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07.12.2017

Nutzen von Alzheimer-Tests ungeklärt

Der Nutzen von Alzheimer-Tests wurde offenbar nie in Studien untersucht. Das geht aus einer Überprüfung des Igel-Monitors hervor. Menschen ohne Demenz-Anzeichen sollten sich vor dem Test besser hüten.
Zu viel Verunsicherung, zu viel falsch-positive Diagnosen: Der Igel-Monitor rät von Alzheimer-Tests auf eigene Faust ab

Zu viel Verunsicherung, zu viele falsch-positive Diagnosen: Der Igel-Monitor rät von Alzheimer-Tests auf eigene Faust ab

Hochzeitstag vergessen, Telefonnummer wie wegegeblasen, Schlüssel nicht mehr gefunden: Vergesslichkeit kann beunruhigend sein. Besonders ältere Menschen fürchten sich vor Demenz und Alzheimer. Ob die Sorge berechtigt ist, kann der Hausarzt mit einem Alzheimer-Test klären. Gesetzliche Krankenkassen zahlen den Brain-Check nur bei deutlichem geistigen Abbau oder im Rahmen geriatrischer Untersuchungen. Patienten können den Test jedoch aus eigener Tasche zahlen. Für 7 bis 21 Euro gibt es dann Gewissheit. Aber ist das überhaupt sinnvoll?

Igel-Monitor hält Früherkennung bei Gesunden für sinnlos

Der Igel-Monitor hat jetzt den Nutzen dieser Selbstzahlerleistung (Igel) überprüft. Erstaunlicherweise fanden die Wissenschaftler keine einzige Studie über den Nutzen von Alzheimer-Tests. Was die Forscher hingegen fanden war eine Übersichtsarbeit, die zu dem Schluss kommt, dass die derzeit verfügbaren Arzneimittel in einer frühen Phase der Krankheit den geistigen Verfall nicht aufhalten können. Eine frühe Behandlung bringt demnach keinerlei Vorteile. Daraus schlussfolgern die Igel-Wissenschaftler, dass auch die Früherkennung sinnlos ist. „Wenn der Test frühe Anzeichen einer Demenz findet, nützt einem dieses Wissen nichts“, heißt es in der aktuellen Bewertung. Vielmehr seien Schäden zu erwarten, da es zu einer hohen Anzahl an falsch positiven Diagnosen bzw. Verdachtsdiagnosen kommen würde. Das Urteil lautet darum „tendenziell negativ“. Die Bewertung bezieht sich ausdrücklich auf gesunde Personen, ohne Anzeichen einer Demenz. 

„Auch wenn es zu möglichen Schäden ebenso keine direkten Studiendaten gibt, sind Belastungen durch das Wissen um die Krankheit und durch die Nebenwirkungen der Therapien zu erwarten. Zudem werden in der Hälfte der Fälle diese Schäden unnötigerweise in Kauf genommen, da sich jede zweite frühe Demenz ohnehin nicht zu einer schweren Form weiter entwickelt“, schreibt der Igel-Monitor in seiner Begründung.  

Was sagt die aktuelle ärztliche Leitlinie "Demenzen"? Die Leitlinie rät von Alzheimer-Tests ab, wenn keine Beschwerden oder Symptome vorliegen. Der Igel-Monitor sieht sich dadurch in seiner Einschätzung bestätigt. 

Kognitive Fähigkeiten fördern

Laut der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie (DGG) lässt sich eine Demenz und auch eine Alzheimer-Erkrankung im Frühstadium durchaus noch positiv beeinflussen. „Auch bei über 90-jährigen sollte noch eine Differentialdiagnostik erfolgen, wenn kognitive Einbußen das Leben beeinträchtigen“, erklärte der Beisitzer und ehemalige DGG-Vorsitzende Prof. Hans Gutzmann in einem Interview. Kognitive und körperlichen Fähigkeiten sollten dann gezielt gefördert werden, aber ohne den Patienten zu überfordern. Hilfreich sei es zudem alle Grundgrößen wie Blutdruck, Zucker oder Fettstoffwechsel gut einzustellen. Auch litten viele Betroffene gleichzeitig an einer Depression, die gerade bei alten Menschen oft übersehen werde. Eine frühe Behandlung könne zumindest die depressionsbedingte Denkhemmung sehr gut lösen. „Je sorgsamer mit den noch vorhandenen Ressourcen des Patienten umgegangen wird, desto grösser die Chance, den Krankheitsverlauf hinauszuzögern“, so der Demenz-Experte.

Foto: © goodluz - Fotolia.com

 
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
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