Anzeige
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Anzeige

Niereninsuffizienz: Medikamentendosis wird oft nicht angepasst

Sonntag, 30. April 2017 – Autor: Anne Volkmann
Viele Medikamente werden über die Nieren ausgeschieden. Ihre Dosis muss daher bei Patienten, die unter einer Niereninsuffizienz leiden, angepasst werden. Dass dies jedoch in der ambulanten Versorgung häufig nicht geschieht, hat nun eine Studie gezeigt.
Medikamente bei Niereninsuffizienz

Bei einer Niereninsuffizienz muss die Dosis vieler Medikamente reduziert werden – Foto: Rawpixel.com - Fotolia

Erst im vergangenen Jahr hatte eine Studie ergeben, dass 20 Prozent der Patienten in Pflegeheimen Medikamente erhalten, deren Dosis nicht an ihre Nierenfunktion angepasst ist und von denen zum Teil aufgrund einer Nierenschwäche sogar abzuraten wäre. Andere Untersuchungen konnten zeigen, dass bei bis zu 33 Prozent der ambulant versorgten Patienten mit Niereninsuffizienz die Arzneimitteldosis nicht richtig an ihre Nierenfunktion angepasst ist. Da viele Medikamente jedoch Auswirkungen auf die Nieren haben, kann dies fatale Folgen haben. Eine aktuelle Meta-Analyse hat nun bestätigt, dass das Problem weit verbreitet ist.

Fehlende Dosisanpassung kann zur Überdosierung führen

Die Verarbeitung von Medikamenten durch den Organismus hängt auch von der Funktion der Nieren ab. So kann es passieren, dass Arzneistoffe bei einer eingeschränkten Funktion der Nieren länger im Körper bleiben und sich dort anreichern – die sonst übliche Wirkstoffmenge kann dann zu einer Überdosierung führen. Damit ist auch das Risiko für schwere Nebenwirkungen erhöht. Dennoch wird die Dosis von Arzneimitteln der Nierenfunktion der Patienten häufig nicht angepasst – besonders in der ambulanten Versorgung.

Um die Tragweite des Phänomens genauer zu ergründen, haben Wissenschaftler um Dr. Michael Dörks vom Department für Versorgungsforschung an der Universität Oldenburg in einer Meta-Analyse nun verschiedenen Datenbanken mit mehr als 2400 Publikationen untersucht. Dabei erfüllten 18 Studien schließlich die Einschlusskriterien für die Analyse. Drei der Studien stammten aus Deutschland.

Über ein Drittel der Niereninsuffizienz-Patienten erhält zu hohe Dosierungen

Wie die Wissenschaftler zeigen konnten, war die Medikamentengabe – je nach Studie – bei bis zu 37 Prozent der ambulant versorgten Patienten mit Niereninsuffizienz nicht korrekt eingestellt worden. Die häufigsten nicht korrekt angewendeten Arzneien waren dabei Antidiabetika, Hemmer des Renin-Angiotensin-Systems sowie Medikamente zur Senkung der Harnsäurespiegel. Die häufigsten falsch dosierten Substanzen waren Metformin, Allopurinol und Glibenclamid.

Die Forscher konnten auch zeigen, dass eine fehlende Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz-Patienten häufiger vorkam als die Verordnung kontraindizierter Arzneien. Die größte Gefahr für eine fehlerhafte Dosierung war dabei ein fortgeschrittenes Alter der Patienten. Auch eine höhere Anzahl benötigter Medikamente führte zu einem steigenden Risiko für eine falsche Arzneimittelanwendung.

Foto: © Rawpixel.com - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Nieren
 

Weitere Nachrichten zum Thema Nierenfunktion

11.06.2019

Weil das Nachlassen der Nierenfunktion keinerlei Schmerzen verursacht, wird es oft erst spät erkannt. Für Patienten mit Niereninsuffizienz kann das schwerwiegende Folgen haben: Die Zahl der möglichen Folgeerkrankungen ist bei ihnen so hoch wie in keinem anderen medizinischen Fachbereich.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Nagelpilz (Onychomykose) ist ein verbreitetes Leiden. Pilzsporen dringen in den Nagel ein und führen zu Verfärbungen und Verdickungen. Dagegen gibt es rezeptfreie Mittel. Wie wirksam sind sie?

Frauen erkranken deutlich häufiger an Osteoporose als Männer, vor allem im höheren Alter. Ein Hauptrisikofaktor ist das Geschlecht – aber das lässt sich nicht ändern. Deshalb ist es umso wichtiger, die Präventionsmöglichkeiten konsequent auszuschöpfen.
 
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin