. Zellforschung

Nobelpreis für Medizin geht an zwei Zellforscher

Sie haben gezeigt, dass man erwachsene Körperzellen in Stammzellen zurückverwandeln kann. John Gurdon aus Grossbritannien und der Japaner Shinya Yamanaka erhalten dafür den Nobelpreis für Medizin.
Der Nobelpreis wird am 10. Dezember überreicht

Der Nobelpreis wird am 10. Dezember überreicht

Embryonale Stammzellen sind Alleskönner. Sie differenzieren sich zu Haut- oder Leberzellen, zu weissen Blutkörperchen oder Neuronen. Deshalb könnten embryonale Stammzellen theoretisch genutzt werden, um krankes oder zerstörtes Körpergewebe zu ersetzen, etwa bei Alzheimer-Kranken oder Herzinfarkt-Patienten. Doch da die begehrten Stammzellen bislang nur aus Embryonen gewonnen werden können, ist ihr Einsatz ethisch umstritten.

Das könnte sich in Zukunft ändern. Die beiden Zellforscher John Gurdon und Shinya Yamanaka haben gezeigt, dass gereifte Körperzellen in Stammzellen zurückverwandelt werden können. Nun erhalten der Brite und der Japaner den Nobelpreis für Medizin. Das teilte das Karolinska-Institut in Stockholm am Montag, 8. Oktober mit. Die Entdeckungen der beiden Forscher hätten Wissenschaftlern weltweit ermöglicht, bemerkenswerte medizinische Fortschritte voranzutreiben, hiess es. Die Umprogrammierung von Zellen sei die Basis für ein besseres Verständnis von Krankheiten und für die Entwicklung von Diagnose- und Therapiemethoden.

Spezialisierte Zellentwicklung ist umkehrbar

Bereits 1962 hatte John Gurdon, der heute in Cambridge lehrt, herausgefunden, dass die spezialisierte Entwicklung von Zellen umkehrbar ist. In einem einfachen Experiment entnahm er einer Darmzelle den Kern, in dem sich das Erbgut befindet. Diesen übertrug er in eine vorher entkernte, also im Prinzip Erbgut-freie Frosch-Eizelle. Die präparierte Eizelle entwickelte sich zu einer normalen Kaulquappe - und schliesslich zu einem Frosch. Damit konnte der britische Zellforscher, der vor wenigen Tagen 79 Jahre alt wurde, erstmals zeigen, dass auch in ausdifferenzierten Zellen noch die gesamte Erbinformation steckt, die es braucht, um zu allen möglichen Gewebetypen heranzuwachsen.

2006 knüpfte Shinya Yamanaka - heute Professor an der Universität in Kyoto und der Universität von Kalifornien in San Francisco - an die Erkenntnisse an. Es gelang ihm Körperzellen so zu verändern, dass sie embryonalen Stammzellen ähnelten. Diese werden als induzierte pluripotente Stammzellen, kurz iPS-Zellen bezeichnet. Es gelang Kyoto und seinen Kollegen auch, aus den iPS-Zellen wieder spezialisierte Körperzellen zu züchten. Allerdings sind die iPS-Zellen den Stammzellen aus dem Embryo nicht ganz ebenbürtig. Aber Yamanakas Entdeckung hat weltweit Forscher inspiriert, das  Potenzial der ips-Zellen weiter zu verfeinern.

Überreicht wird der Nobelpreis am 10. Dezember 2012. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist mit umgerechnet 930.000 Euro dotiert.

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