. Serratien-Ausbruch an der Charité

Obduktion entlastet die Charité

Der Tod des am Deutschen Herzzentrum verstorbenen Säuglings ist nicht durch eine Serratien-Infektion verursacht worden. Wie es zu dem Serratien-Ausbruch kommen konnte, ist weiterhin unklar.
Obduktion entlastet die Charité

Baby starb nicht am Keim

Seit dem Ausbruch von Serratien-Keimen an der Charité und am Deutschen Herzzentrum Berlin ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Der Verdacht auf eine fahrlässige Tötung konnte inzwischen aber ausgeräumt werden. Eine Obduktion des am 5. Oktober im Deutschen Herzzentrum verstorbenen Säuglings hat ergeben, dass das Baby nicht an dem Keim gestorben war. Nach einer vorläufigen Bewertung von Rechtsmedizinern ist das Baby „nach einer komplizierten und riskanten Operation eines natürlichen Todes gestorben.“

Die Staatsanwälte ermitteln unterdessen wegen möglicher fahrlässiger Körperverletzung weiter. Etwa zwei Dutzend Frühgeborene hatten sich auf der Neonatologie des Virchowklinikums und des benachbarten Herzzentrums mit dem Keim infiziert. Einige der infizierten Kinder werden zurzeit noch mit Antibiotika behandelt.

Tod von unreifen Frühgeborenen ist nicht automatisch ein Hygienefehler

Ob allerdings tatsächlich Hygienemängel in den beiden hoch spezialisierten Einrichtungen Schuld am Ausbruch sind, wie vielfach behauptet wird, ist bislang nicht geklärt. Babypflegeprodukte zweier Drogeriemarktketten sollen laut Robert Koch-Institut jedenfalls nicht im Zusammenhang mit dem Ausbruch stehen. Das haben Laboruntersuchungen inzwischen ergeben.

Obwohl die Charité inzwischen Fehler in der Kommunikation einräumt, weist Charité-Vorstand Karl Max Einhäupl den Vorwurf der Hygienefehler scharf zurück. Einhäupl sagte dem Tagesspiegel, es sei beim Krisenmanagement anfangs sicher nicht alles optimal gelaufen, aber ein Fehlverhalten seiner Mitarbeiter habe er nicht entdecken können. Einhäupl verwies außerdem darauf, dass das verstorbene Baby mit einem schweren Herzfehler zur Welt kam. „Ohne die Operation wäre das Baby gestorben. Und auch mit Operation betrug seine Überlebenschance weniger als 50 Prozent.“

Nach Auskunft des Leiters der Neugeborenen-Intensivstationen an der Charité Christoph Bührer handelt es sich bei den anderen mit Serratien-Keimen infizierten Säuglingen um Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht von unter 1.000 Gramm. Bei diesen unreifen Frühgeborenen sei das Immunsystem noch nicht richtig entwickelt und ein an sich harmloser Keim könne für diese Säuglinge gefährlich werden.

Der Freiburger Krankenhaushygieniker Franz Daschner hatte im Juni im Deutschen Ärzteblatt unter der Überschrift „Hygiene Hysterie in Deutschland“ die Problematik wie folgt beschrieben: „Es ist eine fantastische Leistung der modernen Medizin, dass so viele extrem unreife Frühgeborene ohne Infektion überleben und nicht automatisch ein Hygienefehler, wenn einige an Infektionen sterben. Nur 30 Prozent aller Krankenhausinfektionen sind vermeidbar, 70 Prozent der Tribut an eine moderne, lebensrettende Medizin.“

Terminhinweis 6. Nationaler Qualitätskongress Gesundheit

Der Infektionsschutz in Krankenhäusern steht beim 6. Nationalen Qualitätskongress Gesundheit am 29. und 30. November 2012 in Berlin im Mittelpunkt. Am ersten Kongresstag findet um 14:30 Uhr ein Symposium „Multiresistente Erreger und nosokomiale Infektionen“ statt und um 16:30 Uhr ein Symposium „Umsetzung des Infektionsschutzgesetzes“

 Foto: © Reicher - Fotolia.com

 
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