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Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte können Leben retten

Dienstag, 28. Juni 2022 – Autor:
Bei einem medizinischen Notfall muss es schnell gehen. Sind Allergien oder Vorerkrankungen auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert, kann das Leben retten. Doch nur 14 Prozent der gesetzlich Versicherten wissen davon.
Medizinische Infos auf der Gesundheitskarte können im Notfall sehr hilfreich sein

– Foto: Gematik

Bei einem medizinischen Notfall muss es schnell gehen. Sind Allergien oder Vorerkrankungen auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert, kann das entscheidende Hinweise für den Arzt geben - und Leben retten. Doch nur 14 Prozent der gesetzlich Versicherten wissen von dieser Möglichkeit. Das berichtet die Gematik, die bundesweit für die entsprechende digitale Infrastruktur zuständig ist.

Nach gegenwärtigem Stand wurden bis Ende September 2021 knapp 500.000 Notfalldatensätze von niedergelassenen Vertragsärzten angelegt. Um diese Option bekannter zu machen, startet die Gematik gemeinsam mit der Bundesärztekammer, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und weiteren Partnern eine Informations-Offensive.

Wenn Patienten nicht zur Anamnese beitragen können

Dr. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer: "In Rettungsstellen kommt es jeden Tag zu Situationen, in denen Patientinnen und Patienten aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Anamnese beitragen können - zum Beispiel aufgrund von Schmerzen, dementiellen Erkrankungen, Drogenabusus oder Sprachbarrieren."

Mit einem Notfalldatensatz auf der Gesundheitskarte wären die Ärztinnen und Ärzte mit einem Blick über mögliche Vorerkrankungen und Medikationen sowie beispielsweise über Kontaktdaten von behandelnden Kolleginnen und Kollegen informiert. Die Notfalldaten können also die Notfallversorgung enorm verbessern, so Reinhardt weiter in einer Pressemitteilung.

 

Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte können Leben retten

Wer seine Notfalldaten auf der elektronischen Gesundheitskarte hinterlegen möchte, kann sich an seinen Arzt wenden. Der speichert nach einem Aufklärungsgespräch die notwendigen medizinischen Informationen. Ärzte, Psychotherapeuten sowie Apotheker können im Notfall darauf zugreifen, um dem Patienten zu helfen. Die Angaben können sein Leben retten.

Dazu gehören beispielsweise: Vorerkrankungen, die dauerhafte Einnahme von Medikamenten oder eine Unverträglichkeit gegen Arzneimittel, vorhandene Implantate oder eine Schwangerschaft. Auch die Kontaktdaten behandelnder Ärztinnen und Ärzte und ein privater Notfallkontakt lassen sich in den Daten hinterlegen.

Beispiel: Hobbygärtner mit tiefer Schnittverletzung

Praxisbeispiel: Ein Hobbygärtner zieht sich eine tiefe Schnittverletzung zu und wird von seiner Frau zur nahegelegenen Rettungsstelle des Kreiskrankenhauses gebracht. Parallel zur Erstversorgung wird der Notfalldatensatz des Patienten ausgelesen und festgestellt, dass ihm aufgrund einer behandelten Herzerkrankung mehrere Gefäßstützen (Stents) eingesetzt wurden.

Zur Vermeidung von Thrombosen wurde ihm deshalb vorsorglich die dauerhafte Einnahme eines blutverdünnenden Medikaments verordnet. Da dem Patienten der Wirkmechanismus des Medikaments nicht bewusst ist, hatte er dies bei der Aufnahme im Zusammenhang mit der Verletzung nicht erwähnt. Aufgrund der Information im Notfalldatensatz setzt die Ärztin das Medikament bis die Wunde verheilt ist vorübergehend ab.

Die Initiative wird unterstützt von Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands, der Deutschen Gesellschaft Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin, der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie, dem Marburger Bund - Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands, der Patientenberatung der Verbraucherzentrale und der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland.

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