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18.09.2014

Neurowoche 2014: Experten warnen vor Statinen bei MS

Die Diskussion um den möglichen Nutzen von Statinen bei Multipler Sklerose flammt immer wieder auf, zuletzt befeuert durch eine britische Studie. Doch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie rät MS-Patienten eindringlich von einer Therapie mit den Cholesterinsenkern ab.
Neurowoche 2014: Experten warnen vor Statinen bei MS

Neurologen erteilen Statinen als Behandlungsoption bei MS eine klare Absage

Seit einigen Jahren gibt es Hinweise, dass Statine auch bei Autoimmunerkrankungen wie Multipler Sklerose einen positiven Effekt haben könnten. Erst im März dieses Jahres hatte eine im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichte Studie aus Großbritannien für Aufsehen gesorgt. Die Studie hatte gezeigt, dass der Cholesterinsenker Atorvastatin das Fortschreiten der MS-typischen Hirnatrophie verlangsamt. Deutsche Neurologen zweifeln aber daran, ob das wirklich ein immunologischer Effekt war, oder nicht einfach ein vaskulärer Risikofaktor in der älteren Patientengruppe reduziert wurde. Selbst die Studienautoren räumten ein, dass ein günstiger Einfluss auf den klinischen Verlauf nicht sicher gezeigt werden konnte.

Experten raten zur Vorsicht – Statine könnten mehr schaden als nutzen

„Es gibt nach wie vor keinen Beleg für die therapeutische Wirkung von Statinen bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS“, erklärte Prof. Dr. Volker Limmroth auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie im Rahmen der Neurowoche 2014 in München. So zeige etwa eine aktuelle Studie von Kamm, dass die Kombination von Atorvastatin und Interferon Beta bei schubförmiger MS auch langfristig über zwölf Monate keinen positiven Effekt im Vergleich zur Interferon-Monotherapie habe. „Es gibt keinen additiven Therapieeffekt“, folgerte der Chefarzt der Klinik für Neurologie und Palliativmedizin Köln-Merheim daraus. Ganz im Gegenteil. Einzelne Fallberichte zeigten sogar eine Verminderung des klinischen Effekts bei gleichzeitiger Gabe. Auch die im Juni 2009 veröffentlichten Sentinel-Studie hat nach Auskunft des Neurologen die Wirksamkeit von Statinen nicht belegen können. Stattdessen habe die Post-hoc-Analyse der Sentinel- eine Erhöhung der Nebenwirkungsrate gezeigt, etwa Muskelschmerzen und Schmerzen in den Extremitäten.

Signifikante immunmodulatorische Effekte wie sie schon vor einigen Jahren in Tiermodellen beobachtet wurden, seien ebenfalls nie beim Menschen nachgewiesen worden, so der Neurologe weiter. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie gab daher auf der Neurowoche ein klares Statement ab: Finger weg von Statinen bei MS.

 

Umstrittener Zusatznutzen

Statine werden bislang hauptsächlich bei Fettstoffwechselstörungen als Cholesterinsenker eingesetzt. Hier sollen sie hauptsächlich vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Inzwischen wird ihr Nutzen nicht nur in der MS-Forschung diskutiert. Forscher wollen auch eine Senkung des Demenzrisikos beobachtet haben. Das allerdings ist ebenso umstritten wie der Nutzen bei MS. Erst kürzlich räumte der Berliner Schlaganfall-Experte Prof. Matthias Endres mit falschen Erwartungen auf: „Statine sind keine Anti-Demenzmittel“, erklärte der Neurologe von der Charité in einer Pressemitteilung der Deutschen Schlaganfallgesellschaft.

Foto: © apops - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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