. Wie Krebs zu Nierenerkrankungen führt

Nierenerkrankung als Krebs-Marker

Ein Eiweißmolekül, das in Tumoren verstärkt gebildet wird, ist offensichtlich für die Entstehung einer schweren Nierenerkrankung verantwortlich. Das fanden Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) heraus.
Nieren

Zusmmenhang zwischen Krebs und einer schweren Nierenerkrankung entschlüsselt

Schon lange ist bekannt, dass es im Rahmen von Krebserkrankungen – vor allem bei Prostata-, Lungen- und Darmkrebs – zum Auftreten von Nierenerkrankungen kommt. „Die Gründe für die Entstehung lagen bisher im Dunkeln. Jetzt ist es uns gelungen, die Zusammenhänge zu entschlüsseln“, erklärt Prof. Rolf Stahl, Direktor der III. Medizinischen Klinik, in einer Mitteilung des UKE.

So führt Krebs zu einer Nierenerkrankung

Bei einer Patientin mit einem Karzinom der Gallenblase wurde nachgewiesen, dass in dem Tumor vermehrt ein spezielles Eiweißmolekül (Thrombospondin Type 1 Domain Containing 7A) gebildet wurde. Die Patientin hatte Autoantikörper gegen dieses Eiweißmolekül entwickelt, was zu einer Nierenerkrankung, der sogenannten membranösen Glomerulonephritis, führte.

Das Eiweißmolekül selbst hatten die Wissenschaftler bereits vor zwei Jahren als Ursache für die Entstehung der entzündlichen Nierenerkrankung, die chronisch verlaufen und zum Nierenversagen führen kann, charakterisiert. In einer weiteren Serie von Experimenten haben die UKE-Forscher gezeigt, dass Antikörper gegen das Eiweißmolekül diese Nierenerkrankung bei Tumorpatienten auslösen kann. Ihre Studien erschienen im Fachblatt JAMA.

Krebs durch Antikörper-Nachweis früher erkennen?

Nach der Chemotherapie waren bei der Patientin keine THSD7A-Antikörper mehr im Blut nachweisbar und die Proteinausscheidung im Urin hatte sich deutlich verringert. Die Forscher nahmen außerdem Blutproben von 1009 Patienten, die an membranöser Glomerulonephritis litten. Bei 25 Patienten wurden THSD7A-Antikörper gefunden. Von diesen 25 Patienten hatten sieben einen bösartigen Tumor.

„Aus unseren Beobachtungen ergibt sich im Umkehrschluss, dass Patienten, die vermehrt Eiweiß im Urin ausscheiden, auf das Vorliegen dieser Autoantikörper untersucht werden sollten. Im Falle eines positiven Antikörpernachweises sollte eine intensive Abklärung erfolgen, ob eine bisher nicht erkannte Krebserkrankung vorliegt, die dann früher erkannt und besser therapiert werden kann“, erklärt Prof. Stahl.

Foto: PSDesign1

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Nieren , Krebs

Weitere Nachrichten zum Thema Nierenerkrankung

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Antibiotika-Resistenzen werden zu einem immer größer werdenden Gesundheitsproblem. Als mögliche Alternativen gelten Bakteriophagen. Nun wurde eine Forschungsinitiative gestartet, um Bakteriophagen als zugelassenes Arzneimittel zu etablieren.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KZV Berlin, großer Sitzungssaal, Georg-Wilhelm-Straße 16, 10711 Berlin
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.