. Therapie bei Arthrose

Nutzen von Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose bleibt weiter umstritten

Bei Kniearthrose kommen häufig Injektionen mit Kortikoiden zum Einsatz, um die Entzündungsprozesse zu hemmen und dadurch die Schmerzen zu lindern. Doch der Effekt der Spritzen scheint nicht besonders groß zu sein und hält nur für kurze Zeit an – das ist zumindest das Ergebnis eines aktuellen Cochrane Reviews.
Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose

Die Wirkung der "Kortisonspritze" bei Kniearthrose hält nicht lange an

Bei schmerzhaften, entzündeten Gelenken werden häufig Kortikoide in Form von Spritzen eingesetzt. Kortison beziehungsweise Kortikoide vermindern die Reaktion des Körpers auf entzündliche Prozesse und können dadurch die Schmerzen vorübergehend mindern. Ein Vorteil: Werden die Spritzen direkt in das betroffene Gelenk gegeben, kann dadurch eine sehr hohe lokale Konzentration erreicht werden. Daher werden die Injektionen auch häufig bei Kniearthrose eingesetzt.

Dennoch ist der Nutzen der "Kortisonspritze" bei Kniearthrose umstritten. Zwar wird sie von vielen Ärzten zur vorübergehenden Linderung empfohlen und auch in der Leitlinie der Osteoarthritis Research Society International werden Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose als geeignete Therapie bezeichnet. Doch andere Experten kommen zu abweichenden Einschätzungen. So wird die Kortisonspritze in der Leitlinie des American College of Rheumatology als nur bedingt empfehlenswert bei Kniearthrose bezeichnet, und das britische NICE-Institut empfiehlt sie höchstens als Ergänzung zur Kernbehandlung. Die Academy of Orthopaedic Surgeons wiederum nimmt gar keine Stellung dazu, da es keine Studien mit ausreichender Evidenz zu Kortikoiden bei Kniearthrose gebe.

Effekt von Kortikoiden hält nur kurz vor

Nun hat sich ein Team kanadisch-schweizerischer Forscher um Bruno da Costa von der Universität Bern erneut mit dem Thema beschäftigt. Sie haben ein Cochrane Review aus dem Jahr 2015 analysiert und mit den Empfehlungen der Fachgesellschaften verglichen. Nach Angaben der Forscher konnte in der Cochrane-Analyse nur bei jedem achten Patienten ein Nutzen der Injektionen festgestellt werden – und auch dann lag nur eine mäßige Schmerzlinderung sowie eine allenfalls geringfügige Verbesserung der Kniefunktion vor. Zudem hielt der Effekt nur recht kurz an. So konnte zwar nach ein bis zwei Wochen noch eine gewisse Wirkung auf die Schmerzintensität festgestellt werden, doch nach sechs Monaten war so gut wie kein Nutzen mehr feststellbar.

 

Nutzen weder bestätigt noch widerlegt

Die Autoren der aktuellen Analyse bemängelten zudem eine niedrige Qualität der meisten bisherigen Studien sowie die häufig geringe Zahl der Teilnehmer. Nur eine einzige der größeren Studien wies ihrer Meinung nach ein qualitativ hochwertiges Design auf. Doch genau bei dieser Untersuchung zeigte sich nach Angaben von Costa und Kollegen keinerlei Hinweis auf einen klinischen Effekt der Kortikoidinjektionen - weder nach zwei Wochen noch nach drei Monaten und auch nicht nach einem halben Jahr. Das Fazit der Autoren: Solange es keine weiteren größeren Studien mit entsprechendem Design gebe, die einen kurz- oder mittelfristigen Nutzen von Kortikoidinjektionen bei Kniearthrose bestätigen, können diese weder empfohlen werden noch sei grundsätzlich von ihnen abzuraten.

Foto: © Kurt Kleemann - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arthrose , Knie , Kortison
 

Weitere Nachrichten zum Thema Kniearthrose

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Rund ein Fünftel der COVID-19-Patienten, die von Ende Februar bis Mitte April 2020 in deutschen Krankenhäusern aufgenommen wurden, sind gestorben. Das ergibt sich aus einer Studie unter Federführung des AOK-nahen Forschungsinstituts WIdO. In einer Altersgruppe lag die Sterblichkeit besonders hoch.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.