD. Nur in Österreich sind es mit 261 noch etwas mehr. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 155. Das Schlusslicht bildet Mexiko mit 57 Klinikaufenthalten pro 1.000 Einwohner.

Zahl der Herzkatheter-Eingriffe ist mehr als dreimal so hoch wie im OECD-Durchschnitt

Gleichzeitig bescheinigt die OECD-Studie den Kliniken in Deutschland ein hohes Versorgungs- und Leistungsniveau und unbeschränkten und flächendeckenden Zugang für die Patienten zu Qualitätsmedizin. Sie kommt auch zu dem Ergebnis, dass die deutschen Krankenhäuser eine hohe Kosteneffizienz aufweisen. So liegt der Anteil der Krankenhausausgaben am Bruttosozialprodukt in Deutschland eher im Mittelfeld und auch die Kosten der Krankenhausleistungen sind alles andere als im Spitzenfeld angesiedelt. Auf diesen Aspekt verweist die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und warnt davor, falsche Schlussfolgerungen aus dem Vergleich mit den OECD-Ländern zu ziehen.

„Unter den 34 OECD-Ländern sind auch osteuropäische und Schwellenländer, die in Bezug auf die stationäre Versorgungsdichte sicherlich noch Nachholbedarf haben, so dass der auch von diesen Ländern beeinflusste Durchschnittswert kritisch zu hinterfragen ist“, sagte DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum. Dass Deutschland bei der Häufigkeit einer Reihe von Behandlungen eine Spitzenposition einnehme, sei zunächst einmal als Ausdruck eines wünschenswert breiten und offenen Zugangs der Patienten zu stationären Leistungen und als Qualitäts- und Vertrauensbeweis für die Krankenhäuser in Deutschland zu werten, meinte Baum. „Außer auch hier wieder statistische Vergleichswerte zu benennen, kann die Studie nicht angeben, welches Leistungsniveau im internationalen Rahmen dem tatsächlichen Bedarf entspricht.“

Experten wie etwa das Wissenschaftliche Institut der AOK räumen ein, dass man die Zahl des tatsächlichen Behandlungsbedarfs nicht beziffern kann, verweisen aber darauf, dass die Mengenentwicklung in deutschen Krankenhäusern mit dem demografischen Wandel allein nicht zu erklären ist. „Die Alterung der Gesellschaft und die damit verbundene erhöhte Morbidität können nur einen kleinen Teil der Entwicklung erklären. Etwa zwei Drittel der Mengenzuwächse gehen auf andere Ursachen zurück“, erklärt Wido-Geschäftsführer Jürgen Klauber.

Bei den Kosten liegen deutsche Krankenhäuser im Mittelfeld

Die DKG weist unterdessen den Verdacht scharf zurück, Krankenhäuser wollten mit Menge Kasse machen und verweist auf eine im Dezember 2012 veröffentlichte Studie des Deutschen Krankenhausinstitutes (DKI). Diese kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass die Zahlen der von den Krankenkassen kritisierten Leistungen, wie etwa Hüft- und Knieersatz, angesichts der immer größer werdenden Zahl älterer Menschen in Deutschland keine Auffälligkeiten darstellen. Im Vergleich mit hoch entwickelten Gesundheitssystemen in Staaten wie USA und Schweiz lägen auch bei vielen anderen Leistungen keine Besonderheiten vor.

„Im Grunde bestätigen die Autoren der Studie, dass das Leistungsgeschehen in Deutschland nicht allein mit der demografischen Entwicklung erklärt werden kann, sondern dass auch Faktoren wie medizinischer Fortschritt, Wahl- und Entscheidungsmöglichkeiten für Patienten sowie die Qualität und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems berücksichtigt werden müssten“, sagt Baum. Eine kürzlich veröffentlichte internationale Studie habe außerdem aufgezeigt, dass das Mortalitätsrisiko infolge von Operationen in Deutschland mit am geringsten ist.

Hauptkategorie: Demografischer Wandel
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