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04.10.2018

Oberschenkelhalsbruch kann tödlich enden: Experten fordern bessere Therapie

Der Oberschenkelhalsbruch ist die am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur. Zehn Prozent der Patienten sterben binnen 30 Tagen. Unfall- und Alters-Mediziner fordern eine bessere Therapie.
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Bei Patienten mit Osteoporose können Stürze schnell zu Brüchen führen

Der Oberschenkelhalsbruch ist mit Abstand die am häufigsten im Krankenhaus behandelte Fraktur. Das Durchschnittsalter der Patienten liegt bei über 82 Jahren. Der Unfall kann tödlich enden: 10 Prozent der Patienten sterben innerhalb der ersten 30 Tage nach ihrem Sturz. Bis zu 20 Prozent verlieren ihre Selbstständigkeit und müssen im Folgejahr in eine Pflegeeinrichtung einziehen.

"Diese dramatische Mortalitätsrate müssen wir senken", sagt Prof. Jürgen M. Bauer, Ärztlicher Direktor am Agaplesion Bethanien Krankenhaus Heidelberg und Past-President der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG). Die Geriater und die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) fordern eine bessere Therapie.

Oberschenkelhalsbruch: So sieht eine gute Therapie aus

Dazu stellten die beiden Fachgesellschaften das Weißbuch "Alterstraumatologie" vor. Es führt die wichtigsten Schritte einer guten Therapie von älteren Patienten mit Knochenbrüchen - wie dem Oberschenkelhalsbruch - auf. Dazu zählen: Versorgung des Knochenbruchs innerhalb von 24 Stunden, Behandlung der Begleiterkrankungen, eine auf das Alter der Patienten angepasste Schmerztherapie, schonendere OP-Techniken, die eine Vollbelastung unmittelbar nach der Operation erlauben, eine frühzeitige Mobilisation sowie eine intensive Rehabilitation unmittelbar nach der Operation.

Oberschenkelhalsbruch: Interdisziplinäres Team senkt Sterberate

So könnte verhindert werden, dass bei alten Menschen die OP-Strapazen zu einer Verschlechterung des ohnehin schon oftmals sehr eingeschränkten Allgemeinzustandes führen und die Gefahr der dauerhaften Pflegebedürftigkeit droht. Das alles funktioniert nur mit interdisziplinärem Teamwork: Arbeiten Unfallchirurgen, Altersmediziner (Geriater), Physiotherapeuten sowie Sozial- und Pflegedienst in einem Team zusammen, sinkt die Sterblichkeit um mehr als 20 Prozent. "Die multiprofessionelle Zusammenarbeit verbessert die Überlebensrate unsere Patienten drastisch", sagt Prof. Clemens Becker, Chefarzt der Abteilung für Geriatrie und Klinik für Geriatrische Rehabilitation des Robert-Bosch-Krankenhauses Stuttgart.

Oberschenkelhalsbruch: Osteoporose Ursache für Alterbrüche

Die Fachgesellschaften haben seit 2014 bereits über 100 Kliniken als "Alterstraumazentrum" zertifiziert. Dort werden die genannten Anforderungen umgesetzt. DGG und DGU fordern nun die generelle Übernahme ihrer Empfehlungen in die Regelversorgung.  Der Mehraufwand durch die ganzheitliche, multiprofessionelle Versorgung, welcher sich in der Verbesserung des Therapieerfolgs niederschlägt, müsse entsprechend vergütet werden.

Die hohe Anzahl von Altersbrüchen sollte außerdem durch eine konsequentere medikamentöse Osteoporose-Therapie gesenkt werden, heißt es weiter in einer Pressemitteilung. Denn der überwiegende Teil der Patienten mit einem Hüftbruch hat bereits in den Jahren zuvor eine Fraktur erlitten, die durch Osteoporose bedingt war.

Oberschenkelhalsbruch: Mehr Prävention gefordert

Dazu müssen Strukturen geschaffen werden, die die flächendeckende Sekundär-Prävention unmittelbar nach dem ersten Bruch sicherstellen. Dass hierzulande ein enormes Verbesserungspotential besteht, zeigte nicht zuletzt die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie "Prävention, Therapie und Rehabilitation osteoporotischer Frakturen in benachteiligten Populationen".

Foto: Photographee.eu/fotolia.com

Autor: bab
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