Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
11.08.2017

Neuropathie bei Gicht häufiger als gedacht

Gicht-Patienten leiden nicht nur unter Schmerzen, Rötungen und Schwellungen der Gelenke. Auch Neuropathien kommen bei Gicht häufig vor, wie jetzt beim EULAR Annual European Congress of Rheumatology berichtet wurde.
Nervenschmerzen

Bei Gicht tun nicht nur die Gelenke weh

Viele Menschen leiden unter Hyperurikämie, weisen also erhöhte Harnsäurewerte auf. Etwa jeder Zehnte von ihnen entwickelt eine Gicht. Dabei kommt es zu einer Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken oder im gelenknahen Gewebe. Symptome eines akuten Gichtanfalls sind Schmerzen, Rötungen, Schwellungen und Überwärmung des betroffenen Gelenks sowie eine starke Berührungsempfindlichkeit. Auch Fieber, Kopfschmerzen und Übelkeit können auftreten. Eine weniger bekannte Folge können Neuropathien sein. Über sie wurde bisher zwar wenig berichtet, dennoch kommen sie bei Gicht-Patienten relativ häufig vor, wie mexikanische Wissenschaftler nun berichtet haben.

Gichtpatienten leiden häufig unter Mononeuropathien

Die Forscher vom Hospital General de Mexico hatten 162 Gicht-Patienten mittels Nervenleitgeschwindigkeit (CS) und Fragebögen auf Neuropathien untersucht und ihre Ergebnisse beim diesjährigen Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) vorgestellt. Die Patienten litten im Durchschnitt seit 14 Jahren an Gicht. Die Analyse ergab, dass 65 Prozent der Patienten eine periphere Neuropathie hatten. Jeder Zweite wies dabei eine Mononeuropathie auf, die durch eine Neurapraxie, also eine Leitungsblockade ohne strukturelle Schädigung der Nervenzelle, hervorgerufen wurde. Bei 89 Prozent der Betroffenen war der Mittelnerv im Karpaltunnel betroffen. Etwa jeder dritte Gicht-Patient litt an einer Polyneuropathie.

 

Ernährungsregeln und Medikamente können bei Gicht helfen

Neben den akuten Gichtanfällen kann die Erkrankung auch chronisch werden. Doch oft ist sie durch die Einhaltung bestimmter Regeln gut in den Griff zu bekommen. Dazu gehört unter anderem das Befolgen von Ernährungsempfehlungen. Betroffene sollten vor allem ihre Purinaufnahme reduzieren, den Alkoholkonsum einschränken sowie Übergewicht abbauen. Größere Mengen Purin sind in Fleisch, bestimmten Gemüsesorten, Krustentieren und Hülsenfrüchten vorhanden - diese Nahrungsmittel sollten daher nur in Maßen genossen werden. Bei einem akuten Anfall helfen die Hochlagerung und die Kühlung des Gelenks.

Bei einer medikamentösen Therapie werden meist nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), Glukokortikoide und Colchizin eingesetzt. Sie zielen darauf ab, bei einem akuten Gichtanfall möglichst schnell Schmerzfreiheit zu erreichen sowie die Gelenkentzündung zurückzudrängen. Bei Unverträglichkeit oder Kontraindikation von NSAR, Colchizin oder Kortison kann auch Interleukin-1 als Alternative in Betracht gezogen werden kann. Erst kürzlich haben Forscher in einer Übersichtsarbeit darauf hingewiesen, dass harnsäuresenkende Medikamente bei einem akuten Gichtanfall kontraindiziert sind. Sie werden zwar bei chronischer Gicht verschrieben, können jedoch zunächst zu einem akuten Gichtanfall führen oder diesen verstärken.

Foto: © psdesign1 - Fotolia.com

Autor:
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Gicht , Gelenke , Schmerzen , Gelenkschmerzen , Rheuma
 

Weitere Nachrichten zum Thema Gicht

27.10.2017

Die Gicht ist eine äußerst schmerzhafte Gelenk-Erkrankung. Ursache ist ein erhöhter Harnsäurespiegel. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, ältere öfter als junge Menschen. Mit der richtigen Ernährung lässt sich den Gicht-Anfällen vorbeugen.

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Bei schweren Covid-Verläufen richtet meist das eigene Immunsystem mehr Schaden an als die eigentliche Virusinfektion. Forscher haben nun herausgefunden, dass dabei ein natürliches Gewebe-Schutzprogramm aus dem Ruder läuft, die sogenannte Seneszenz. Die Erkenntnisse sind für neue Behandlungsmöglichkeiten relevant.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
 
Kliniken
Interviews
Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.


Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.
Logo Gesundheitsstadt Berlin