. Auswertung

Neurologen verordnen mit am häufigsten Cannabis

Seit März ist die Zahl der Cannabis-Verordnungen in die Höhe geschnellt. Ein Drittel stammt von Neurologen, wie erste Auswertungen zeigen. Damit machen Nervenärzte häufiger als andere Fachärzte von dem Schmerzmittel Gebrauch.
31 Prozent aller Cannabis-rezepte werden von Neurologen ausgestellt

31 Prozent aller Cannabis-rezepte werden von Neurologen ausgestellt

Im März trat das Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften in Kraft. Seither haben schwer kranke Patienten unter bestimmten Voraussetzungen - zum Beispiel wenn alle anderen Mittel nicht wirken - einen Anspruch auf die Erstattung von Cannabis-Medikamenten.

Einer Marktanalyse des Technologieanbieters QuintilesIMS zufolge ist die Zahl der Verordnungen in die Höhe geschnellt. Zwischen März und Mai wurde ein Anstieg der Rezepte um 80 Prozent verzeichnet. Während im März noch 3.600 Verordnungen mit den Krankenkassen abgerechnet wurden, waren es im Mai schon knapp 6.500 Verordnungen.

Schmerz ist die häufigste Indikation

Interessant ist, woher die Rezepte stammen. Danach stellen Neurologen 31 Prozent der Cannabis-Rezepte aus. Ihnen folgen Hausärzte und Allgemeinmediziner mit 23 Prozent und Internisten mit 8 Prozent. Auf Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gehen 19 Prozent der Verordnungen zurück, auf Ambulanzen 7 Prozent. Das übrige Fünftel verteilt sich auf weitere Facharztgruppen. Da in MVZs und Ambulanzen verschiedene Fachärzte arbeiten, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, welche Facharztgruppe am häufigsten Cannabis-Rezepte ausstellt. Jedoch scheinen Neurologen führend zu sein. Das macht Sinn: Die häufigsten Indikationen sind Schmerz, ADHS, Spastiken und Depressionen.

Engpässe bei Cannabis-Arznei

Um Cannabispräparate zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnen zu können, muss vorab ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden. Der Medizinische Dienst (MDK) prüft diesen Antrag dann genau und entscheidet über eine Bewilligung. Selbst wenn die Ausnahmegenehmigung vorliegt, dauert es mitunter lange, bis die Patienten das Medikament bekommen. Derzeit sind Cannabis-Medikamente vielerorts vergriffen. Weil ein Vertriebssystem unter staatlicher Kontrolle erst aufgebaut werden muss, ist Deutschland noch auf Importe angewiesen. Trotz der begklagten Engpässe ist der Eigenanbau des Medizinalhanfs weiterhin nicht erlaubt.

Foto: © Kzenon - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Neurologie , Schmerzen

Weitere Nachrichten zum Thema Cannabis

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
. Top-Fortbildungen
. Top-Termine
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
. Interviews
Die Hausärzte im Seeheilbad Büsum waren damals alles Männer im oder kurz vorm Rentenalter, ihre Einzelpraxen wollte niemand übernehmen. Um einen Zusammenbruch der medizinischen Versorgung zu verhindern, rang sich die Gemeinde dazu durch, selbst als Trägerin der örtlichen Arztpraxis aufzutreten – als erste bundesweit. In dem kommunalen Eigenbetrieb arbeiten heute fast nur junge Ärztinnen. Wie das ging und welche weiteren Modelle es gibt gegen den Ärztemangel auf dem Land, erzählt Initiator Harald Stender drei Jahre nach Gründung des Pioniermodells.