Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
10.10.2020

Obduktion von 43 COVID-19-Toten: Coronavirus kann Blut-Hirn-Schranke durchbrechen

Das Coronavirus SARS-COV-2 kann die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen und so ins Gehirn eindringen. Das ergab die Obduktion von 43 verstorbenen COVID-19-Patienten am Universitätsklinikum Hamburg. Für neurologische Schäden machen die Forscher Immunreaktionen verantwortlich.
Coronavirus und Entzündungen im Gehirn gefunden: Obduktion zeigt, dass das SARS-COV-2 die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen kann.

Coronavirus und Entzündungen im Gehirn gefunden: Obduktion zeigt, dass das SARS-COV-2 die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen kann.

Inzwischen ist klar: Das Coronavirus SARS-COV-2 kann die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen und das Gehirn erreichen. Einen Beweis dafür haben soeben Forscher des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) erbracht, in dem sie 43 verstorbene COVID-19-Patienten obduzierten. Bei 21 der untersuchten Verstorbenen haben die Neuropathologen den SARS-CoV-2-Erreger im Gehirn entdeckt. Virusproteine konnten sowohl im Hirnstamm als auch in Nerven, die aus dem Hirnstamm entspringen, nachgewiesen werden.

COVID-19 löst offenbar Entzündung im Gehirn aus

Die Virusmengen waren jedoch sehr gering und die Gehirne von Patienten mit den höchsten Virusmengen zeigten nicht mehr Veränderungen als solche, in denen kein Virus gefunden werden konnte. Das Forscher-Team um Prof. Markus Glatzel konnte aber eine Immunreaktion in den Gehirnen der verstorbenen COVID-19-Patienten nachweisen. „Wir schließen daraus, dass Entzündungszellen im Gehirn an der Entstehung der neurologischen Symptome beteiligt sein könnten“, so Glatzel.

 

Neurologische Schäden sind indirekte Folgen

Die neurologischen Symptome von COVID-19 weisen ein breites Spektrum auf und reichen von diffusen Beschwerden milder Ausprägung bis hin zu schweren Schlaganfällen. Bislang war aber noch unklar, ob und wie der Erreger ins Gehirn gelangt und sich dort auch vermehren kann. „Wir konnten nun zeigen, dass nicht das neuartige Corona-Virus selbst das Gehirn schädigt, sondern die neurologischen Symptome vermutlich eine indirekte Folge der Virusinfektion sind“, so Prof. Glatzel weiter.

Üblicherweise zeigen COVID-19- Patienten vor allem im Blut eine deutlich veränderte Immunantwort. Die Hamburger Forscher konnten jetzt auch im Gehirn eine klare Entzündungsreaktion nachweisen. Das war in diesem Ausmaß nicht bekannt.

„Besonders interessant war der deutliche Virusnachweis in einzelnen Zellen und Nerven“,  sagt Mikrobiologe Prof. Dr. Martin Aepfelbacher, Co-Autor der Studie. Dieser Fund deute auf eine lokalisierte Vermehrung und Beeinträchtigung spezifischer Gehirnfunktionen hin.

Die für die Studie untersuchten verstorbenen Patienten (16 Frauen, 27 Männer) waren im Durchschnitt 76 Jahre alt und hatten altersgerechten Vorerkrankungen, typische COVID-19-Patienten also. Die Ergebnisse haben die Forscher in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins „The Lancet Neurology“ veröffentlicht: „Neuropathology of patients with COVID-19 in Germany: a post-mortem case series“

Foto: © Adobe Stock/ kichigin19

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona und Gehirn

16.04.2020

Covid-19, die durch SARS-Cov2 ausgelöste Erkrankung, scheint sich nicht nur auf die Lungen zu beziehen. Auch neurologische Symptome sind möglich, wie neuere Untersuchungen zeigen. Nun konnte bei einem jungen Mann aus Japan eine durch das Coronavirus verursachte Hirnhautentzündung nachgewiesen werden.

14.04.2020

Als Hauptsymptome für eine Infektion mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 gelten Husten, Fieber und Atembeschwerden. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass auch neurologische Symptome möglich sind. Dazu gehören Schwindel, Kopfschmerzen, Geschmacks- und Geruchsstörungen.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Die Behandlung von COVID-19 stellt die Medizin vor riesige Herausforderungen. Der Lungenarzt und Infektiologe Prof. Dr. Norbert Suttorp von der Charité erklärt, was COVID-19 von anderen Lungenentzündungen unterscheidet und welche Therapieansätze Hoffnung machen. Eine Zusammenfassung unseres Podcasts.
 
Weitere Nachrichten

Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen. Im Profi-Sport wird den Zellbausteinen seit ein paar Jahren besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Durch spezielle Trainingsmaßnahmen und Nahrungsergänzungsmittel lässt sich die körperliche Leistungsfähigkeit offenbar enorm steigern.

Mitarbeiter im Gesundheitswesen kämpfen an vorderster Front: Viele kamen während der Pandemie an die Grenzen dessen, was Menschen aushalten können. Eine Studie der Universität Bonn zeigt: Besonders in einer Berufsgruppe haben Ängste und Depressionen behandlungsbedürftige Dimensionen erreicht.
 
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin