Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Nutzen von Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose bleibt weiter umstritten

Bei Kniearthrose kommen häufig Injektionen mit Kortikoiden zum Einsatz, um die Entzündungsprozesse zu hemmen und dadurch die Schmerzen zu lindern. Doch der Effekt der Spritzen scheint nicht besonders groß zu sein und hält nur für kurze Zeit an – das ist zumindest das Ergebnis eines aktuellen Cochrane Reviews.
Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose

Die Wirkung der "Kortisonspritze" bei Kniearthrose hält nicht lange an

Bei schmerzhaften, entzündeten Gelenken werden häufig Kortikoide in Form von Spritzen eingesetzt. Kortison beziehungsweise Kortikoide vermindern die Reaktion des Körpers auf entzündliche Prozesse und können dadurch die Schmerzen vorübergehend mindern. Ein Vorteil: Werden die Spritzen direkt in das betroffene Gelenk gegeben, kann dadurch eine sehr hohe lokale Konzentration erreicht werden. Daher werden die Injektionen auch häufig bei Kniearthrose eingesetzt.

Dennoch ist der Nutzen der "Kortisonspritze" bei Kniearthrose umstritten. Zwar wird sie von vielen Ärzten zur vorübergehenden Linderung empfohlen und auch in der Leitlinie der Osteoarthritis Research Society International werden Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose als geeignete Therapie bezeichnet. Doch andere Experten kommen zu abweichenden Einschätzungen. So wird die Kortisonspritze in der Leitlinie des American College of Rheumatology als nur bedingt empfehlenswert bei Kniearthrose bezeichnet, und das britische NICE-Institut empfiehlt sie höchstens als Ergänzung zur Kernbehandlung. Die Academy of Orthopaedic Surgeons wiederum nimmt gar keine Stellung dazu, da es keine Studien mit ausreichender Evidenz zu Kortikoiden bei Kniearthrose gebe.

Effekt von Kortikoiden hält nur kurz vor

Nun hat sich ein Team kanadisch-schweizerischer Forscher um Bruno da Costa von der Universität Bern erneut mit dem Thema beschäftigt. Sie haben ein Cochrane Review aus dem Jahr 2015 analysiert und mit den Empfehlungen der Fachgesellschaften verglichen. Nach Angaben der Forscher konnte in der Cochrane-Analyse nur bei jedem achten Patienten ein Nutzen der Injektionen festgestellt werden – und auch dann lag nur eine mäßige Schmerzlinderung sowie eine allenfalls geringfügige Verbesserung der Kniefunktion vor. Zudem hielt der Effekt nur recht kurz an. So konnte zwar nach ein bis zwei Wochen noch eine gewisse Wirkung auf die Schmerzintensität festgestellt werden, doch nach sechs Monaten war so gut wie kein Nutzen mehr feststellbar.

 

Nutzen weder bestätigt noch widerlegt

Die Autoren der aktuellen Analyse bemängelten zudem eine niedrige Qualität der meisten bisherigen Studien sowie die häufig geringe Zahl der Teilnehmer. Nur eine einzige der größeren Studien wies ihrer Meinung nach ein qualitativ hochwertiges Design auf. Doch genau bei dieser Untersuchung zeigte sich nach Angaben von Costa und Kollegen keinerlei Hinweis auf einen klinischen Effekt der Kortikoidinjektionen - weder nach zwei Wochen noch nach drei Monaten und auch nicht nach einem halben Jahr. Das Fazit der Autoren: Solange es keine weiteren größeren Studien mit entsprechendem Design gebe, die einen kurz- oder mittelfristigen Nutzen von Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose bestätigen, können diese weder empfohlen werden noch sei grundsätzlich von ihnen abzuraten.

Foto: © Kurt Kleemann - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arthrose , Knie , Kortison
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kniearthrose

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Noch nie haben sich in Deutschland so viele Menschen nach Zeckenbissen im Grünen mit Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) angesteckt wie 2020 – und Experten befürchten eine weiter steigende Tendenz. Neu ist: Die nur durch Zecken übertragene und im schlimmsten Fall tödliche Form der Hirnhautentzündung wandert Richtung Norden – und tritt in der Natur verstärkt in größeren Höhen auf.

Der Corona-Lockdown bremst uns bei sportlichen Aktivitäten aus und verändert unsere Ernährungsgewohnheiten. Das zeigt eine Umfrage unter Studenten in Bayern. Fast jeder Dritte aß mehr als in der Vor-Corona-Zeit – und viele aßen mehr „Ungesundes“. Die Zahl der Schritte, die man pro Tag geht, sank um eine Zahl in vierstelliger Größe.
 
Kliniken
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin