. Zappelphilipp-Syndrom

Neurofeedback neue Therapie gegen ADHS

Kinder und Jugendliche mit ADHS scheinen von Neurofeedback zu profitieren. Das legt eine Studie des Universitätsklinikums Dresden nahe. Unklar ist, ob die Gehirnschulung auch Medikamente ersetzen kann.
Neurofeedback bei ADHS: Besser Impulskontrolle und messbare Veränderungen in der Gehirnaktivität

Neurofeedback bei ADHS: Besser Impulskontrolle und messbare Veränderungen in der Gehirnaktivität

ADHS ist unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet. Viele bekommen Medikamente gegen das Zappelphilipp-Syndrom verschrieben, darunter das bekannte Ritalin. Hoffnung auf eine alternative Therapie machen nun Wissenschaftler des Universitätsklinikums Dresden. Eine soeben publizierte Studie mit 19 Kindern belegt die Wirksamkeit von Neurofeedback – einem nicht-invasiven und völlig harmlosen Verfahren. Die Probanden konnten sich nach 16 Sitzungen besser konzentrieren und ihr Verhalten besser steuern, berichten die Autoren im Journal Scientific Reports. „Seit zweieinhalb Jahren bieten wir Neurofeedback als Therapieansatz für Patienten mit ADHS an. Mittlerweile liegen die ersten Studienergebnisse vor, die belegen, dass diese Form der Therapie eine messbare Verbesserung für die Patienten bringt“, sagt Psychologin Dr. Annet Bluschke, eine der Autorinnen.

Neurofeedback lenkt Blick auf die Gedanken

Bei Neurofeedback wird die eigene Gehirnaktivität direkt auf dem Computerbildschirm rückgemeldet. Die Kinder sollen unter anderem ein Auto auf dem Computerbildschirm bewegen und versuchen, gegen den Computer zu gewinnen. Ziel der Übung ist, den Blick auf die eigenen Gedanken zu lenken und die Selbstkontrolle. „Bei Kindern mit der Diagnose AD(H)S geht es hier vor allem darum, das eigene Verhalten und die Konzentration besser selber steuern zu können“, so Bluschke weiter.

Ob Neurofeedback dazu in der Lage ist, untersuchten die Wissenschaftler mit einem Vorher-Nachher-Vergleich. Dabei absolvierten die Neurofeedbackpatienten vor Beginn und nach Ende der achtwöchigen Therapie eine Reaktionsaufgabe, während gleichzeitig die Gehirnaktivität im EEG gemessen wurde. Hier mussten die Patienten auf einen „Drückimpuls“ hin eine Taste betätigen. Wurde stattdessen ein „Stoppsignal“ eingeblendet, musste die Antwort zurückgehalten werden. Damit kann gemessen werden, wie gut die Kinder ihr Verhalten entsprechend der äußeren Reize steuern können.

Impulskontrolle und Konzentration besser im Griff

Das Neurofeedback zeigte offenbar die gewünschte Wirkung. „Nach dem Neurofeedback hatten sich die kleinen Patienten besser im Griff als die Vergleichsgruppe, deren Selbstkontrolle nicht trainiert wurde“, erläutert Bluschke. So konnten die trainierten Kinder eher den Tastendruck zurückhalten als die untrainierten (Impulskontrolle). Außerdem konnten die Forscher bei ihnen konkrete Veränderungen in der Gehirnaktivität messen.

Dies zeigt, dass Neurofeedback nicht nur oberflächlich wirkt, sondern tatsächlich zu einer Veränderung im Gehirn führt, schlussfolgern die Autoren.

Unklar ist derzeit noch, wie lange der Effekt anhält und ob Neurofeedback ähnlich wirksam wie Medikamente ist. Beiden Fragestellungen wollen die Dresdner Forscher nun in weiteren Studien nachgehen.

Foto: © Jürgen Fälchle - Fotolia.com

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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