. Igel-Monitor

Nutzen von Alzheimer-Tests ungeklärt

Der Nutzen von Alzheimer-Tests wurde offenbar nie in Studien untersucht. Das geht aus einer Überprüfung des Igel-Monitors hervor. Ob die Früherkennung tatsächlich so sinnlos ist, wie es der Monitor jetzt darstellt, ist aber keinesfalls ausgemacht.
Der Igel-Monitor rät von Alzheimer-Tests auf eigene Faust ab. Demenz-Experten sehen das etwas differenzierter

Der Igel-Monitor rät von Alzheimer-Tests auf eigene Faust ab. Demenz-Experten sehen das etwas differenzierter

Hochzeitstag vergessen, Telefonnummer wie wegegeblasen, Schlüssel nicht mehr gefunden: Vergesslichkeit kann beunruhigend sein. Besonders ältere Menschen fürchten sich vor Demenz und Alzheimer. Ob die Sorge berechtigt ist, kann der Hausarzt mit einem Alzheimer-Test klären. Gesetzliche Krankenkassen zahlen den Brain-Check nur bei deutlichem geistigen Abbau oder im Rahmen geriatrischer Untersuchungen. Patienten können den Test jedoch aus eigener Tasche zahlen. Für 7 bis 21 Euro gibt es dann Gewissheit. Aber ist das überhaupt sinnvoll?

Igel-Monitor hält Früherkennung für sinnlos

Der Igel-Monitor hat jetzt den Nutzen dieser Selbstzahlerleistung (Igel) überprüft. Erstaunlicherweise fanden die Wissenschaftler keine einzige Studie über den Nutzen von Alzheimer-Tests. Was die Forscher hingegen fanden war eine Übersichtsarbeit, die zu dem Schluss kommt, dass die derzeit verfügbaren Arzneimittel in einer frühen Phase der Krankheit den geistigen Verfall nicht aufhalten können. Eine frühe Behandlung bringt demnach keinerlei Vorteile. Daraus schlussfolgern die Igel-Wissenschaftler, dass auch die Früherkennung sinnlos ist. „Wenn der Test frühe Anzeichen einer Demenz findet, nützt einem dieses Wissen nichts“, heißt es in der aktuellen Bewertung. Vielmehr seien Schäden zu erwarten, da es zu einer hohen Anzahl an falsch positiven Diagnosen bzw. Verdachtsdiagnosen kommen würde. Das Urteil lautet darum „tendenziell negativ“.

„Auch wenn es zu möglichen Schäden ebenso keine direkten Studiendaten gibt, sind Belastungen durch das Wissen um die Krankheit und durch die Nebenwirkungen der Therapien zu erwarten. Zudem werden in der Hälfte der Fälle diese Schäden unnötigerweise in Kauf genommen, da sich jede zweite frühe Demenz ohnehin nicht zu einer schweren Form weiter entwickelt“, schreibt der Igel-Monitor in seiner Begründung.  

Demenz-Experten widersprechen

Was sagt die aktuelle ärztliche Leitlinie "Demenzen"? Die Leitlinie rät von Alzheimer-Tests ab, wenn keine Beschwerden oder Symptome vorliegen. Der Igel-Monitor sieht sich dadurch in seiner Einschätzung bestätigt. Jedoch ist es ein Unterschied, ob jemand völlig grundlos so einen Test macht oder weil beunruhigende Anzeichen wie auffällige Vergesslichkeit oder Verwirrtheit vorliegen.

Laut der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie (DGG) lässt sich eine Demenz und auch eine Alzheimer-Erkrankung im Frühstadium durchaus noch positiv beeinflussen. Diese Einschätzung steht in krassem Widerspruch zu dem, was der Igel-Monitor jetzt meldet. „Auch bei über 90-jährigen sollte noch eine Differentialdiagnostik erfolgen, wenn kognitive Einbußen das Leben beeinträchtigen“, erklärte der Beisitzer und ehemalige DGG-Vorsitzende Prof. Hans Gutzmann in einem Interview. Kognitive und körperlichen Fähigkeiten sollten dann gezielt gefördert werden, aber ohne den Patienten zu überfordern. Hilfreich sei es zudem alle Grundgrößen wie Blutdruck, Zucker oder Fettstoffwechsel gut einzustellen. Auch litten viele Betroffene gleichzeitig an einer Depression, die gerade bei alten Menschen oft übersehen werde. Eine frühe Behandlung könne zumindest die depressionsbedingte Denkhemmung sehr gut lösen. „Je sorgsamer mit den noch vorhandenen Ressourcen des Patienten umgegangen wird, desto grösser die Chance, den Krankheitsverlauf hinauszuzögern“, so der Demenz-Experte.

Foto: © goodluz - Fotolia.com

Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Alzheimer , Demenz

Weitere Nachrichten zum Thema Demenz/Alzheimer

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.