. Alternsforschung

Nur jeder vierte Senior isst in Gemeinschaft

Gerade für ältere Menschen hat Essen eine große soziale Funktion. Doch wer alleine lebt, isst meist auch alleine. Das geht aus einer Studie von Alternsforschern hervor.
Alter, essen in Gemeinschaft

Im Alter brechen Soziale Netzwerke weg: Viele Senioren vermissen gerade beim Essen die Gemeinschaft

Essen ist mehr als nur Nahrungsaufnahme, Essen hat auch eine große soziale Funktion. Gerade Senioren, die alleine leben, wünschen sich Gesellschaft bei den Mahlzeiten. Doch nur 28 Prozent der über 84-Jährigen essen regelmäßig mit Freunden oder mit der Familie. Das geht aus Einzelinterviews mit allein lebenden Senioren zwischen 75 und 85 Jahren hervor, die von Alternsforschern der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) 2016/2017 durchgeführt wurden. Die Studie untersuchte, was sich Senioren für ihre künftige Ernährung und Ernährungsversorgung wünschen und wie Dienstleister diesen Vorstellungen gerecht werden können.

Warum nicht gemeinsam kochen?

Demnach könnten etwa gemeinsame Kocherlebnisse, betreute Einkaufsfahrten oder soziale Treffpunkte mit Mahlzeiten- und Dienstleistungsangeboten ein Teil der Lösung sein. Denn die befragten Senioren wünschten sich nicht nur Gemeinschaft beim Essen an sich, sondern auch beim Einkaufen, der Bestellung und der Zubereitung.

Dass so viele Hochbetagte heute alleine essen, liegt daran, dass im Alter die sozialen Netzwerke dünner werden. Ehepartner, Freunde, Bekannte sterben oder werden krank – und die eigenen Kinder leben oft weit weg.

„Die Ernährung ist im hohen Alter oft mit Anpassungen und Unterstützungsbedarf verbunden – Dienstleistungsangebote sollten möglichst passgenau auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnitten sein“, erklärt Prof. Dr. Dorothee Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns der FAU. „Senioren wünschen sich eine individuelle Ernährungsversorgung nach den eigenen Vorstellungen. Dabei werden Themen wie Regionalität, traditionelle und saisonale Speisen auch in Zukunft eine große Rolle spielen.“

 

Flexible Angebote dringend erforderlich

In der Studie wünschten sich alle Befragten, sich so lange wie möglich nach eigenen Wert-, Geschmacks- und Qualitätsvorstellungen versorgen zu können. Die Schlussfolgerung der Nürnberger Alternsforscher:  Künftige Ernährungsangebote wirken idealerweise dem alters- und krankheitsbedingten Verlust der Autonomie entgegen. Außerdem orientiert sich das Angebot zu jedem Zeitpunkt am individuellen Selbstständigkeitsgrad und berücksichtigt persönliche Wünsche sowie geschmackliche Vorlieben.

Die Studie wurde vor dem Hintergrund der steigenden Lebenserwartung durchgeführt. 2015 lebten in Deutschland rund 4,7 Millionen über 80-Jährige. 2050 werden es Schätzungen zufolge wohl etwa 9,9 Millionen Menschen sein.

Foto: pixabay

Autor: ham
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