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Neuro-COVID: Alzheimer-Biomarker erhöht

Mittwoch, 23. Februar 2022 – Autor:
Kognitive Probleme wie Konzentrationsprobleme und Gedächtnislücken sind eines der häufigsten Symptome von Long-Covid. Nun haben Wissenschaftler eine mögliche Ursache entdeckt: erhöhte Alzheimer-Biomarker im Blut von betroffenen Patienten. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie interpretiert die beunruhigenden Ergebnisse.
Studie weist erhöhte Alzheimer-Biomarker bei hospitalisierten Neuro-Covid-Patienten nach

Studie weist erhöhte Alzheimer-Biomarker bei hospitalisierten Neuro-Covid-Patienten nach – Foto: © Adobe Stock/ RFBSIP

Nach einer Covid-19-Infektion haben einige Menschen noch lange kognitive Probleme. Das als Neuro-Covid bekannte Phänomen kann das Gedächtnis, die Konzentration, das Denken als solches oder die Wortfindung beeinträchtigen. Mitunter erinnern die Defizite an eine Demenz.

Die Ursachen sind noch weitgehend ungeklärt. Nun haben Wissenschaftler im Rahmen der „SNaP Acute COVID“-Studie ein biomedizinisches Korrelat zu der dementiell anmutenden Symptomatik gefunden: Hospitalisierte COVID-19 Patienten hatten gleich hohe bzw. sogar noch höhere Spiegel neurodegenerativer Biomarker als an Alzheimer erkrankte Menschen.

Plötzlich erhöhte Alzheimer-Biomarker im Blut

In die Auswertung wurden 251 Patienten eingeschlossen, die im Durchschnitt 76 Jahre alt waren. 31 Prozent benötigten eine maschinelle Beatmung, 25 Prozent verstarben im Krankenhaus und 53 Prozent konnten entlassen werden. Neurologische Symptome traten während des Krankenhausaufenthalts bei jeden zweiten Patienten auf. Die häufigsten Diagnosen waren toxisch-metabolische Enzephalopathie (75/120) und hypoxisch-ischämische Hirnschädigung (55/120). Zum Vergleich wurden 161 Kontrollpersonen den Biomarker-Tests unterzogen.

Wie Blutuntersuchungen zeigten, wiesen die Patienten mit neu aufgetretenen kognitiven Defiziten erhöhte Tau-, NFL- und UCHL-Spiegel auf. Das Tau-Protein wird zur Diagnose einer Alzheimer-Erkrankung mit herangezogen. NFL (= „Neurofilament light chain“), ist ein Biomarker des kognitiven Abbaus, der bei Menschen mit Alzheimer oder Parkinson erhöht ist. Und UCHL1 ist ein neuronaler Biomarker, der derzeit unter anderem als ALS-Biomarker diskutiert wird. Zudem war der Spiegel des glialen fibrillären sauren Proteins (GFAP) erhöht, das in Alzheimer-Plaques enthalten ist.

 

Biomarker-Spiegel steigt mit Krankheitslast

Diese Biomarker traten zum Teil in höheren Konzentrationen auf als bei Alzheimer-Patienten.  Der Anstieg war umso höher, desto kränker die Patienten waren und er korrelierte mit einem erhöhten D-Dimer-Spiegel.

„Das ist vor dem Hintergrund der kognitiven Einschränkungen, unter denen viele Erkrankte noch lange nach der SARS-CoV-2-Infektion leiden, ein interessanter Befund“, sagt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie Prof. Peter Berlit. Bestätige sich diese Korrelation in weiteren Studien „hätten wir Biomarker für Post-COVID-Symptome wie Konzentrations- oder Gedächtnisstörungen.“

Neuro-Covid nicht mit Alzheimer vergleichbar

Doch die Ergebnisse klingen für die Betroffenen ziemlich beunruhigend. Neurologe Berlit sagt aber, die Daten dürften nicht dahingehend überinterpretiert werden, dass COVID-19 eine Alzheimer-Demenz auslösen könne. „Diese Sorge ist unbegründet, zumal sich die kognitiven Einschränkungen bei Menschen mit Post- oder Long-COVID wieder verbessern. Das ist bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer hingegen nicht der Fall“, so der Neurologe.

Zu berücksichtigen ist außerdem, dass die untersuchten Patienten unter schweren Covod-19-Verlaufsformen litten. Neuro-Covid tritt aber ganz häufig auch nach milden Infektionen auf.

Die Ergebnisse der Studie wurden am 13. Januar im Fachmagazin „Alzheimer´s & Dementia“ publiziert.

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