. Atemwegserkrankungen

Nur ein Erkältungs-Mittel mit „gut“ bewertet

Die Zeitschrift Ökotest (Ausgabe 1/2017) bewertete 15 rezeptfreie Arzneimittel gegen Erkältungs-Beschwerden und grippale Infekte. Gerade mal ein Präparat erhielt die Note „gut“.
Erkältung

Ökotest bewertete Erkältungs-Mittel - viele fielen durch

Für den Artikel wertete Prof. Manfred Schubert-Zsilavecz vom Institut für Pharmazeutische Chemie der Universität Frankfurt/Main vorliegende Studien aus und beurteilte Nutzen und Risiken der Wirkstoffe und Mittel. Zudem sah er die Beipackzettel aller Präparate auf wichtige Gebrauchs- und Warnhinweise durch.

Ergebnis: Die Schmerzmittel Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS) und Paracetamol helfen gegen Kopf- und Gesichtsschmerzen. Dabei sollten Patienten Ibuprofen nur in Verbindung mit einer Mahlzeit einnehmen, um den Magen zur schonen. ASS sollte aus dem gleichen Grund nur als Brausetablette oder Granulat in Wasser aufgelöst eingenommen werden.

Abschwellende Mittel können Nebenwirkungen haben

Bei Mitteln mit Paracetamol vermisste der Experte Hinweise zur Dosier-Empfehlung in Bezug zum Körpergewicht – das wertete Ökotest als Deklarationsmangel. Der Abstand zwischen der therapeutischen Dosis und der Dosis, die Leberschäden verursacht, ist gering. So dürfen Kinder bis zwölf Jahre und Menschen mit einem Körpergewicht von weniger als 43 Kilogramm pro Tag höchstens 2.000 mg Paracetamol einnehmen.

Elf Produkte gegen Erkältungs-Beschwerden enthielten die Sympathomimetika Pseudoephedrin, Phenylpropanolamin, Phenylephrin oder Ephedrin, die abschwellend auf die Nasenschleimhäute wirken. Mit Tabletten oder Säften eingenommen können sie aber auch Nebenwirkungen wie Unruhe, Angst und Schlafstörungen erzeugen. Die aufputschenden Substanzen Ephedrin und Pseudoephedrin listet die Welt-Doping-Agentur WADA als verbotene Dopingmittel.

 

Kombinations-Mittel helfen nicht gegen laufende Nase

In einem großen Übersichtsartikel des Cochrane-Netzwerkes erwiesen sich die Kombination von Acetylsalicylsäure, Ibuprofen oder Paracetamol mit Pseudoephedrin oder Phenylpropanolamin zwar als wirksam gegen eine verstopfte Nase, nicht aber gegen eine laufende Nase, Niesen und Husten.

Aufgrund der bei Studien-Teilnehmern aufgetretenen Nebenwirkungen wertete Ökotest die Sympathomimetika um drei Noten ab. Noch eine Note schlechter kommt Phenylpropanolamin weg. Laut der US-Gesundheitsbehörde FDA erhöht die Substanz das Risiko für Gehirnblutungen.

Hustenblocker und Schleimlöser nicht zu empfehlen

Die Kombination der zwei Schmerzmittel ASS und Paracetamol in Grippal+C Ratiopharm-Brausetabletten wurde als bedenklich eingestuft. Experten meinen, eine solche Kombination verursache eher einen medikamentenbedingten Kopfschmerz als einzelne Schmerzmittel.

Ein akuter Husten im Rahmen eines Infektes sollte nur in Ausnahmefällen mit Hustenblocker behandelt werden, mit Schleimlöser überhaupt nicht, so Prof. Schubert-Zsilavecz. Daher monierte Ökotest die Basoplex Erkältungs-Kapseln und das Wick Daymed Kombi Erkältungsgetränk-Pulver, in denen der Hustenreizdämpfer Dextromethorphan oder der Schleimlöser Guaifenesin stecken.

Vitamin C als Zusatz unnütz

Der Zusatz von Vitamin C in den ASS+C-Ratiopharm gegen Schmerzen-Brausetabletten, den Grippal+C Ratiopharm-Brausetabletten und den Grippostad C-Hartkapseln hat keine Vorteile bei einer Erkältung und ist unnütz.

Die Wirksamkeit von Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel in den Angocin Anti-Infekt N-Filmtabletten ist wenig überzeugend belegt. Nur eine Studie zeigt, dass die Wirksamkeit bei akuter Sinusitis und akuter Bronchitis mit der eines Antibiotikums vergleichbar ist.

Sieben Erkältungsmittel fielen durch

Der Nutzen des Sympathomimetikums Phenylephrin bei einer normalen Erkältung ist ebenso wenig belegt wie der der Antihistaminika Chlorphenamin und Doxylamin. Ökotest stufte daher den Nutzen von Präparaten, die diese Wirkstoffe neben anderen enthalten, als nur teilweise belegt ein. Antihistaminika sind sinnvoll, wenn Beschwerden wie eine laufende Nase durch eine Allergie ausgelöst werden. Im Übrigen gelten diese müde machenden Allergiemittel als veraltet.

Fazit: Gerade einmal ein Produkt, das nur ein Schmerzmittel enthält, erhielt die Note „gut“. Sieben Produkte sind "ausreichend". Sieben Produkten fielen bei Ökotest durch. Sie enthalten einen Wirkstoffmix, der bedenklich, nicht sinnvoll oder schlicht überflüssig ist.

Foto: Dan Race/Fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Atemwegserkrankungen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Erkältung

| Sportliche Aktivitäten im Freien stimulieren das Immunsystem und können den Körper vor Erkältungen oder einer Grippe schützen. Ein moderates Ausdauertraining auch bei Kälte oder Schnee hilft einem, die eigene Grundfitness auch über den Winter hinweg zu erhalten. Dann beginnt man im Frühjahr nicht bei Null.
 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Der Verzehr roher Karotten löst bei vielen Menschen Allergien aus. Entgegen einer weit verbreiteten Auffassung können aber auch gekochte Karotten diesen Effekt haben. Das ergibt sich aus einer Studie der Universität Bayreuth. Personen, die hier sensibel reagieren, raten die Wissenschaftler deshalb dazu, auf den Verzehr von Karotten ganz grundsätzlich zu verzichten.
Wie genau sich das Coronavirus SARS-CoV-2 über Aerosole in Innenräumen ausbreitet, ist immer noch nicht genau erforscht. Wissenschaftler haben nun herausgefunden, dass auch die Luftfeuchtigkeit eine Rolle spielen könnte. Das könnte vor allem im kommenden Winter zu Problemen führen.
 
 
. Interviews
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.