. Krebstherapie

Neuropathie durch Chemotherapie: Was tun?

Bei einer Chemotherapie treten häufig Neuropathien in Händen und Füßen auf. Dennoch weiß man bisher wenig über die genauen Symptome, ihr Auftreten und Abklingen. Eine Studie hat nun das Auftreten von Neuropathien unter Oxaliplatin sowie Faktoren, die eine Chronifizierung begünstigen, untersucht.
Neuropathie durch Oxaliplatin

Chemotherapien führen nicht selten zu neuropathischen Beschwerden

Etwa ein Drittel der Krebspatienten entwickelt unter einer Chemotherapie eine Polyneuropathie, die sich in Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Brennen und Schmerzen äußern kann. Betroffen sind meist die Nerven an den Händen und Füßen. Dabei kann die Empfindlichkeit so groß werden, dass sogar Berührungen, die man sonst kaum wahrnimmt, wie beispielsweise eine Bettdecke auf den Füßen, sehr schmerzhaft werden. Neuropathien können die Lebensqualität der Patienten sehr stark einschränken und sind nicht selten dafür verantwortlich, dass die Chemotherapie in ihrer Dosis gesenkt oder sogar ganz abgesetzt werden muss.

Obwohl Neuropathien unter Chemotherapien häufig sind, war bisher über die genauen Symptome, deren Auftreten und Abklingen sowie Voraussetzungen für ihre Chronifizierung wenig bekannt. Eine US-Studie hat nun das Auftreten der Parästhesien genauer untersucht. An der Untersuchung nahmen 346 Patienten teil, die eine Therapie mit dem Chemotherapeutikum Oxaliplatin erhielten.

Bei schweren Neuropathien zu Beginn der Therapie droht Chronifizierung

Es zeigte sich, dass 89 Prozent der Patienten bereits im ersten Behandlungszyklus mindestens ein Symptom einer akuten Neuropathie aufwiesen. Dabei kam es am häufigsten, nämlich bei 72 Prozent, zu einer Überempfindlichkeit beim Berühren kalter Gegenstände, gefolgt von einer Empfindlichkeit beim Schlucken kalter Getränke oder Speisen (71 Prozent) und einem Unwohlsein in der Kehle (62 Prozent). Am stärksten ausgeprägt waren die Symptome am dritten Tag nach der Behandlung. Bei einigen Patienten blieben die Symptome bis zur nächsten Behandlung (allerdings meist in schwächerem Ausmaß) bestehen.

Traten dieselben Symptome auch in den folgenden Zyklen auf, waren sie im Durchschnitt doppelt so stark ausgeprägt wie im ersten Zyklus. Besonders problematisch: Bei einigen Patienten entwickelten sich die Beschwerden auch nach Beendigung der Chemotherapie nicht zurück. Die Forscher stellten fest, dass es vor allem dann zu einer Chronifizierung der Neuropathien kam, wenn die Symptome bereits im ersten Zyklus mit besonders heftiger Intensität auftraten. In solchen Fällen könnte es daher in Abwägung zur Schwere der Grunderkrankung sinnvoll sein, über eine Beendigung der Chemotherapie nachzudenken.

Kälte und Verletzungen vermeiden

Bisher gibt es zur Behandlung von Neuropathien nach Chemotherapie keine klaren Empfehlungen. In einigen Fällen kann eine medikamentöse Therapie helfen. Vorbeugend können die Patienten aber auch einiges selbst tun. So sollten sie während der Chemotherapie Kälte vermeiden, für eine gute Hand- und Fußpflege sorgen, das Öffnen von Flaschen oder Dosen möglichst anderen überlassen, Verletzungen vermeiden, angenehm sitzende Schuhe und Strümpfe sowie eventuell Schutzhandschuhe tragen. In fortgeschrittenen Stadien kann es aufgrund der Taubheitsgefühle in den Füßen auch zu Stand- und Gangunsicherheiten kommen. Dann sollten durch festes Schuhwerk und Gehhilfen Vorkehrungen gegen Stürze getroffen werden.

Foto: © somkanokwan - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Krebs , Brustkrebs , Chemotherapie , Darmkrebs , Fatigue , Krebszellen , Magenkrebs , Metastasen , Prostatakrebs

Weitere Nachrichten zum Thema Nebenwirkungen von Chemotherapien

| Das Hand-Fuß-Syndrom kann eine schwerwiegende Nebenwirkung einer Chemotherapie darstellen. Eine Standardprophylaxe gibt es bisher jedoch nicht. Nun haben Forscher festgestellt, dass Urea-Creme dem Hand-Fuß-Syndrom effektiv vorbeugen kann.
| Kognitive Beeinträchtigungen bei Krebs, das so genannte Chemobrain, tritt bei einigen Patienten paradoxerweise schon vor Therapiebeginn auf. Wissenschaftler aus München vermuten dahinter posttraumatischen Stress.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Stress löst bei der Fruchtfliege (Drosophila melanogaster) einen depressionsartigen Zustand aus. Dieser ließ sich durch Lithium oder Zucker beheben. Dies ergab eine Studie von Neurobiologen der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

KommRum e.V., Schnackenburgstr. 4, 12159 Berlin-Friedenau
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.
Kinder, Job – und Reha? Mit der „Berufsbegleitenden Rehabilitation“ passt alles unter einen Hut, meint Christoph Gensch von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Im Interview verrät der Reha-Experte, was es mit dem neuen Modellprojekt auf sich hat.